Pöschendorf (anz) – Ist der Neandertaler-Steinzeitfund in Hadenfeld nahe der Pöschendorfer Gemeindegrenze aus den 1980er Jahren von den dreien in Schleswig-Holstein bisher bekannten der älteste? Das wollten die Zuhörer auf einer gut besuchten Vortagsveranstaltung auf Einladung des Vorstandes der Stiftung Krinkberg, des Amtsvorstehers und Bürgermeisters Norbert Graf sowie der Gemeinden Hadenfeld, Pöschendorf und Schenefeld nach einem gemütlichen gemeinsamen Kaffeetrinken im Feuerwehrgerätehaus in Pöschendorf wissen.
Der Vorsitzende der Stiftung, Reinhard Heesch, begrüßte die Anwesenden und besonders den pensionierten Leiter der ehemaligen Landwirtschaftsschule Itzehoe, Reinhold Wenzlaff. Der dankte dem Hobbyarchäologen Heesch für seine Vorarbeit und Unterstützung bei seiner Masterarbeit. Der derzeitige Student der Archäologie in Hamburg berichtete dann aus seinen Ausführungen im Studiengang „Master of Arts der Vor- und Frühgeschichte“.
Bereits in den 1980er Jahren hatte Reinhard Heesch in den Gemeinden Hadenfeld, Kaisborstel, Pöschendorf und Schenefeld steinzeitliche Artefakte gefunden, die nun durch Wenzlaffs Untersuchungen und Vergleiche mit anderen Artefakten aus der Zeit flinttechnisch dem Neandertaler zugeschrieben werden konnten. Dies bestätigten auch anerkannte externe Gutachter.
„Da die Neandertaler vergessen haben, das Herstellungsdatum auf ihren Abschlägen und Werkzeugen anzugeben, mussten wir auch die geologische Zeitbestimmung aus Bodenproben mit hinzunehmen“, so der Referent. Die Laborergebnisse lieferten für die Fundschicht, in der die ausgegrabenen Funde lagen, ein Alter von ca. 120.000 Jahren. Die Funde gehören somit in die Eemzeit der vorletzten Warmzeit, in der Neandertaler in Hadenfeld gelebt haben. Neben der Gestalt einzelner Artefakte geben auch die geologischen Daten Hinweise auf einen sehr alten – möglicherweise den ältesten – Fundort in Schleswig-Holstein.
In der anschließenden Aussprache konnte auch geklärt werden, warum man bei den bisherigen Funden in Schleswig-Holstein keine Knochenfunde der Neandertaler fand: Die hätten sich in dem sauren Erdboden der Fundstellen zersetzt.
Bürgermeister Rolf Strauch äußerte, dass man das Anfang September stattfindende Ochsenfest in Hadenfeld auch zu einem Neandertalerfest umbenennen könnte.
Der Altbürgermeister von Schenefeld, Heiner Barnick, bedankte sich zum Abschluss bei den Organisatoren für die Durchführung dieser sehr informativen Veranstaltung.