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AfD-Antrag gefährdet Beratungsangebot und reproduktive Rechte

pro familia Schleswig-Holstein warnt vor gravierenden Folgen

Mit deutlicher Kritik reagiert pro familia Schleswig-Holstein auf einen Antrag der AfD im Bundestag, der darauf abzielt, den Fachverband pro familia von der Beratung nach dem Schwangerschaftskonfliktgesetz (SchKG) auszuschließen. Der Verband sieht darin einen massiven Eingriff in grundlegende Rechte sowie eine Gefährdung der Versorgungsstruktur im Land. Der Antrag soll voraussichtlich am 25. Juni 2026 im Bundestag beraten werden. 

„Hier geht es um die Einschränkung von Menschenrechten“, erklärt Dagmar Steffensen, stellvertretende Geschäftsführerin von pro familia Schleswig-Holstein. „Ein Ausschluss von pro familia zielt darauf ab, das Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung zu schwächen.“

Zentraler Pfeiler der Beratungslandschaft in Schleswig-Holstein

Wer einen Schwangerschaftsabbruch erwägt, muss zuvor eine Beratung in Anspruch nehmen, so steht es im Schwangerschaftskonfliktgesetz. Seit 60 Jahren bietet pro familia in Schleswig-Holstein Beratungen auf dieser gesetzlichen Grundlage an. Der Verband ist hierfür der größte freie Träger im Land. An insgesamt 13 Standorten hat pro familia Schleswig-Holstein im Jahr 2025 rund 10.500 Beratungen durchgeführt, darunter etwa 3.350 Schwangerschaftskonfliktberatungen.

Das Schwangerschaftskonfliktgesetz schreibt in §3 ausdrücklich vor, dass die Länder „ein ausreichendes Angebot wohnortnaher Beratungsstellen“ sicherstellen müssen. Auch freie Träger – so wie pro familia – sollen laut Gesetz explizit gefördert werden, damit die Ratsuchenden zwischen Beratungsstellen „unterschiedlicher weltanschaulicher Ausrichtung“ wählen könnten. Dieser gesetzlichen Verpflichtung könnte das Land Schleswig-Holstein ohne pro familia kaum nachkommen. 

„Wir vertreten die Interessen von Ratsuchenden in jeder Lebensform und setzen uns für die Belange von Familien und für soziale Gerechtigkeit ein“, sagt Dagmar Steffensen. „Ohne pro familia würde die stärkste Stimme für sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung wegfallen“.

Angriff auf Rechte – nicht nur auf einen Verband

In dem Antrag der AfD sieht Steffensen aber nicht nur eine Bedrohung für pro familia. „Hier geht es nicht nur um uns als Verband“, betont sie. „Hier werden Rechte angegriffen – und Menschen, die sich auf diese Rechte verlassen. In einer demokratischen Gesellschaft müssen diese Rechte geschützt und gewährleistet werden.“

Breite Unterstützung aus Politik und Zivilgesellschaft

Von Landespolitiker*innen unterschiedlicher Fraktionen hat pro familia bereits Unterstützung zugesichert bekommen. Auch Betroffene, Kooperationspartner*innen und Vertreter*innen der Zivilgesellschaft positionieren sich klar gegen den Antrag. Die grüne Landtagsabgeordnete Catharina Nies beispielsweise schrieb auf Instagram: „Volle Solidarität mit pro familia! Klares Nein zur AfD!“. Auch das feministische Bildungs- und Aktionskollektiv Zwischenfunken e.V. aus Kiel reagierte sofort mit einem Post: „Wir stehen solidarisch an der Seite von pro familia und allen Beratungsstellen, die sich für eine unabhängige, fachlich fundierte und ergebnisoffene Schwangerschaftskonfliktberatung einsetzen“.

Für Steffensen ist es entscheidend, „dass auch die demokratischen Fraktionen im Bundestag diesen Antrag eindeutig ablehnen und ein klares Zeichen für Menschenrechte setzen“. Indes erfüllt pro familia weiter seinen gesetzlichen Auftrag und steht an der Seite von Ratsuchenden und ungewollt Schwangeren. „Wir lassen unsere Klient*innen nicht im Stich und führen weiterhin engagiert unsere Angebote durch“, so Steffensen.

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