Bad Bramstedt (usp) – Begünstigt durch ein Flachdach gab es immer wieder Wassereinbrüche am Verwaltungsgebäude des Klärwerkes in der Glückstädter Straße, zuletzt 2019. Außerdem gab es Platzprobleme für die zehn Beschäftigten. Aus diesen Gründen wurde ein Um- und Erweiterungsbau des 1967 als Faulturm erbauten Gebäudes beschlossen.
Auch wenn die Arbeiten voraussichtlich erst 2025 abgeschlossen sein werden, gab es schon jetzt etwas zu feiern: das Richtfest. Neben Mitarbeitern und Handwerkern hatte Bürgermeisterin Verena Jeske auch Gäste aus der Kommunalpolitik geladen. Besonders über die Einladung gefreut hat sich Peter Heinlein, der 35 Jahre lang den Betrieb geleitet hatte.
Das Bauprojekt wird den städtischen Etat jedoch nur wenig belasten, da alle Investitionen des Klärwerks über die Abwassergebühren der Verbraucher finanziert werden. Als Eigenbetrieb der Stadt muss dieser kostendeckend arbeiten. Die ursprünglich auf 1,1 Millionen Euro veranschlagten Kosten sind aufgrund der Corona-Pandemie und des Ukraine Krieges – wie bei allen Bauprojekten – massiv gestiegen. Laut Verena Jeske liegen sie alleine für das Gebäude inzwischen bei 2,6 Millionen Euro. Hinzu kommen noch einmal 214 000 Euro für eine mit einem Dieselmotor betriebene Netzersatzanlage. Durch diese wird sichergestellt, dass das Klärwerk auch dann weiterhin arbeitsfähig bleibt, wenn es zu einem Stromausfall kommt.
Aus statischen Gründen wurde die Aufstockung des Gebäudes in Leichtbauweise vorgenommen. Entstanden sind zusätzliche vier Büros und eine Prozessleitwarte, die in das neu entstehende Obergeschoss einziehen wird. Sie ist das technische Herzstück. „Dort wird gemessen, gesteuert und geregelt“, erklärte der Leiter des Klärwerkes, Fredrik Babel. Regeneinbrüche, die durch den Umbau – insbesondere durch ein neues Dach – verhindert werden, hätten in diesem Bereich fatale Folgen. Hinzu kommen größere Sozialräume sowie nach Geschlechtern getrennte Umkleide- und Sanitärräume.
Doch mit dem Umbau des Verwaltungsgebäudes sind die Investitionen noch lange nicht am Ende. Zur Anpassung an die sich ständig wandelnden Umweltauflagen müssten in den nächsten fünf Jahren weitere 15 bis 20 Millionen Euro investiert werden, blickte die Bürgermeisterin in die Zukunft.
Außerdem folgen die Sanierung und die Wiederinbetriebnahme des zweiten Faulturmes. Einer ist derzeit in Betrieb. In den Faultürmen werden Essensreste und sogenannter Roh- und Überschussschlamm ausgefault. Durch den Faulvorgang entsteht Metangas, mit dem ein Blockheizkraftwerk betrieben wird, das den größten Teil des Stromverbrauchs des Klärwerkes deckt, so Frederik Babel. Zusätzlich erfolgt der Bau einer neuen Schlammhalle zur Entwässerung des Schlamms, der später verbrannt wird.
Ausgelegt ist das Klärwerk für 55 000 Einwohnergleichwerte. Diese sind nicht zu verwechseln mit der Anzahl der Einwohner. Vielmehr ist der Einwohnergleichwert der Referenzwert, der Auskunft über die Schmutzfracht im Abwasser gibt, die beispielsweise die Kläranlage verarbeiten kann. Ausgelastet ist es laut Babel derzeit mit 40 000 Einwohnergleichwerten.
Aktuell werden bei etwa 15 800 Einwohnern rund 4 700 Verbrauchsstellen in Bad Bramstedt und Hitzhusen zur Zahlung von Schmutzwassergebühren herangezogen. Ohne Niederschlagswassergebühren wird im Haushalt mit 4,66 Millionen Euro gerechnet. Die Schmutzwassergebühren werden in 15 unterschiedlichen Gebührenklassen abgerechnet, der nach dem Verschmutzungsgrad ermittelt wird.
Neben dem Arbeitsbereich „Kläranlage“ gibt es noch den „Kanalbereich“, der von Andreas Baatz geleitet wird. „Dieser Arbeitsbereich befasst sich unter anderem mit den 28 Pumpwerken sowie den Regenwasser- und Schmutzwasserleitungen“, erklärt Frederik Babel.