Schleswig-Holstein (anz) – Die Landesregierung hat gestern (19. Januar) eine Innenraum-Messkampagne für Radon gestartet. Damit soll die Radon-Konzentrationen in Innenräumen privat genutzter Gebäude in Schleswig-Holstein gemessen werden. Denn das natürlich vorkommende, radioaktive Gas kann aus dem Boden austreten und sich in der Innenraumluft von Gebäuden anreichern. Bei hohen Konzentrationen über längere Zeiträume kann es Lungenerkrankungen wie Lungenkrebs begünstigen.
Um über mögliche Gefahren und Gegenmaßnahmen aufzuklären, wird das Land mit der Messkampagne nun aktiv: Insgesamt 1.000 Haushalte in Schleswig-Holstein können an den kostenlosen, einfach durchzuführenden Radonmessungen ein Jahr lang teilnehmen und dabei ein genaueres Bild der Radonexpositionen innerhalb ihres Haushaltes erhalten.
Staatssekretär Joschka Knuth sagt: „Wir starten eine Innenraum-Messkampagne, um die Menschen in Schleswig-Holstein zu sensibilisieren und ein genaueres Bild der Radon-Exposition zu erhalten. Dabei gilt: Nur eine Messung schafft Klarheit, ob in den eigenen vier Wänden erhöhte Radonwerte vorliegen und etwas getan werden muss. Denn gegen die gesundheitliche Gefahr durch dieses radioaktive Gas kann man sich schützen.“
Radon in Schleswig-Holstein
Radon ist ein natürlich vorkommender radioaktiver Stoff, der grundsätzlich überall im Untergrund vorhanden ist. Seine Konzentration hängt maßgeblich von den geologischen Gegebenheiten ab und kann auch in Schleswig-Holstein regional erhöht sein. Allerdings stehen andere Regionen im Bundesgebiet dabei deutlich stärker im Fokus.
Gelangt Radon durch bauliche Undichtigkeiten – etwa Setzungsrisse oder unzureichend abgedichtete Leitungsdurchführungen – in Gebäude, kann die Radonkonzentration in der Innenraumluft empfohlene Grenzwerte überschreiten und ein Gesundheitsrisiko darstellen.
Die Messergebnisse sollen auch für die Evaluierung und eventuelle Ausweisung von Radonvorsorgegebieten nach dem Strahlenschutzgesetz herangezogen werden. Um Regionen zu bewerten, wird das sogenannte geogene Radonpotential (Rp) herangezogen. Überschreitet dieser Wert den Schwellenwert von 40, ist zu prüfen, ob ein Gebiet als Radonvorsorgegebiet ausgewiesen wird. In solchen Gebieten gelten besondere Schutzanforderungen für private und gewerbliche Gebäude. In Schleswig-Holstein treten erhöhte Radonkonzentrationen nach der bisherigen Datenlage insbesondere entlang der mittleren und nördlichen Ostseeküste auf.
Hintergrund zur Messkampagne
Spätestens mit Ablauf des Jahres 2030 müssen der Bund und die Länder die erste Evaluierung abgeschlossen haben. Mit den Messungen wird jetzt begonnen. Nach der einjährigen Messzeit werden die Daten ausgewertet und voraussichtlich in rund zwei Jahren veröffentlicht.
Teilnahme an der Messkampagne
Die Anmeldung erfolgt online bei dem beauftragen Sachverständigenbüro Dr. Kemski (https://kemski-bonn.de/Radon_SH). Wer sich für eine Teilnahme entscheidet – bis zu 1.000 Teilnehmer sind möglich –, bekommt bequem und kostenfrei per Post zwei Radon-Messgeräte einschließlich einer Anleitung zugeschickt und legt diese selbst für die Dauer eines Jahres aus.
Die Geräte sind „Passivsammler“: Als sogenannte „Exposimeter mit Kernspurdetektor“ brauchen sie keinen Strom, sind nicht mit dem Internet verbunden, verursachen keinen Lärm und strahlen nicht. Auf einer speziellen Plastikfolie im Innern des Geräts hinterlässt der natürliche, radioaktive Zerfall von Radon und seinen Folgeprodukten Spuren, die nach Beendigung der Jahresmessung in einem akkreditierten Labor ausgewertet werden. Während dieses Zeitraumes sind die Aufstellungsräume wie gewohnt benutzbar.
Nach Ablauf der Messdauer werden die Radon-Messgeräte mittels beiliegendem, vorfrankierten Rückumschlag an das Sachverständigenbüro zurückgeschickt und man bekommt in der Folge die Messergebnisse übermittelt. Wer Bedarf an der Einordnung der Messergebnisse hat, und wie diese gesenkt werden können, kann sich an die Radonberatungsstelle des Landes Schleswig-Holstein wenden (Tel: 0431 988-5530, E-Mail: radonberatung@mekun.landsh.de oder online: www.schleswig-holstein.de/radon).
Die Messergebnisse sowie einfache Gebäudedaten werden in anonymisierter Form genutzt, um ein genaueres Bild über die Radonexposition in Schleswig-Holstein zu erhalten.