Itzehoe (anz) – Anlässlich des Internationalen “Safe Abortion Day” am 28. September setzen die Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Itzehoe gemeinsam ein Zeichen für reproduktive Selbstbestimmung. Mit einer Kreideaktion in der Itzehoer Innenstadt machen sie unter dem Motto „Für sichere Schwangerschaftsabbrüche. Jetzt erst recht!“ auf bestehende Versorgungslücken und die weiterhin bestehende Strafbarkeit von Schwangerschaftsabbrüchen aufmerksam.
Schwangerschaftsabbrüche gehören zur gesundheitlichen Realität. Dennoch stoßen ungewollt Schwangere weiterhin auf erhebliche Hürden. Dazu gehören lange Anfahrtswege, regionale Versorgungsunterschiede, eine begrenzte Zahl an Ärzten, die Schwangerschaftsabbrüche durchführen, sowie die gesellschaftliche Stigmatisierung. Gerade im ländlichen Raum kann es schwierig sein, zeitnah eine medizinische Versorgung zu erreichen.
Wer ungewollt schwanger ist, braucht verlässliche Informationen, eine ergebnisoffene Beratung und einen unkomplizierten Zugang zu medizinischer Versorgung. Schwangerschaftskonfliktberatung sollte dabei ein Recht und keine Voraussetzung für einen straffreien Schwangerschaftsabbruch sein. Die beteiligten Fachstellen sprechen sich deshalb für eine Neuregelung außerhalb des Strafgesetzbuches aus.
Zur reproduktiven Selbstbestimmung gehört aus Sicht der Fachstellen auch der Zugang zu Verhütung. Sie fordern deshalb eine bundesweite Lösung für die Kostenübernahme von Verhütungsmitteln. Ob Menschen sicher verhüten können, darf nicht vom Einkommen abhängen.
Mit Sorge beobachten die Beteiligten zugleich, dass reproduktive Rechte international zunehmend unter Druck geraten. Entwicklungen in verschiedenen Ländern zeigen, dass bereits erreichte Rechte nicht selbstverständlich dauerhaft bestehen. Umso wichtiger sei es, auch in Deutschland für Selbstbestimmung, eine verlässliche medizinische Versorgung und gegen die Stigmatisierung von Schwangerschaftsabbrüchen einzutreten.
„Mit der Aktion wollen wir ein sichtbares Zeichen für sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche setzen", sagt Susanne Puls, Leiterin der pro familia Beratungsstelle Itzehoe. "Schwangerschaftsabbrüche sind Gesundheitsvorsorge. Eine wohnortnahe medizinische Versorgung muss gewährleistet sein. Grade im ländlichen Raum kann es für Betroffene ein großes Problem sein, einen Arzt zu erreichen, der Schwangerschaftsabbrüche durchführt. Wir wünschen uns eine Enttabuisierung und damit einen Abbau der Scham, wenn es um Schwangerschaftsabbrüche geht. Dafür ist es wichtig, dass der Paragraph 218 STGB endlich gestrichen wird.“
Auch die Beraterinnen von pro familia Itzehoe beteiligen sich am diesjährigen Safe Abortion Day. Sie haben große Plakate mit persönlichen Statements gestaltet, die am 28. September in den zur Fußgängerzone Feldschmiede gelegenen Fenstern der Beratungsstelle zu sehen sein werden. Gemeinsam laden die Beratungsstellen und die Gleichstellungsbeauftragte außerdem zur Kreideaktion am 28. September um 14 Uhr in der Kirchenstraße in Itzehoe ein. Unter dem Motto „Es reicht!“ können Passanten mit Kreide eigene Botschaften für sichere und legale Schwangerschaftsabbrüche und reproduktive Selbstbestimmung sichtbar machen. Kreide wird vor Ort zur Verfügung gestellt. Die Aktion findet ausschließlich bei gutem Wetter statt.
Der Internationale Safe Abortion Day erinnert jedes Jahr daran, dass der Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen eine Frage von Gesundheit, Selbstbestimmung und Gleichstellung ist. Für die beteiligten Fachstellen steht deshalb fest: Für sichere Schwangerschaftsabbrüche. Jetzt erst recht!