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Oasen der Natur – Pflege der Seele

Tag des Friedhofs in Kellinghusen

Thorben Trojahn lädt am 19. September auf den Nordfriedhof ein, wo es unter anderem einen Bauerngarten gibt – ein Treffpunkt für alle, die nicht allein zu Hause sein möchten. © Görke

Ein Ort des Lebens auf dem Friedhof: Vor dem Glockenturm entsteht gerade ein Schachfeld und darin bereiten sich Igel auf den Winterschlaf vor. © Görke

Das Insektenhotel inmitten des naturnah gestalteten Bereichs wird gut angenommen – ebenso wie die Baumbestattungen, verborgen im hohen Gras. © Görke

Kellinghusen (bg) – Den Friedhof mal mit anderen Augen sehen – dazu lädt die Veranstaltung der Friedhofsverwaltung Kellinghusen am Samstag, den 19. September, von 10 bis 17 Uhr ein. Anlässlich des „Tages des Friedhofs“ finden zahlreiche Aktionen auf dem Nordfriedhof (Lindenstraße 102) statt, bei denen man erleben kann, wie vielfältig ein Friedhof sein kann.

„Wir möchten zeigen, dass Friedhof mehr sein kann als nur Tod und Trauer“, sagt Friedhofsverwalter Throben Trojahn. „Er ist auch ein Ort der Begegnung, der Natur und des Lebens.“

Abwechslungsreiches Programm
Das Programm zum „Tag des Friedhofs“ beginnt um 10 Uhr mit einem Begrüßungsgottesdienst in der Kapelle.

Im Anschluss wird es Führungen über den Friedhof geben, bei denen man unter anderem erfährt, wie ein Friedhof aufgebaut ist, worauf es bei einer Grabstätte ankommt und welche Rolle die Natur spielt. Sie starten um 12, 14 und 15.30 Uhr am Infostand der Friedhofsverwaltung. Außerdem sind Schaugräber aufgebaut, bei denen Neugierige mal einen Blick in ein Grab werfen können.

Mehr als 15 Aussteller werden am Eingang des Friedhofes mit ihren Ständen vertreten sein und interessante Einblicke in die zahlreichen Themenfelder geben, die mit dem Friedhof zusammenhängen. Neben Bestattern und Steinmetzen gehören dazu zum Beispiel auch Jäger, der Drohnenverein und die Stadtbücherei. Dort besteht die Möglichkeit, ganz unverbindlich ins Gespräch zu kommen und Fragen zu stellen. Denn was passiert eigentlich, wenn eine Grabstätte neu vergeben wird und dort noch Knochen gefunden werden? Und wie genau funktioniert eine Einäscherung?

Musikalisch wird der Tag begleitet vom vom Posaunenchor Hennstedt-Poyenberg (11.30 Uhr), vom Spielmannszug „Frei weg“ Kellinghusen (13 Uhr) und von der Irish Folk Band „Time for Folk“ aus Hohenlockstedt und Umgebung, die den ganzen Tag über spielen wird. 

Für Kinder hat die Jugenddiakonin Wiebke Bruhns tolle Aktionen vorbereitet. Außerdem wird die Stadtbücherei, die mit einem Bücherstand zum Thema Tod und Trauerbewältigung vor Ort ist, Lesungen für Kinder anbieten. Für das leibliche Wohl ist ebenfalls gesorgt.

„Wir sind nicht nur für die Toten da, sondern auch für die Lebenden“, betont Thorben Trojahn und lädt alle Interessierten ein, zum Tag des Friedhofes vorbeizuschauen. Häufig werde nicht über den Tod gesprochen und wenn ein Trauerfall eintrete, seien die Angehörigen wie in einem Tunnel, überwältigt von Emotionen und Aufgaben, die plötzlich auf sie zukommen. „Viele wissen gar nicht, was alles möglich ist.“

Zum Tag es Friedhofs besteht die Möglichkeit, ganz ungezwungen Fragen zu stellen und sich zu informieren, sei es über Bestattungsformen, Kosten oder worauf es bei der Auswahl des Ortes ankommt.

Ein Ort der Begegnung
„Einsamkeit ist ein wichtiges Thema“, sagt Thorben Trojahn, der den Nord- und den Südfriedhof betreut. „Deswegen versuche ich, die Friedhöfe bewusst offener zu gestalten.“ Dazu gehören zum Beispiel Treffpunkte wie die Begegnungsbank auf dem Südfriedhof oder das neue Schachfeld auf dem Nordfriedhof. Außerdem gibt es auf dem Nordfriedhof einen kleinen Bauerngarten, in dem sich zum Beispiel Menschen mit Demenz treffen und gärtnern können. 

Aber auch der Kontakt mit dem Friedhofspersonal ist erwünscht. „Gerade ältere Menschen sind manchmal überfordert, wenn der Partner plötzlich nicht mehr da ist, der sich doch sonst immer um den Garten oder die Finanzen gekümmert hat“, berichtet der Friedhofsverwalter. „Wenn wir können, helfen wir gerne weiter und vermitteln an entsprechende Stellen.“ 
Um besonders Trauernden noch besser zur Seite stehen zu können, bilden sich Thorben Trojahn und sein Team auch im Bereich der Seelsorge weiter. 

Ein Ort der Natur und des Lebens
Die Friedhöfe sind die Lunge von Kellinghusen, weiß der Friedhofsverwalter. Die großen Grünflächen mitten in der Stadt bieten nicht nur den Menschen einen ruhigen Rückzugsort. Auch Tiere und Pflanzen finden hier einen Lebensraum, an dem sie ungestört sind. Neben Vögeln und Insekten gibt es auch Igel, Hasen und Rehe, die immer mal wieder durch die Landschaft streifen. Besonders auf dem Nordfriedhof, wo auch Baumbestattungen möglich sind,  ist die Lanschaftsgestaltung bewusst naturnah belassen. 

Gedenkstein für Kinder
Wie schon beim ersten „Tag des Friedshofs“ vor zwei Jahren sollen die Einnahmen auch in diesem Jahr gespendet werden. 2024 wurde von dem Geld ein Defibrilator für die Kirche angeschafft. In diesem Jahr soll das Geld in einen Gedenkstein für Kinder fließen. „Hier liegen Kinder von zwangsverschleppten Frauen während des Zweiten Weltkrieges begraben“, erklärt Thorben Trojahn. Auch wenn er den Ort anhand alter Unterlagen nachvollziehen kann, gibt es derzeit keine Namen und keinen Stein, der an diese Kinder erinnert. 

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