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Verzicht auf eine zweite Amtszeit

Bürgermeisterin Verena Jeske tritt nicht wieder an+++hier die persönlichen Beweggründe

Bürgermeisterin Verena Jeske wirft ihren Hut für die Bürgermeisterwahl nicht in den Ring. Foto: Otto

Bad Bramstedt (anz) – Die Nachricht kam heute überraschend: Bürgermeisterin Verena Jeske (parteilos; 45 Jahre) tritt nicht mehr zur Bürgermeisterwahl an und steht der Rolandstadt damit nicht mehr für eine zweite Amtszeit zur Verfügung.
Hier die persönlichen Beweggründe:


„Liebe Bürgerinnen und Bürger von Bad Bramstedt,
nach 5,5 intensiven und ereignisreichen Jahren endet nun bald meine erste Amtszeit als Bürgermeisterin unserer schönen Stadt. In dieser Zeit habe ich viele von Ihnen kennengelernt, Herausforderungen angenommen und zahlreiche Veränderungen angestoßen. Für mich ist dieses Amt eine Berufung und ich habe es mit großer Dankbarkeit ausgeübt. Heute möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mich entschieden habe, mich nicht erneut für das Amt der Bürgermeisterin zu bewerben.
Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen, und ich bin mir der Überraschung und der möglichen Enttäuschung vieler Bürgerinnen und Bürger der Stadt Bad Bramstedt bewusst. Sie dürfen daher mit Recht erwarten, meine Beweggründe zu erfahren. 

Veränderungen als meine Mission

Von Anfang an war es meine Absicht, als Bürgermeisterin Veränderungen zu initiieren und alte, eingefahrene Strukturen aufzubrechen. Ich sehe mich als jemand, der Raum für Neues schafft und neue Perspektiven ermöglicht. In der freien Wirtschaft habe ich gelernt, dass Change-Management-Prozesse oft von externen Beratern durchgeführt werden, die nach der Umstellung das Unternehmen wieder verlassen. Diese Berater sind darauf spezialisiert, notwendige und überfällige Veränderungen zu implementieren und dabei in Kauf zu nehmen, nicht immer beliebt zu sein.

Veränderung ist unbequem

Veränderungen sind meist unbequem und lösen Unsicherheiten aus, da sie gewohnte Pfade verlassen. Die negativen Gefühle, die mit einem Veränderungsprozess einhergehen, werden oft mit der Person verbunden, die diese Veränderungen initiiert. In der Wirtschaft verlässt diese Person das Unternehmen nach der erfolgreichen Implementierung. Auch ich habe erkannt, dass meine Stärke darin liegt, Veränderungen voranzutreiben und auszuhalten, und dabei nicht immer gemocht zu werden.
Berater oder auch Veränderungsmanager brauchen die Unterstützung ihrer Auftraggeber. Diese habe ich dankenswerterweise in der Bevölkerung umfangreich verspürt. Leider musste ich mich hingegen in den städtischen Gremien ständig gegen Widerstände, Blockaden und Anfeindungen wehren. So ist es vielleicht besser, wenn die angestoßenen Veränderungen von jemand anderes fortgesetzt werden und die neuen Routinen etabliert werden.

Meine Erkenntnis

Ich habe für mich erkannt, dass ich nicht zwei Persönlichkeiten in mir vereinen kann. Ich bin der Veränderer, nicht nur eine Verwalterin. Meine Amtszeit von 5,5 Jahren haben viele Dinge auf den Weg gebracht und unsere Stadt in Richtung Zukunft geführt. Eigentlich wären weitere sechs Jahre gut, um den begonnenen Weg zu vollenden. Doch gerade in den letzten Wochen sind mehrere politische Entscheidungen gefallen, die mich zur Umsetzung von Beschlüssen zwingen wollen, die ich weder von der Stadtentwicklung noch finanziell mitverantworten kann und möchte. Ich habe in meiner gesamten Amtszeit immer für das Wohl der Stadt Bad Bramstedt gehandelt. Und wenn ich vermehrt politische Entscheidungen umsetzen muss, die dem zuwiderlaufen, halte ich das auf Dauer für extrem schwierig.
Was haben wir in den vergangenen 5,5 Jahren erreicht?
Mein zweites und drittes Bürgermeisterjahr waren geprägt von Corona, einer Pandemie, deren Auswirkungen auf uns, unsere Gesellschaft und Wirtschaft bis heute nachwirkt. Das Leben stand zwei Jahre nacheinander gefühlt still und hat die Verwaltung und mich über Gebühr gefordert und auch müde gemacht. Diese Pandemie war noch nicht ausgestanden und dann hat uns die nächste Katastrophe erschüttert, der bis heute andauernde Krieg in der Ukraine, in unserem friedlichen Europa. Noch immer habe ich Gänsehaut, wenn ich an den Abend denke, als wir alle gemeinsam zwei Wochen nach Ausbruch des Krieges noch mit FFP2-Masken im Gesicht an der Schäferberg Turnhalle den Konvoi aus sieben Lkw mit gespendeten Hilfsgütern beladen haben.
Wir haben gezeigt, dass Corona unserem Gemeinschaftsgefühl in Bad Bramstedt nichts anhaben konnte.
In den letzten 5,5 Jahren haben wir gemeinsam viele bedeutende Erfolge erzielt:
• Modernisierung der Stadtverwaltung: Effizientere Abläufe und bessere Dienstleistungen für alle Bürger.
• Weiterentwicklung der Digitalisierung: Neue, sichere IT-Strukturen und mobiles Arbeiten, die unsere Stadt zukunftsfähig machen.
• Neue Markenidentität der Stadt: Ein frischer, moderner Auftritt für Bad Bramstedt.
• Das JUZ-Café „Lykke Lys“: Ein wichtiger Treffpunkt für unsere Jugend und Sanierung des 70 Jahre alten Gebäudes
• Das MVZ und der begonnene Neubau: Ein großer Schritt zur Verbesserung der medizinischen Versorgung.
• Der begonnene Bau eines Ärztezentrums
• Erweiterung der Kitas: 90 neue Betreuungsplätze für unsere Kleinsten in Betrieb genommen und für weitere 130 im Bau begonnen.
• Neue Feuerwehrwache: Modernste Ausstattung für die Sicherheit unserer Bürger.
• Erweiterung und Sanierung des Klärwerks
• Erweiterung des städtischen Bauhofes
• Erweiterung und Modernisierung der Bücherei
• Grundsanierung des Sportplatzes am Schäferberg
• Gründung des Lebenswelt Schule Vereins für die Sicherung der Ganztagsbetreuung
• Schaffung eines Bogenparcours
• Ein neues Kultur- und Tourismusbüro: Förderung von Kultur und Tourismus in unserer Stadt. Das Amt.Zum Glück ist entstanden.
• Wiederbelebung des Kurhaustheaters: Ein kulturelles Highlight für Bad Bramstedt.
• Neuaufstellung des Bauhofes und des optischen Erscheinungsbildes unserer Stadt
• Zahlreiche Veranstaltungen und Festivals: Stärkung des Gemeinschaftsgefühls und Förderung des kulturellen Lebens.
• Erstellung eines neuen Generalentwässerungsplans, eine Hausaufgabe, die seit 20 Jahre ignoriert wurde und ohne den wir keine Flächenentwicklungen für Gewerbeland durchführen können
• Einkauf von 15 Hektar Grünland für Entwicklung von Gewerbeland
Der Schuldenstand unserer Stadt und aller Beteiligungen steigt bis 2027 von 22 Millionen Euro (Stand 2018) auf 100 Millionen an. Ich zitiere dazu das Gemeindeprüfungsamt des Kreises Segeberg aus Juni diesen Jahres: „Die Schulden der Stadt steigen. Ebenso steigt parallel das Anlagevermögen der Stadt.“
Das heißt: Wir investieren in unsere Zukunft und arbeiten den investiven Stau der letzten 20 Jahre ab. Die oben genannten vielen notwendigen Projekte sprechen für sich.

Dank und Wertschätzung

Bad Bramstedt hat ein enormes Potenzial, und ich bin überzeugt, dass die angestoßenen Projekte und Veränderungen unsere Stadt auf den richtigen Weg gebracht haben. Ich habe gerne gestritten und schätze heute die standhaften Streitpartner und Mitstreiter, die ich hatte. Denn jeder Streit oder jede Auseinandersetzung zeigt, dass einem eine Sache wichtig ist. Es freut mich, dass so vielen Menschen unsere Stadt am Herzen liegt. Denn eine Stadt braucht Engagement – ob ehrenamtlich oder hauptberuflich, ob sozial, wirtschaftlich oder kulturell.

Ausblick

Ich bin davon überzeugt, dass Sie mich auch für weitere sechs Jahre als Bürgermeisterin Ihrer Stadt gern gesehen hätten. Gleichwohl aus den genannten Gründen, werde ich mich persönlich nach neuen Aufgaben umschauen, die mich ebenso reizen. Ich möchte weiterhin alte Denkweisen aufbrechen und neue Blickwinkel etablieren. Neue Herausforderungen passen gut zu meiner Persönlichkeit und meinen Stärken.
Abschließende Worte
Ich wünsche der Stadt Bad Bramstedt und allen Bad Bramstedterinnen und Bad Bramstedtern alles Gute und bin überzeugt, dass die Stadt mit dem Engagement ihrer Bürgerinnen und Bürger sowie ihrer Verwaltung weiterhin erfolgreich sein wird. Ich bedanke mich für das Vertrauen, das Sie mir entgegengebracht haben, und für die Möglichkeit, unsere Stadt mitgestalten zu dürfen.“

Mit herzlichen Grüßen,
Verena Jeske

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