Itzehoe (bg) – Die SPD verlieh Michael Legband die Willy-Brandt-Medaille. Mit der höchsten Auszeichnung der SPD wurde das jahrelange Engagement des Journalisten und Autors Michael Legband für die Gedenkarbeit rund um das erste Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Nordeuropa ausgezeichnet.
Das Mahnmal wurde am 8. September 1946 in Itzehoe eingeweiht. Initiator war Gyula Trebitsch, ein ungarischer Jude, der 1945 aus dem KZ Wöbbelin befreit worden war. Er wurde später Film- und Fernsehproduzent in Hamburg. Das Mahnmal ist ein frühes Zeichen jüdischen Lebens in Deutschland nach 1945 und hat eine bewegende wie bewegte Geschichte aufzuweisen.
“Bereits in den 1970er Jahren hast du in zahlreichen Reden unentwegt vor den Gefahren des Rechtsextremismus gewarnt”, sagte Manfred Eisner in seiner Laudatio. “Besonders markant geschah dies, seit du 1989 die enge und schöpferische Bekanntschaft mit dem Initiator des Itzehoer Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus, dem KZ-Überlebenden Juden Gyula Trebitsch machtest. Zudem kam die Kenntnis von dessen brisanten Verbindung mit Fritz Höger, dem vormals judenfeindlich und nationalsozialistisch gesinnten Architekten des Mahnmals. Daraus resultierte dein erstes Buch zur Thematik gegen das Vergessen: ‘Das Mahnmal – erbaut, verdrängt, wiederentdeckt’ sowie etwas später, der erfolgreiche Dokumentarfilm mit dem gleichen Titel. Beides spiegelte schon damals deine maßgebliche Rolle bei der Debatte um die Rückversetzung des Mahnmals von dessen unwürdigen Verborgenheit an seinen ursprünglichen Standort wider.” 2022 erschien außerdem der Band "Das Mahnmal – 75 Jahre gegen das Vergessen", herausgegeben von Michael Legband.
“Seit dieser Zeit bist du emsig und unentwegt bundesweit zu Lesungen und Vorträgen unterwegs und immer wieder bestrebt, hierfür bedeutende Politiker und Persönlichkeiten als Rednerinnen und Redner zu verpflichten”, so Manfred Eisner weiter. “Dies hat im Wesentlichen dazu beigetragen, dass das Mahnmal den Charakter einer zentralen Gedenkstätte aufweist, wie es einst Landtagspräsident Heinz-Werner Arens formulierte. Unsere Kreisstadt, wider ihrer ehemaligen bedauernswerten Rolle beim Verdrängen, ist Dank deines Wirkens, nunmehr eine ständige und maßgebende Gedenkstädte an die dunkelste Zeit unserer Geschichte geworden.”
“Mehr Demokratie wagen”, zitierte Manfred Eisner den ehemaligen Bundeskanzler Willy Brandt und fuhr fort: “Ich denke, Willy Brandt würde heute dazu eher meinen: Wir müssen alle aufstehen und noch viel mehr wagen und tun, um das Unheil abzuwehren, das von jenen extremen rechts- aber auch linksgerichteten Kräften droht, die uns diese Demokratie zerstören und sie abschaffen wollen! Ich habe mehrfach gesagt und wiederhole es: Dieses ist das beste Deutschland, dass es je gegeben hat! Wir dürfen niemals zulassen, dass üble Demagogen und rechte Populisten erneut an die Macht kommen!”
“Mit großem Engagement hast du dich für die Erinnerungskultur, für das Bewahren des historischen Gedächtnisses und gegen das Vergessen eingesetzt”, wandte sich Lothar Schramm, Vorsitzender des SPD-Kreisvorstandes, an Michael Legband. “Dein Wirken erinnert uns daran, dass Demokratie, Menschlichkeit und Respekt keine Selberständlichkeiten sind, sondern stets verteidigt und mit Leben gefüllt werden müssen. Besonders dein entschlossenes Eintreten gegen Rechtsextremismus und für eine lebendige Erinnerung an die Opfer von Verfolgung und Gewalt hat das öffentliche Bewusstsein in unserer Region nachhaltig geprägt. Für Deinen unermüdlichen Einssatz, deine Überzeugungskraft und deine Verbundenheit mit den Werten von Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität sprechen wir dir unseren herzlichen Dank und unsere Anerkennung aus.”
Michael Legband zeigte sich tief bewegt durch diese Ehrung: “Wegen Willy Brandt bin ich einst in die SPD eingetreten. Zu ihm hatte ich sowohl in meinen frühen politischen Funktionen Kontakt und später interviewte ich ihn als RTL-Redakteur zu Fragen der deutschen Einheit. Jetzt die Willy-Brandt-Medaille – mehr geht nicht!”
“Die Verbindung ist das angesprochene Ehrenmal für die NS-Opfer, dem ich mich seit mehr als vier Jahrzehnten in vielfältiger Form widme”, so Michael Legband weiter. “Es wurde von befreiten Juden initiiert. An deren Spitze stand der verfolgte ungarische Jude Gyula Trebitsch und Willy Brandts Kniefall von Warschau war die Bitte um Vergebung für die deutschen Verbrechen des Zweiten Weltkrieges. Ich danke meinem Freund Manfred Eisner, der mit seinen Eltern im Exil überlebte und dessen Verwandte dem Holocaust zum Opfer fielen, für seinen Vorschlag, mich auszuzeichnen und ich danke meinem Heimat-Kreisverband sowie dem SPD-Landesvorstand, die dieser Anregung gefolgt sind. Es freut mich besonders, dass diese Ehrung kurz vor dem achtzigsten Jahrestags der Einweihung des Mahnmals erfolgt.”