Moin Jobfinder

Erinnerung ist Pflicht

Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus

Ehrengast Nicolaus Blättermann stellte sich auf der Bühne den Fragen der Schüler des Sophie-Scholl-Gymnsiums. © Görke

Landtagspräsidentin Kristina Herbst mahnte, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus wachzuhalten. © Görke

Zum Gedenktag an die Befreiung des KZ Auschwitz wurden auch in diesem Jahr zahlreiche Kränze am Mahnmal niedergelegt. © Görke

Itzehoe (bg) – Am 27. Januar jährte sich die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz zum 81. Mal. Mehr als eine Million Menschen waren dort ermordet worden. 

Die landesweite Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus fand am Dienstag in Itzehoe statt. Dafür besuchte Landtagspräsidentin Kristina Herbst zunächst den Geschichtenberg mit Schülern des Sophie-Scholl-Gymnasiums (SSG). Im Anschluss wurden am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus an den Malzmüllerwiesen Kränze niedergelegt. Die Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus fand in diesem Jahr im Pädagogischen Zentrum des SSG mit rund 350 Gästen statt. 

„Heute ist ein Tag der Stille, an dem wir den Menschen gedenken, die im Weltbild der Nazis keinen Platz hatten“, sagte Kristina Herbst. „Sie alle waren Menschen mit Familien, mit Hoffnungen. Ihr Leid wirkt bis heute nach.“ Deswegen sei das Erinnern auch keine Option, sondern Pflicht. Die Stimmen der Zeitzeugen würden weniger und leiser. Umso wichtiger sei es, die Erinnerungen zu erhalten. 

„Das Mahnmal erinnert und konfrontiert mit den Leiden der Opfer. Es mahnt uns, solche Verbrechen nicht wieder passieren zu lassen“, so Kristina Herbst. Es war 1946 von dem deutsch-ungarischen Filmproduzent Gyula Trebitsch erreichtet worden und ist das erste seiner Art in Deutschland. Nachdem es zunächst aus dem öffentlichen Raum verbannt worden war, ist es dem Journalisten Michael Legband zu verdanken, dass es 1995 wieder an den zentralen Standpunkt zurückkehren konnte. 

„Heute ist die Gedenkfeier in jüngere Hände übergegangen. Die Führung der Schüler hat mit tief beeindruckt“, sagte Kristina Herbst und verwies darauf, dass das Gedenken heute von den Schülern des SSG organisiert wird. „Es ist eine bewusste Entscheidung, sich mit der Vergangenheit zu befassen und Verantwortung zu übernehmen. Es ist eine Entscheidung gegen die Gleichgültigkeit. Ihr gebt den Opfern ihre Würde zurück.“ 

Das Erinnern stünde jedoch zunehmend unter Druck. „Es gibt heute wieder mehr Antisemitismus, Juden haben wieder Angst. Das sind Warnzeichen und es erschüttert mich, dass auch hier bei uns immer mehr Warnzeichen kommen. Antisemitische Taten werte ich auch als Angriff auf unseren Zusammenhalt. Ich rufe alle dazu auf. gemeinsam für eine offene und tolerante Gesellschaft einzutreten. Die junge Generation ist die letzte, die noch die Chance hat, Zeitzeugen zu erleben. Es liegt an euch, diese Erinnerung weiterzutragen. Seid mutig, kreativ und unmissverständlich!“

Ehrengast des Abends war Nicolaus Blättermann. Er wurde 1920 geboren. 1934 floh seine Familie nach Chişinău im heutigen Moldavien, von wo er 1941 deportiert wurde. Er wurde in verschiedene Außenlager von 
Auschwitz-Birkenau verschleppt und zur Zwangsarbeit gezwungen. Nach der Befreiung lebte er einige Zeit in Berlin, bevor er ins rheinland-pfälzische Bad Kreuznach ging, wo er sich für die jüdische Gemeinde engagierte. Auf der Bühne stellte er sich den Fragen der Schüler. 

„In meiner Jugend wusste ich nicht, ob ich am Leben bleiben würde“, sagte der heute 105-Jährige. „Aber ich hatte ein gutes Leben, das gibt mir Kraft.“ Seine Familie hat Nicolaus Blättermann nie wiedergesehen. „Sie sind alle tot“, sagte er. „Ich habe versucht, sie zu finden, aber bei vielen weiß ich nicht, wo sie begraben sind. Das war schwierig für mich.“ 

Nach dem Krieg ging es aufwärts für Nicolaus Blättermann. „1946 habe ich meine Frau geheiratet. Sie ist 94 Jahre alt geworden. Wir haben zwei Söhne, Enkel und Urenkel. Ich habe viele tolle Leute und gute Menschen kennengelernt. In meinem Beruf hatte ich viel Erfolg. Gott hat es gut mit mir gemeint und dafür bin ich dankbar.“

An die junge Generation gewandt mahnte er, human, tolerant und diplomatisch zu sein. „Mord verjährt nicht und was damals passiert ist, ist nicht wieder gut zu machen. Aber man kann auch kein ganzes Land verurteilen. Mensch bleiben, das ist wichtig.“

Nach einem szenisch gestalteten Gedenkbeitrag der Schüler endete die Gedenkfeier mit Gebeten von Walter J. Pannbacker, dem Beauftragten gegen Antisemitismus des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein, Horst Eberlein, Weihbischof im Erzbistum Hamburg, und Wiebke Bähnk, Pastorin der ev.-luth. Innenstadtgemeinde Itzehoe.

zu den aktuellen Ausgaben

Wir möchten Sie darauf hinweisen, dass bei der Aktivierung des Magazins eine Verbindung zum Anbieter Yumpu aufgebaut wird und Daten übermittelt werden.

aktuelle Beilagen

Veranstaltungen