Itzehoe (anz) – Der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste e.V. (UVUW) hatte am Mittwochabend (28. Januar) zum Parlamentarischen Abend in das Landeshaus Schleswig-Holstein eingeladen. Vertreter aus Wirtschaft und Politik – darunter auch Claus Ruhe Madsen als Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus sowie Staatssekretärin Julia Carstens – kamen zusammen, um sich über zentrale Zukunftsfragen des Landes auszutauschen.
Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand eine Podiumsdiskussion zum Thema „Die Standortvorteile Schleswig-Holsteins im Energie-Sektor praxisnah nutzen“. Diskutiert wurden insbesondere die Chancen und Herausforderungen für den Energie- und Wirtschaftsstandort Schleswig-Holstein sowie konkrete Ansatzpunkte für eine stärkere Verzahnung von politischem Rahmen und unternehmerischer Praxis.
Auf dem Podium diskutierten Andreas Hein, Landtagsabgeordneter (CDU) aus Dithmarschen, Malte Krüger, Landtagsabgeordneter (Bündnis 90/Die Grünen) aus dem Kreis Steinburg, Arne Möbest von Cimbergy (Nordfriesland) sowie Peter Heberling von Sasol (Dithmarschen). Die Moderation übernahm Lutz Bitomsky, erster Vorsitzender des UVUW.
„5 vor 12 ist schon vorbei!“, alarmierte Peter Heberling als Vertreter der Industrie. Er führte die schwierige wirtschaftliche Lage einiger Industrie-Branchen aus. Obwohl aus Konzernsicht vieles gegen den Wirtschaftsstandort Deutschland spräche, möchte das Unternehmen Sasol große Investitionen in Brunsbüttel tätigen, um das schleswig-holsteinische Ziel, 2040 klimaneutral zu sein, mitzutragen. „Aber die Rahmenbedingungen passen oft nicht zu diesem Ziel – zum Beispiel wenn man auf die Verfügbarkeit von Strom an unserem Standort schaut“, so Heberling.
Malte Krüger (Bündnis 90/Die Grünen) war sich sicher: Politik und Wirtschaft brauchen Mut, um entsprechende Entscheidungen zu fällen und Veränderungen umzusetzen. Als zuständiger Politikvertreter der Kreise Steinburg und Dithmarschen kenne er Brunsbüttel als Industrie- und Hafenregion mit und die Stärken und Herausforderungen am Standort gut.
Arne Möbest als Vertreter der Erneuerbaren Energien aus Nordfriesland stellte verschiedene Szenarien für den Strombezug für die Wirtschaft vor. Besonders das geplante Energy Sharing sah Möbest als sehr guten Ansatz. „Es gibt jedoch einen Haken – bis jetzt gelten die geplanten Rahmenbedingungen lediglich für klein- und mittelständische Unternehmen. Die größeren Wirtschaftsunternehmen und die Industrie fehlen.“ Dies müsste aus seiner Sicht dringend geändert werden, damit Schleswig-Holstein wirklich die Standort-Vorteile nutzen kann.
Als politischer Experte für Energie und Wirtschaft an der Westküste verbreitete Andreas Hein (CDU) Optimismus: Die Wirtschaft in Schleswig-Holstein werde von den Standort-Vorteilen und den Erneuerbaren Energien profitieren. Sicher beantwortete er viele Fragen der Wirtschaft zu Industriestrompreis, Versorgungssicherheit und westküstenspezifischen Infrastruktur-Projekten.
Als Vorsitzender des UVUW betonte Lutz Bitomsky: „Wir müssen den Schulterschluss von Wirtschaft, Erneuerbaren Energien und Politik in Schleswig-Holstein schaffen, damit wir Wettbewerbsvorteile generieren.“
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion wurde den Gästen die Initiative „Net Zero Acceleration Valley“ für Schleswig-Holstein vorgestellt, die Impulse für eine beschleunigte Transformation hin zu einer klimaneutralen Wirtschaft setzen soll. Geplant ist, dass Schleswig-Holstein Pilot-Region wird, in der schnellere Planungsverfahren und bessere Fördermaßnahmen möglich sind.
Der Parlamentarische Abend bot den anwesenden Unternehmern der Westküste sowie den politischen Vertretern Raum für einen offenen Dialog und den persönlichen Austausch. Abgerundet wurde die Veranstaltung durch das traditionelle gemeinsame Rübenmus-Essen. Der UVUW zieht ein positives Fazit des Abends und sieht den Parlamentarischen Abend auch 2026 als wichtiges Forum für den konstruktiven Austausch zwischen Wirtschaft und Politik in Schleswig-Holstein.