Kellinghusen (bg) – Während des WiPo-Unterrichts (Wirtschaft und Politik) sprachen die Schüler der 11. Klasse der Gemeinschaftsschule mit Oberstufe (GMSmO) Kellinghusen über aktuelle Ereignisse wie den Ukraine-Krieg, das Geheimtreffen der AfD-Politiker in Potsdam und den Rechtsruck bei der Europawahl. Dabei regte sich Widerstand in der Klasse. „Wir waren mit dem, was gerade in Deutschland und Europa passiert nicht einverstanden“, sagte Melina Sobolka. „Und wir wollten etwas dagegen unternehmen." Gemeinsam mit ihren Mitschülern gründeten sie deshalb ein Aktionsteam und begannen, einen Aktionstag gegen Rechtsextremismus und für mehr Toleranz zu organisieren.
Schon im Vorfeld waren die Schüler des Aktionsteams in den anderen Schulklassen zu Gast und klärten über Extremismus auf. „Wir haben positive Rückmeldung von allen Jahrgangsstufen bekommen“, erinnert sich Felina Schuldt.
Am vergangenen Freitag dann trafen sich dann rund 600 Schüler, Lehrer und Eltern auf dem unteren Marktplatz, um in einem großen Demonstrationszug durch die Kellinghusener Innenstadt zur Schule zu ziehen und sich für mehr Toleranz auszusprechen.
Auf dem Sportplatz waren weitere Aktionen mit Redebeiträgen, Musik, Informationsständen und einem Gruppenfoto in Form eines Peace-Zeichens geplant.
„Demonstranten haben Angst, aber auch Hoffnung“, sagte Joshua Prigge vom Aktionsteam und plädierte: „Wir müssen unsere Angst nutzen, um etwas zu ändern! Die Zukunft ist nicht in Stein gemeißelt.“ Nathalie Wichmann und Diana Aldarbi vom Kinder- und Jugendparlament mahnten in ihrer Rede ebenfalls dazu, einander zuzuhören und voneinander zu lernen.
Neben den Jugendlichen waren auch Mark Helfrich, Abgeordneter des Bundestages, und Bürgermeister Axel Pietsch als Redner eingeladen. „Freiheit und Toleranz sind nicht selbstverständlich in der Welt“, sagte Mark Helfrich. „Wir haben in unserer Verfassung die Würde und die Grundrechte aller Menschen in den Vordergrund gestellt. Und auch das ist nicht normal. Diese Dinge sind jetzt in Gefahr. Deswegen seid sensibel, passt auf und seid mutig, damit die Toleranz wächst und irgendwann selbstverständlich wird.“
„Ihr stellt mit diesem Aktionstag unter Beweis, dass ihr bereit seid, gesellschaftspolitische Verantwortung zu übernehmen“, lobte Axel Pietsch die Schüler. „Ihr sendet damit ein wichtiges Signal, das aktuell enorme Bedeutung hat. Toleranz bedeutet Respekt, Akzeptanz und Anerkennung der Kulturen der Welt. Es ist unser aller Aufgabe, den Feinden der Demokratie durch die Kraft der Gemeinschaft Einhalt zu gebieten.“
Für Schulleiter Gerd Christian Thielmann war es ein gelungner Tag. „Die Schüler waren friedlich, engagiert und haben sich kreativ mit dem Thema auseinandergesetzt“, sagte er und auch für das Aktionsteam der 11. Klasse zeigte sich zufrieden.