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Gespräch im Stuhlkreis:

Sexualstraftäter, Messergewalt und ein Tötungsdelikt

In einer offenen Runde wurde am Mittwochabend über die „Sicherheit in Neumünster“ diskutiert. Oberbürgermeister Tobias Bergmann (links) und Michael Knapp (Dezernent für Sicherheit und Ordnung) standen Rede und Antwort zum Thema „Sicherheit in Neumünster“. Foto: L. Bernhardt

Neumünster (lyb) - Bei der Bürgersprechstunde mit Oberbürgermeister Tobias Bergmann am vergangenen Mittwochabend drehte sich alles um das Thema „Sicherheit in Neumünster”. Besorgte Eltern hatten die Gelegenheit, über ihre Ängste zu sprechen. Trotz der emotionalen Themen verlief die Runde konstruktiv. 


Aktuell sind zwei Kapitalverbrechen in Neumünster in aller Munde: eine lebensbedrohliche Messerstecherei vor der Holsten-Galerie sowie eine Schießerei in der Kieler Straße, bei der ein junger Mann getötet wurde. Hinzu kommt die anhaltende Aufregung um den Sexualstraftäter Christian B. (Fall „Maddie“), die insbesondere in den sozialen Netzwerken hochkochte und immer noch nicht abgeflaut ist. Die Stadtverwaltung sah deshalb Handlungsbedarf und lud am Mittwochabend, dem 9. Oktober, ausgewählte Bürgerinnen und Bürger zu einer Gesprächsrunde ein. Doch nur acht der 25 angesprochenen Personen waren tatsächlich erschienen. Unter den Anwesenden waren eine Mutter von drei Kindern, ein Vater, dessen Tochter Opfer sexuellen Missbrauchs geworden war, und seine Lebensgefährtin, zwei weitere Mütter mit jüngeren Kindern, eine Elternvertreterin der Fröbelschule, ein Vater von zwei Töchtern sowie ein Vater mit einer jungen Tochter. Von Seiten der Stadtverwaltung nahmen teil: Oberbürgermeister Tobias Bergmann, der Erste Stadtrat Michael Knapp, Dezernent für Sicherheit und Ordnung, Geoffrey Warlies, der Social-Media-Beauftragte der Stadt Neumünster, Dominik Cholewa sowie ein Vertreter der Presseabteilung der Stadt Neumünster. 


Wo hält sich Christian B. auf? – Markus Vogt gründet eine Bürgerinitiative 
Vor allem das Thema um den Sexualstraftäter Christian B., der sich in Neumünster aufhielt, bewegte die Anwesenden am meisten. „Dass die Eltern in dieser Situation Angst und Beklemmung empfinden, kann ich vollkommen nachvollziehen“, sagte Tobias Bergmann. Der gesetzlichen Pflicht, Christian B. unterzubringen, sei man zwar nachgekommen, aber auch nicht mehr, so der Bürgermeister. „Feldbett, Stuhl, Tisch, das wars von der Ausstattung her“, ergänzte Geoffrey Warlies. Dies führte in der jüngeren Vergangenheit zu der Diskussion, wie der Opferschutz gewährleistet und gleichzeitig für die Sicherheit des Täters gesorgt werden kann. Immerhin zog der Fall internationale Aufmerksamkeit auf sich und damit auch die Boulevardpresse nach Neumünster. Markus Vogt, der am Bürgergespräch teilnahm, gründete im Hinblick auf die Diskussion um Christian B. aus persönlichen Motiven heraus (seine Tochter wurde sexuell missbraucht) eine Bürgerinitiative. Er rief zu einer Demonstration unter dem Motto „Opferschutz statt Täterschutz“ auf, die am Samstag, dem 4. Oktober, stattfand. Aufgrund dieser Formulierung wurde ihm allerdings Nähe zu einer rechtsextremen Organisation unterstellt, was für weitere Aufregung sorgte. Vogt selbst kann diesen Vorwurf nicht nachvollziehen: „Es gibt kein politisches Label, wir gehören keiner Partei an, weder rechts noch links.“ In der Bürgerinitiative seien Mütter und Väter, die alle dasselbe wollten: ein sicheres Neumünster für ihre Kinder. Der Oberbürgermeister erklärte: „Christian B. trug eine elektronische Fußfessel, damit war er in unserer Stadt immer unter Beobachtung.“  
Doch die Frage, wo sich Christian B. aktuell aufhält, steht immer noch im Raum und wird in den sozialen Medien heiß diskutiert. Mal soll er hier, mal dort und sogar an mehreren Orten gleichzeitig gesehen worden sein. Offiziellen Angaben zufolge hält er sich allerdings nicht mehr in Schleswig-Holstein auf. „Die Unsicherheit bleibt trotzdem“, sagte die Mutter von drei Kindern. Es gab bereits viele Fälle, in denen Triebtäter trotz Fußfessel weiterhin aktiv sein konnten. Was man sich vonseiten der Stadt gewünscht hätte, wäre eine bessere Kommunikation und mehr Transparenz gewesen. Man hatte das Gefühl, er sei hier, aber niemand tue etwas. So lautete zumindest das Fazit einiger Teilnehmender. Die Stadt sieht hingegen kein Kommunikationsdefizit. Man habe versucht, die unmittelbare Gefahr realistisch einzuschätzen. Michael Knapp ergänzt: „Es gab auch noch diverse Anwälte, die dafür gesorgt haben, dass so wenig wie möglich an die Öffentlichkeit gelangt.“ Daraufhin wurde über gefühlte Unsicherheit und objektivierbare Fakten diskutiert. Eine Mutter sagte treffend: „Mütter von Kita-Kindern haben genug Themen und brauchen keine weiteren mehr.“  


Die Statistik sagt: Neumünster ist nicht unsicherer als noch vor Jahren 
Obwohl es jüngst zu mehreren Gewaltdelikten, darunter eines mit Todesfolge, kam, besagt die Kriminalitätsstatistik eindeutig, dass Neumünster nicht unsicherer ist als noch vor einigen Jahren. Das subjektive Empfinden einiger Menschen spricht jedoch dagegen. Eine Teilnehmerin sagte: „Die Bürger haben Angst, Statistik hin oder her.“ Dabei würden bereits einfache Maßnahmen wie die Reparatur aller defekten Beleuchtungskörper viel bewirken. Zudem trauen sich immer weniger Menschen in die Innenstadt. Ein weiterer Wunsch ist mehr Kontrolle, besonders in der Holsten-Galerie und an Hotspots. Michael Knapp sagt: „Man darf nicht vergessen, dass es sich in beiden Fällen um Beziehungstaten handelte.“ Eine Teilnehmerin erwidert: „Es sind ja nicht nur die Messerstechereien und die Schießerei. An der Ecke Johannisstraße/Kieler Straße gibt es ständig Prügeleien und Auseinandersetzungen zwischen Gruppen, die von den Anwohnern gefilmt werden.“ Positiv aufgenommen wurde die inzwischen verstärkte Polizeipräsenz in diesem Bereich, der zur „Kontroll-Zone“ erklärt wurde. Darüber hat man sich sehr gefreut. Um zu reagieren, wird derzeit auf politischer Ebene eine Waffenverbotszone rund um das Bahnhofsviertel diskutiert. Doch das ist nicht so einfach umzusetzen, wie man es sich vielleicht vorstellt. Solche Zonen können nur im Zusammenhang mit dem ÖPNV oder an Orten eingerichtet werden, an denen es zu Menschenansammlungen kommt, die eine Gefährdungssituation nach sich ziehen könnten. Jemand fragte: „Warum wird das erst jetzt diskutiert und nicht bereits Anfang des Jahres?” Michael Knapp antwortete: „Wenn wir Waffenverbotszonen einrichten, dann müssen es Gebiete sein, die Kriminalitätsschwerpunkte darstellen.“ Ähnlich wie bei der Videoüberwachung im Renks Park. Es musste und muss auch jetzt statistisch umfangreich bewiesen werden, dass die Videoüberwachung beziehungsweise dann eine Waffenverbotszone die einzig angemessene Maßnahme ist, um dort Kriminalität zu bekämpfen.  

Waffenverbotszone: Ergebnis erst frühestens im Dezember 
Nun wird an einer juristischen Begründung gearbeitet, um den Kreis der Waffenverbotszone um die Ecke Johannesstraße/Kieler Straße zu erweitern. Dies ist jedoch nicht trivial und wird Zeit benötigen. Das bedeutet, dass frühestens in der ersten Dezemberhälfte eine Waffenverbotszone eingerichtet werden kann. „Eine Waffenverbotszone hätte an den beiden Gewalttaten jedoch überhaupt nichts geändert“, sagt Tobias Bergmann. Trotzdem wolle man in dieser Sache vorangehen, da dies der Polizei in Zukunft mehr anlasslose Kontrollen ermögliche und sich möglicherweise positiv auf das Sicherheitsgefühl der Menschen auswirke. Für solche Kontrollen kommt das Ordnungsamt nicht infrage, denn „am Ende des Tages braucht man Leute, die dafür ausgebildet sind, jemandem erfolgreich die Waffe abzunehmen“.  


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