Heide/Itzehoe (anz) – „Zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur Westküste: Wie kann es gelingen, die Verkehrsinfrastrukturprojekte an der Westküste in den Bedarfsplänen des Bundes zu verankern?" Das war das Thema des 11. Verkehrsforums der Regionalen Kooperation Westküste am 8. Dezember in Heide. Experten und Akteure aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten über bedarfsgerechte Verkehrsinfrastruktur an der Westküste Schleswig-Holsteins.
„Die Energieküste ist die Vorreiterregion für erneuerbare Energien in Deutschland. Sie braucht deshalb eine Infrastruktur, mit der die Energieküste zum Herzstück der Energiewende in Europa wird!“ eröffnete Elfi Heesch, Landrätin des Kreises Pinneberg und Vorsitzende der Regionalen Kooperation Westküste, das 11. Verkehrsforum Westküste. Damit reagierte sie auf jüngste Medienberichte, nach denen die Bundesregierung plane, wichtige Verkehrsinfrastruktur-Vorhaben zwischen Hamburg und Westerland um viele Jahre zu verschieben. Die Westküste sei kein zu vernachlässigendes Anhängsel der bundesweiten Verkehrsnetze. Vielmehr könne die Energiewende im Land ohne belastbare, zukunftsfähige Schienen-, Straßen- und Wasserwege in der Region nicht gelingen. „Wir wollen mit aller Kraft den Bund davon überzeugen, dass die Verkehrsinfrastrukturprojekte in unserer Region für die weitere wirtschaftliche Entwicklung der Bundesrepublik insgesamt zentral sind“, so Heesch.
Sie verwies auf eine verkehrswirtschaftliche Untersuchung, die die Regionale Kooperation Westküste kürzlich in Auftrag gegeben hatte. Ziel der Studie ist es, eigene Daten zu den Verkehrsprojekten in der Region zu erheben und dem Bund zur Verfügung zu stellen. Benno Bock und Jobst Schlennstedt vom leistenden Gutachterbüro Ramboll Deutschland stellten die vorliegenden Prognosen des Bundes zur verkehrlichen Entwicklung der Westküste vor und gaben einen Ausblick auf das Arbeitsprogramm der Gutachter. In den nächsten Monaten sollten Unternehmen der Region zu ihren wirtschaftlichen Erwartungen befragt werden. Die Ergebnisse der Untersuchung werden im Laufe des kommenden Jahres erwartet.
Das Land begrüßte die Initiative der Regionalen Kooperation Westküste. „Wir stehen an Ihrer Seite“, sicherte Karin Druba, stellvertretende Abteilungsleiterin Verkehr im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus des Landes Schleswig-Holstein, zu. Sie vertrat die erkrankte Staatssekretärin Henckel und gab einen Blick des Landes Schleswig-Holstein auf eine zukunftsgerichtete Verkehrsinfrastruktur an der Westküste.
„Wir nehmen wahr, dass Projekte in Listen aufgenommen werden oder aber aus diesen auch wieder herausfallen“, richtete sich Paul Raab, Moderator der Veranstaltung, an das Bundesministerium für Verkehr, das für die Verkehrsinfrastrukturen in Bundeseigentümerschaft zuständig ist. Raab leitet die Geschäftsstelle Elmshorn der IHK zu Kiel und ist Vorsitzender der Facharbeitsgruppe Verkehr der Regionalen Kooperation Westküste. „Aber wie kommt es eigentlich dazu?“, wollte er von Britta Kuld und Jona Postner wissen. Kuld ist Leiterin des Referats Bundesverkehrswegeplanung und Investitionspolitik im Bundesverkehrsministerium, Postner ist dort Fachreferent. Beide waren per Videotechnik aus Berlin zugeschaltet und sie erläuterten den Forumsteilnehmerin, wie der Weg von einem Bedarf in der Region bis hin zum Bau eines Verkehrsprojekts verläuft.
Dieser Weg sei oft zu lang, war man sich spätestens in der abschließenden Gesprächsrunde des Verkehrsforums einig. Wirtschaft und Kommunen warteten noch immer auf die Umsetzung von Projekten, deren Fertigstellung ihnen bereits vor Jahren oder gar Jahrzehnten versprochen wurde. Sedef Atasoy, stellvertretende Hauptgeschäftsführerin und Leiterin des Geschäftsbereichs Standortpolitik der Industrie- und Handelskammer zu Flensburg, Roy Kühnast, Vorstand und Geschäftsstellenleiter der Logistik-Initiative Schleswig-Holstein, und Maria Feldberg, Chefjuristin und stellvertretende Leiterin des Mitgliederservice beim ITD International Transport Danmark, Padborg, nannten beispielhaft den stockenden Bau der A20, die bislang ungeklärte Frage einer zukunftsfähigen Schienenquerung des Nord-Ostsee-Kanals sowie den Engpass B5 auf der Route zwischen Esbjerg und Hamburg. Truels Reichardt, SPD-Abgeordneter für Nordfriesland-Dithmarschen und Mitglied im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestags, sicherte Unterstützung zu, um die Anliegen der Westküsten-Region in den Berliner Entscheidungsprozessen zu verankern.
Thorben Schütt, Landrat des Kreises Dithmarschen und Mitglied im Lenkungsausschuss der Regionalen Kooperation Westküste, richtete sich in seinem Ausblick an alle Planungsebenen: „Beschleunigte Planungsverfahren, eine verbesserte Organisation der Verkehre oder der Hochlauf neuer Technologien sind wichtige Voraussetzungen, die Verkehrsinfrastruktur zukunftsorientiert weiterzuentwickeln.“ Massengüter bräuchten Bahnlinien, Straßen und Wasserwege, die diese Mengen auch bewältigen könnten. „Die Energiewende schafft es nicht über die Dorfstraße“, stellte Schütt klar.
Das Verkehrsforum Westküste ist eine jährliche Veranstaltungsreihe der Regionalen Kooperation Westküste zu wechselnden Verkehrsthemen, die die Region bewegen. Es bietet Unternehmen sowie Akteuren aus Politik, Wissenschaft und Verwaltung eine Austauschplattform zu aktuellen Fragestellungen.
Die vier Kreise Dithmarschen, Nordfriesland, Pinneberg und Steinburg, die Wirtschaftsförderungsgesellschaften dieser Kreise (Entwicklungsgesellschaft Westholstein mbH (egw:wirtschaftsförderung), WEP Wirtschaftsförderungs- und Entwicklungsgesellschaft des Kreises Pinneberg mbH, Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordfriesland mbH) sowie die Industrie- und Handelskammern zu Flensburg und zu Kiel haben sich 2012 zur „Regionalen Kooperation Westküste“ zusammengeschlossen. Ziel der Kooperation ist es, die Wirtschaftsstruktur der Region Westküste nachhaltig zu stärken. Im Mittelpunkt steht die projektbezogene Zusammenarbeit in verschiedenen Handlungsfeldern. Das Regionalmanagement der Kooperation ist bei der Projektgesellschaft Norderelbe mbH angesiedelt. Weitergehende Informationen zu den Themen und Projekten der Regionalen Kooperation Westküste sind online verfügbar (www.rk-westküste.de). Die Region vermarktet sich unter der Dachmarke „Energieküste“ (energiekueste.de).