Bad Bramstedt (br) – Schulen sind ein Mikrokosmos der Gesellschaft. Im Klassenzimmer, auf dem Schulhof und in der Sporthalle laufen kulturelle, religiöse, soziale und politische Entwicklungen im Kleinen zusammen. Wenn Menschen wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Herkunft oder aufgrund ihrer Religion beschimpft, gemobbt oder gar körperlich bedroht werden, spüren Schülerinnen und Schüler dies ganz unmittelbar. Grund genug für die Gemeinschaftsschule Auenland am Schäferberg in Bad Bramstedt, die Botschaft „Nicht bei uns“ nach außen zu tragen: Seit 2018 ist die Auenlandschule Teil des Netzwerkes „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“, dem bundesweit rund 5.000 Schulen mit weit über 2,5 Millionen Schülerinnen und Schülern angehören. Einer der Höhepunkte der Netzwerkaktivitäten ist der alljährliche Antirassismus-Tag, der auch in diesem Jahr wieder in der Auenlandschule stattfand. Auch dank vorbereitender intensiver Ideensammlung durch unter anderem das Schülersprecherteam Janne Müller und Otto Plauschinn, dem Schulsozialarbeiter Jan Schunck und die Lehrerin Miriam Baalmann konnte sich das Ergebnis sehen und hören lassen.
So arbeiteten Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge am Vormittag in 13 Workshops an ihren vielfältigen Inhalten. Die Ergebnisse sollten vor Schulschluss in der Sporthalle präsentiert werden. Die Themen der Workshops waren dabei so unterschiedlich wie die Schülerinnen und Schüler selbst: Ein Aussteiger aus der Neonazi-Szene schilderte in einem Vortrag vor 230 Zuhörenden seine Erfahrungen in der rechten Szene. In einem Kunst-, einem Poetry-, einem Graffiti-Stop-Motion- und einem Musikworkshop wurden in den drei Stunden des Vormittags Bilder, Gedichte und kurze Filmchen sowie ein eigens komponiertes Lied produziert.
In den Pausen konnte man sich am „Internationalen Buffet“ stärken, bevor es in den Workshops konzentriert weiterging und man an Themen wie LGBTQIA+, Anti-Sexismus, der Geschichte Anne Franks oder im Symbole-Workshop an der Bedeutung demokratiefeindlicher und rassistischer Symbole weiterarbeitete.
Auch Vertreterinnen des Beirats für Menschen mit Behinderungen in Bad Bramstedt, die sich für Gleichberechtigung, Inklusion und Barrierefreiheit im Stadtgebiet einsetzen, sowie der „Omas gegen Rechts“ Brokstedt und Umgebung brachten sich ein und informierten in Workshops über ihre Arbeit.
Um die couragierte Haltung der Auenland-Schulgemeinschaft nicht nur innerhalb des Schulgeländes zu äußern, ging es aber auch noch nach draußen – in Bad Bramstedt hinein.
Ein „Friedensmarsch“ wurde organisiert und 250 Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte sorgten auf ihrem Gang durch die Stadt dafür, dass sich auch Bürgerinnen und Bürger außerhalb der Schule über die Themen wie Anti-Rassismus, Respekt gegenüber Mitmenschen und couragiertem Handeln Gedanken machen können. Die Forderungen der Schülerinnen und Schüler fanden sich auf all den Plakaten, die sie vorher im Plakate-Workshop in der Schule angefertigt hatten. Die Aufschriften machten deutlich, dass sich die jungen Menschen intensiv mit den Problemen unserer Zeit auseinandersetzen: „Gegen Rassismus und Diskriminierung“, „Stop Rassismus – es ist jeder willkommen“, „Menschenrechte statt rechte Menschen“, war unter vielen anderen Sprüchen zu lesen.
Der Friedensmarsch, auf der gesamten Strecke professionell begleitet von der Bad Bramstedter Polizei, endete vor dem Rathaus am Bleeck. Schulsozialarbeiter Jan Schunck, neben Schulsprecherin Janne Müller und Lehrerin Miriam Ballmann Mitorganisator des Marsches, freute sich über den guten Verlauf der Demonstration: „Wir haben unseren Friedensmarsch durch Bad Bramstedt geschafft, haben wirklich vielen Menschen ein Lächeln aufs Gesicht gezaubert und erstaunlich wenig Kritik von den Autofahrenden bekommen. Jetzt sind wir hier am Rathaus angekommen und wollen natürlich unsere Botschaft hier im Mittelpunkt Bad Bramstedts auch ordentlich platzieren und positionieren“.
Bürgermeister Felix Carl war es ein Anliegen, nicht nur aus dem Fenster seines Büros zu schauen und die Versammlung zur Kenntnis zu nehmen, sondern sich direkt an die Demonstrierenden zu richten.
In einer spontanen, emotionalen Ansprache dankte er den Demonstrierenden für ihr Eintreten für eine gerechte Gesellschaft und solidarisierte sich mit den jungen Anwesenden. Er beschrieb eine ihm wichtige Handlungsmaxime seines und das seiner Mitarbeitenden im Rathaus politischen Wirkens: „Wir werden immer dafür stehen, dass wir nicht diskriminierend unterwegs sind, dass wir nicht Hass und Hetze verbreiten, dass wir uns nicht an Fake News beteiligen und dass wir immer ein offenes, ein tolerantes Haus sind. Und wir wissen, dass dies vor allen Dingen eine Dimension hat, die nach vorn gerichtet ist“.
Und direkt gerichtet an die jungen Menschen sagte er: „Eure Kraft ist größer, als ihr vielleicht glaubt und sie zieht weiter Kreise. Tragt den Glauben daran: Das, was ihr hier gerade bewegt, das ist genau der Keim unserer Zeit. Ich bin unheimlich stolz, dass ihr so seid, wie ihr seid.“
Abschließend wurden die Früchte des Tages noch einmal in einer Gesamtschau in der Sporthalle der Schule präsentiert.
Manuela Heymann, stellvertretende Schulleiterin der Auenlandschule, zog ein Resümee des Projektes, bedankte sich herzlich bei allen Workshop-Teilnehmenden und fand am Ende dieses eindrucksvollen Tages die passenden Worte, gerichtet an die gesamte Schulgemeinschaft:
„Antirassismus ist nicht nur ein Thema für einen Projektplan. Es ist eine Aufgabe für jeden Tag. Lasst uns das, was wir heute gelernt, erlebt und diskutiert haben, mit in unseren Alltag nehmen, in die Klassenräume, auf den Schulhof, in die sozialen Medien und in unser Zusammenleben. Vielfalt ist unsere Stärke. Vielen Dank!“
Auenlandschule: aktiv gegen Ausgrenzung
Lautstarker und sichtbarer Protest gegen Rassismus vor dem Bad Bramstedter Rathaus. Fotos: Rytlewski
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