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Verena Jeske tritt nicht wieder an

Bürgermeisterin verzichtet auf eine zweite Amtszeit

Bürgermeisterin Verena Jeske wirft ihren Hut für die Bürgermeisterwahl nicht in den Ring. Foto: Otto

Bad Bramstedt (anz) – Auch wenn das politische Klima in Bad Bramstedt schon lange sehr angespannt ist, die Fronten zwischen der Bürgermeisterin auf der einen und der CDU, von Bündnis 90/Die Grünen und der FDP auf der anderen Seite sichtlich verhärtet sind und die Chemie auch menschlich irgendwie nicht stimmt, kam die Nachricht am Dienstag überraschend: Bürgermeisterin Verena Jeske (parteilos, 45 Jahre) tritt nun doch nicht zur Bürgermeisterwahl am 15. September an und steht der Rolandstadt damit nicht mehr für eine zweite Amtszeit zur Verfügung.

„Nach 5,5 intensiven und ereignisreichen Jahren endet nun bald meine erste Amtszeit als Bürgermeisterin unserer schönen Stadt. In dieser Zeit habe ich viele von Ihnen kennengelernt, Herausforderungen angenommen und zahlreiche Veränderungen angestoßen. Für mich ist dieses Amt eine Berufung und ich habe es mit großer Dankbarkeit ausgeübt. Nun möchte ich Ihnen mitteilen, dass ich mich entschieden habe, mich nicht erneut für das Amt der Bürgermeisterin zu bewerben. Diese Entscheidung ist mir nicht leicht gefallen“, erklärt die Bürgermeisterin. 

Veränderungen als ihre Mission

Von Anfang an sei es ihre Absicht, als Bürgermeisterin Veränderungen zu initiieren und alte, eingefahrene Strukturen aufzubrechen. „Ich sehe mich als jemand, der Raum für Neues schafft und neue Perspektiven ermöglicht“, so die Bürgermeisterin weiter.
Veränderungen seien meist unbequem und lösen Unsicherheiten aus, da sie gewohnte Pfade verlassen. „Die negativen Gefühle, die mit einem Veränderungsprozess einhergehen, werden oft mit der Person verbunden, die diese Veränderungen initiiert. Auch ich habe erkannt, dass meine Stärke darin liegt, Veränderungen voranzutreiben und auszuhalten, und dabei nicht immer gemocht zu werden.“
Berater oder auch Veränderungsmanager bräuchten die Unterstützung ihrer Auftraggeber. „Diese habe ich dankenswerterweise in der Bevölkerung umfangreich verspürt. Leider musste ich mich hingegen in den städtischen Gremien ständig gegen Widerstände, Blockaden und Anfeindungen wehren. So ist es vielleicht besser, wenn die angestoßenen Veränderungen von jemand anderes fortgesetzt werden und die neuen Routinen etabliert werden“, sagt Jeske.

„Ich habe für mich erkannt, dass ich nicht zwei Persönlichkeiten in mir vereinen kann. Ich bin der Veränderer, nicht nur eine Verwalterin. Meine Amtszeit von 5,5 Jahren haben viele Dinge auf den Weg gebracht und unsere Stadt in Richtung Zukunft geführt. Eigentlich wären weitere sechs Jahre gut, um den begonnenen Weg zu vollenden. Doch gerade in den letzten Wochen sind mehrere politische Entscheidungen gefallen, die mich zur Umsetzung von Beschlüssen zwingen wollen, die ich weder von der Stadtentwicklung noch finanziell mitverantworten kann und möchte“, erklärt die 45-Jährige. 

Bad Bramstedt habe ein enormes Potenzial, und Verena Jeske ist überzeugt, dass die angestoßenen Projekte und Veränderungen die Stadt auf den richtigen Weg gebracht haben. „Ich habe gerne gestritten und schätze heute die standhaften Streitpartner und Mitstreiter, die ich hatte. Denn jeder Streit oder jede Auseinandersetzung zeigt, dass einem eine Sache wichtig ist.“ 
Nun will sich Verena Jeske  persönlich nach neuen Aufgaben umschauen, die sie ebenso reizen. „Ich möchte weiterhin alte Denkweisen aufbrechen und neue Blickwinkel etablieren. Neue Herausforderungen passen gut zu meiner Persönlichkeit und meinen Stärken“, blickt sie in die Zukunft.

Stellungnahmen der Parteien

Die Bad Bramstedter SPD, die Verena Jeske vor sechs Jahren aufgestellt hatte, reagiert auf ihren Verzicht „mit großem Bedauern und stößt zugleich auf viel menschliches Verständnis“, so die Fraktionsvorsitzende Karin Steffen. Verena Jeske habe in den vergangenen Jahren für diesen Ort so viele positive Veränderungen umgesetzt und auf den Weg gebracht, wie es andere Bürgermeister nicht in zwei Amtszeiten geschafft hätten. „Doch die permanenten und häufigen Attacken, die tief ins Persönliche und Private gehen, kann kein Mensch auf Dauer für sich und seine Familie ertragen“,  sagt Karin Steffen. „Daher haben wir vollstes Verständnis, wenn unserer Bürgermeisterin das Wohl ihrer Familie und ihre eigene Gesundheit wichtiger sind, als das Amt weitere sechs Jahre zu führen.“
„Wir nehmen ihre Entscheidung mit Respekt zur Kenntnis und wünschen ihr beruflich und persönlich alles Gute.Frau Jeske begann ihre Amtszeit mit viel Elan, brachte frische, auch gute Ideen ein, und wir bedauern sehr, dass die Zusammenarbeit schon bald nicht immer reibungslos verlief. Die stetig wachsenden Probleme, zwischenmenschlich und kommunikativ, sowohl mit der großen Mehrheit der ehrenamtlichen Stadtverordneten als auch innerhalb der Verwaltung, sind ohne einen Wechsel im Bürgermeisteramt nicht mehr zu lösen. Frau Jeske gebührt Anerkennung dafür, das erkannt zu haben und den Weg für einen Neuanfang freizumachen“, erklärt Dr. Gilbert Sieckmann-Joucken, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen.
„Die Entscheidung der Bürgermeisterin ist für die FDP Bad Bramstedt menschlich nachvollziehbar. Es ist schade, dass es nicht gelungen ist, die Spannungen zwischen der Bürgermeisterin und Teilen der Politik aufzuarbeiten, wahrscheinlich waren dazu dann am Ende auch die Sichtweisen zu verschieden. Und nein: es ist gibt keinen Grund, um zu jubeln, wenn es letztlich so endet, dass es einen Vertrauensverlust gab und die Verletzungen auf beiden Seiten spürbar sind. Wir erkennen an, dass die Bürgermeisterin viele Ideen für Bad Bramstedt hatte und Bad Bramstedt sicher durch die Pandemie geführt hat. Dennoch zeigt sich, wie unverzichtbar die Kompetenz ist, die Einwohner mitzunehmen (siehe: Auenland) und auch die Kommunikation mit der Politik und der Verwaltung konstruktiv zu gestalten“, so die FDP-Fraktionsvorsitzende Kathrin Parlitz-Willhöft.
„Wir haben die Entscheidung von Frau Jeske zur Kenntnis genommen, nicht erneut für das Bürgermeisteramt in Bad Bramstedt zu kandidieren. Wir sind froh darüber, mit Felix Carl einen geeigneten Kandidaten für die Bürgermeisterwahl am 15. September aufgestellt zu haben. Wir hoffen auf einen fairen Wahlkampf und einen respektvollen Umgang der verbleibenden Kandidaten miteinander“, erklärt Volker Wrage, Fraktionsvorsitzender der CDU.
Mit dem Verzicht von Verena Jeske sind jetzt noch Felix Carl (parteilos), aufgestellt von der CDU, und der unabhängige Kandidat Nils Böttger  weiter im Rennen um das Bürgermeisteramt. Offizieller Bewerbungsschluss ist der 22. Juli. Die Wahl startet dann am 15. September.

Die vollständige Erklärung von Bürgermeisterin Verena Jeske und die Stellungnahmen der Parteien lesen Sie online unter www.ihranzeiger.de.


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