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Kleiner Bagger, große Wirkung

Maschine mit Greifarmen schafft Platz für seltene Arten

© Jana Schmidt/Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein

© Jana Schmidt/Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein

Nordoe (anz) – Bäume fällen für den Naturschutz? Was zunächst widersprüchlich klingt, ist im Stiftungsland Nordoe bei Itzehoe dringend notwendig. Seit Mitte August rückt deshalb ein Bagger auf der Arnika- und Ginsterweide an. Auf rund 20 Hektar entfernt die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein junge Birken, Kiefern und die eingewanderte Spätblühende Traubenkirsche. Ziel ist es, eine der artenreichsten Binnendünen-Landschaften Schleswig-Holsteins mit ihren offenen Sandflächen, Heide und Magerrasen langfristig zu erhalten.

Denn genau diesen offenen, sonnigen und nährstoffarmen Lebensräumen sind inzwischen selten geworden – und mit ihnen viele ihrer hoch spezialisierten Bewohner. Im Stiftungsland Nordoe finden unter anderem die stark gefährdete Zauneidechse, die leuchtend-gelb-blühende Arnika und die pink-blühende Heide sowie zahlreiche seltene Wildbienen, Käfer und Schmetterlinge ein Zuhause. Auch gleich mehrere in Schleswig-Holstein vom Aussterben bedrohte Arten kommen hier vor: der Goldene Scheckenfalter-Schmetterling, der Mittlere Perlmuttfalter und die Alpen-Filzbiene.

Wenn aus Binnendünen langsam Wald wird
Eigentlich sind trockene Sandheiden und Binnendünen von Natur aus karg: wenig Büsche und Bäume, eine niedrige Vegetation und immer wieder offene Sandstellen prägen diese besonderen Lebensräume. Doch genau dieses charakteristische Landschaftsbild droht in Nordoe stellenweise verloren zu gehen. Neben jungen Birken und Kiefern wächst auch die invasive Spätblühende Traubenkirsche in die offenen Bereiche hinein. Die Bäume und Büsche beschatten den Boden und verdrängen damit nach und nach die licht- und wärmeliebenden Spezialisten der Binnendünen.

„Unsere Binnendünen leben von Licht, Wärme und offenen Sandflächen. Wenn Birken, Kiefern und andere Büsche und Bäume diese Bereiche erobern, verlieren seltene Pflanzen und Tiere Stück für Stück ihren Lebensraum“, erklärt Jane Lassen, Projektmanagerin der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein. „Deshalb müssen wir hier ganz gezielt eingreifen und wieder Platz für die Arten schaffen, die genau auf diese besonderen Bedingungen angewiesen sind.“

Mit Greifzange und Knickschere gegen die Verbuschung
Auf der Arnika- und Ginsterweide geht es deshalb seit Montag (17. August) ordentlich zur Sache. Kleine Büsche und Bäume werden mit der Kneifzange oder dem Rode-Rechen eines Baggers samt Wurzeln aus dem Boden gezogen. Größere Büsche werden mit einer Knickschere entfernt. Einige alte Kiefern und Eichen bleiben bewusst als landschaftsprägende Elemente stehen.

Auf der Ginsterweide werden auch ältere Büsche und Bäume entnommen, um große zusammenhängende Bereiche wieder zu öffnen und Beschattung zu reduzieren.

Damit ergänzt die Maßnahme die extensive Beweidung im Stiftungsland. Die tierischen Landschaftspfleger – Galloways, Highlands und Wildpferde – fressen für den Naturschutz und halten damit den Aufwuchs in Schach. Wo Birken, Kiefern und andere kleine Bäume und Büsche bereits zu groß geworden sind, reicht ihre Arbeit allein jedoch nicht mehr aus. In regelmäßigen Abständen braucht es deshalb zusätzliche Pflegemaßnahmen.

Sonnenplätze für kleine Drachen und Falter
Von den wiedergewonnenen offenen Flächen profitieren zahlreiche Arten gleichzeitig. Die Zauneidechse beispielsweise braucht warme Sonnenplätze und offene Sandstellen für die Eiablage. Seltene Pflanzen, wie der Magerrasen und Heide benötigen viel Licht und nährstoffarmen Böden. Und wo diese Pflanzen wachsen, finden wiederum hoch spezialisierte Insekten Nahrung und Lebensraum.

Nordoe gehört deshalb zu den besonderen Hotspots der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein. Neben Zauneidechsen und Arnika kommen hier zahlreiche seltene Hautflügler, Käfer und Schmetterlinge vor. Auch der Goldene Scheckenfalter-Schmetterling hat hier wieder eine Heimat: Die einst in Schleswig-Holstein ausgestorbene Art wurde im Rahmen eines Artenschutzprojekts erfolgreich wieder angesiedelt.

„Wir entfernen hier also nicht einfach Büsche und Bäume“, sagt Lassen. „Wir erhalten eine ganze Landschaft mit all ihren hoch spezialisierten Bewohnern. Offene Binnendünen und Sandheiden sind heute selbst seltene Lebensräume – und wenn wir sie verlieren, verschwinden auch ihre Arten.“

Pflege für die nächsten Generationen
Die Arbeiten in diesem Sommer sind deshalb kein einmaliger Eingriff. Auch in den kommenden Jahren wird die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein die Entwicklung der Flächen beobachten und weitere Bereiche der Binnendünen-Landschaft pflegen.

Ziel ist es, das charakteristische Mosaik aus offenen Sandflächen, Magerrasen, Heide, einzelnen Büschen und Bäumen langfristig zu bewahren – und damit eins der artenreichsten Stiftungsländer Schleswig-Holsteins.

Die aktuellen Maßnahmen werden im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der Agrarstruktur des Küstenschutzes“ (GAK) finanziert.

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