Kreis Steinburg (mk) – Beschimpft, behindert, angegriffen: Einsatzkräfte erleben bei ihrer Arbeit längst nicht nur Dankbarkeit. Mit der neuen Kampagne „Respekt für Retter – von 110 bis 112“ will der Kreis Steinburg deshalb für mehr Wertschätzung gegenüber Feuerwehr, Polizei, Rettungsdienst und den vielen anderen Helfern werben.
Zum Auftakt am 1. Oktober im Katastrophenschutzzentrum in Münsterdorf machte Kreispräsident und Schirmherr der Aktion, Peter Labendowicz, deutlich, warum das Thema aus seiner Sicht so wichtig ist. „Sie sind das Fundament unseres sicheren Zusammenlebens“, sagte er mit Blick auf die gesamte „Blaulichtfamilie“. Besonders die Ehrenamtlichen seien unverzichtbar. Rund 90 Prozent der Einsätze im Bevölkerungsschutz würden von freiwilligen Kräften geleistet. Dafür ließen sie oftmals Familie, Freunde und eigene Pläne zurück.
Gleichzeitig müssten sie immer wieder erleben, dass ihre Arbeit nicht respektiert wird. Beleidigungen, Behinderungen und sogar tätliche Angriffe gehörten für manche Einsatzkräfte inzwischen zum Alltag. Grund genug für Peter Labendowicz und seine Mitstreiter, die Steinburger zu sensibilisieren, „damit alle Rettungskräfte ihren Dienst künftig in Sicherheit und ohne Beleidigungen verrichten können.“
Die Ursachen für aggressives Verhalten seien vielfältig, betonte Labendowicz und nannte als Beispiel Alkohol und Drogen, Überforderung, Frustration oder emotionale Ausnahmesituationen. Eine Entschuldigung für Angriffe auf Helfer seien sie jedoch nicht.
Die Kampagne läuft über acht Wochen – geplant sind Gespräche mit Einsatzkräften, persönliche Geschichten aus dem Helferalltag, eine Ausstellung mit Plakaten und Aktionen in den sozialen Medien.
Dabei soll auch deutlich werden, wie groß die „Blaulichtfamilie“ ist. Neben Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst gehören unter anderem auch das THW, die DLRG, das DRK, Notärzte der DFAC Luftrettung und Zoll dazu.
Auch bei den Vorbereitungen zur Kampagne sei schon deutlich geworden, wie häufig Einsatzkräfte von Respektlosigkeit berichten, sagte der Leiter des Derzernats Ordnung, Hans Treinies: „Grund genug, im Kreis Steinburg dagegenzuhalten.“ Polizeidirektionsleiter Frank Matthiesen sprach von einer zunehmenden Gereiztheit in der Gesellschaft.
Und auch Sven Guericke vom THW wusste von einigen Begebenheiten zu berichten. „Da wir aber weltweit unterwegs sind, bekommen wir auch die andere Seite zu sehen – Menschen bedanken sich, dass wir den weiten Weg auf uns genommen haben, um zu helfen.“
Dass es vor allem um ganz konkrete Situationen im Alltag geht, zeigt auch die Botschaft der Kampagne: Rettungsgassen bilden, Einsatzfahrzeuge passieren lassen, Helfer nicht behindern oder beschimpfen – und ihnen mit Respekt begegnen. „Uns vielleicht auch einmal Danke sagen“, so die Meinung aller Angehörigen der „Blaulichtdfamilie“.
„Denn sie sind es, die dorthin gehen, wo andere fliehen, ihr Leib und Leben riskieren, um Leben zu retten“, machte Peter Labendowicz noch einmal deutlich.
Auf die Frage, was sich die Blaulichtfamilie für die Zukunft wünscht, sagte Kreisbrandmeister Frank Lobitz: „Ich würde mir wünschen, dass eine solche Veranstaltung nicht noch einmal stattfinden muss.“
Bis dahin soll die Kampagne im Kreis Steinburg immer wieder daran erinnern, dass Hilfe nicht selbstverständlich ist. Wer die 110 oder 112 wählt, verlässt sich darauf, dass Menschen kommen, um zu helfen.