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Für das Gedenken stark gemacht

Wie das Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus entstand

Die Skizze von Fritz Höger für ein Mahnmal. © Archiv Legband

Filmproduzent Gyula Trebitsch initiierte das Mahnmal für die Oper des Nationalsozialsmus in Itzehoe. © Archiv Legband

Fritz Höger war ein international anerkannter Architekt. © Koopmann/Stadtarchiv Elmshorn

Itzehoe (bg) – Gyula Trebitsch  war 30 Jahre alt, als er sich auf seine Pritsche legte, um zu sterben. Das war am 2. Mai 1945 im Konzentrationslager Wöbbelin in Mecklenburg-Vorpommern. Nach Jahren im Arbeitsdienst und in KZ-Gefangenschaft, krank und ausgehungert, sah er keine Zukunft mehr für sich. 

Glücklicherweise war das nicht das Ende seiner Geschichte. Ein Freund kam zu ihm und verkündete aufgeregt: „Steh wieder auf, Gyula. Die Nazis sind weg, die Amerikaner sind gekommen!“ 

Zunächst kam Gyula Trebitsch in ein Krankenhaus im benachbarten Ludwigslust. Von dort ging es mit einem Krankentransport nach Itzehoe. „Und zwar in das Krankenhaus am Langen Peter neben den Kasernen“, wie er 1992 in einem Interview mit dem Journalisten Michael Legband berichtete. „Ich brauchte einige Monate, um mich einigermaßen von den Strapazen im Konzentrationslager Wöbbelin zu erholen.“ 

Doch schon im Sommer 1945, nur wenige Monate nach seiner Befreiung, war Gyula Trebitsch wieder voller Tatendrang. Er gründete eine jüdische Gemeinschaft in Itzehoe und nahm als Delegierter am ersten jüdischen Kongress teil, er wollte wieder Filme drehen – in seiner Heimat in Ungarn war er Filmverleiher und Filmproduzent gewesen – und er hatte die Idee, ein Denkmal für die Opfer des Nationalsozialismus zu errichten. Das einzige, was der britische Kulturbeauftragte ihm jedoch anbieten konnte, waren die zwei Kinos in Itzehoe: das Burgtheater und das Lichtschauspielhaus, die Gyula Trebitsch nun 
betrieb.

Bei einem Besuch in Hamburg hinterließ das Chile-Haus von Fritz Höger bleibenden Eindruck bei Gyula Trebitsch. Dieser Architekt, beschloss er, sollte auch sein Mahnmal bauen. Fritz Höger genoss zu dem Zeitpunkt international hohes Ansehen und wohnte nicht weit entfernt in Bekenreihe bei Elmshorn. 

Allerdings räumte Fritz Höger selbst Bedenken ein, ob er der Richtige für so ein Vorhaben sei: „Ich war doch Unterstützer der Nazis.“ Tatsächlich war er Mitglied in der NSDAP, stand in Kontakt mit Hitler, Goebbels und Göring und war von 1934 bis 1935 Professor für Baukunst. Er hoffte auf einen Posten als Bauminister. Da Hitler jedoch mit dem norddeutschen Baustil von Fritz Höger nicht viel anfangen konnte, wandte er sich im Laufe der Jahre immer weiter von den Nazis ab und bezeichnete sich in den 1940er Jahren selbst als Oppositionellen – zumindest in Bezug auf architektionische Gestaltung.

Im Gespräch entwickelten Fritz Höger und Gyula Trebitsch schließlich eine Freundschaft. Während erster von seinen Hoffnungen und Entäuschungen erzählte, berichtete Trebitsch vom Leben im KZ.

Das gemeinsame Mahnmal wurde am 8. September 1946 – nur ein Jahr nach dem Ende des Krieges – feierlich eingeweiht. Es lag zentral an den Malzmüllerwiesen und gilt als erstes Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Nordeuropa. Finanziert wurde es durch die Initiatoren selbst. So arbeitete Fritz Höger ehrenamtlich, Gyula Trebitsch gab den Erlös von Kinokarten hinzu und einige weitere Unterstützer spendeten das Material. 

Die Einweihung sorgte für großes mediales Echo. Unter anderem war die Wochenschau – eine Nachrichtensendung, die vor dem Hauptfilm im Kino gezeigt wurde – mit einem Kamerateam vor Ort. 

Fritz Höger starb 1949. Und Gyula Trebitsch zog nach Hamburg, wo er das Studio Hamburg aufbaute. Bis zu seinem Tod 2005 produzierte er zahlreiche Kino- und Fernsehfilme wie zum Beispiel „Keine Angst vor großen Tieren“ (1953) mit Heinz Rühmann und „Des Teufels General“ (1955) mit Curd Jürgens. Sein Film „Der Hauptmann von Köpenick“ (1957) wurde sogar für den Oscar nominiert. Besonders beliebt war auch die Fernsehproduktion „Diese Drombuschs“ (1983 bis 1994). Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1983 die Goldene Kamera für „Die Geschwister Oppermann“ und 2000 den Ehrenpreis des Deutschen Films für sein Lebenswerk.

Während Gyula Trebitsch in der Filmwirtschaft hohes Ansehen genoss, wurde sein Denkmal jedoch schon wenige Jahre nach der Errichtung von seinem zentralen Standort in den Stadtpark – vormals Adolf-Hitler-Park – verbannt. Und der Magistrat forderte den Deutschen Gewerkschaftsbund 1956 auf, die Gedenkfeier für die Opfer des Nationalsozialismus am 1. Mai einzustellen.

Wie es mit dem Mahnmal weiterging, erfahren Sie im zweiten Teil.

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