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Die Zukunft der Dörfer

Entscheidungen aus Brüssel und Berlin

Regionalmanager der AktivRegionen © Region Nord

Wohlföhl-Huus Brokstedt © Region Nord

Kletterpyramide Groß Norderende © Amt Geest und Marsch Südholstein

Kreis Steinburg (anz) – Viele Projekte, die heute ganz selbstverständlich zum Leben in der Region gehören, wären ohne die Unterstützung der Europäischen Union nicht entstanden. Ob neue Treffpunkte für Jung und Alt, bessere Mobilitätsangebote, kulturelle Projekte, Maßnahmen für mehr Klimaschutz oder Investitionen in die Lebensqualität der Dörfer – europäische Fördermittel haben in den vergangenen Jahren vieles möglich gemacht. 

Doch genau diese Unterstützung steht nun auf dem Spiel. Aktuell wird auf europäischer Ebene über den EU-Haushalt ab 2028 verhandelt. Dabei zeichnet sich ab, dass die Förderung der ländlichen Entwicklung künftig deutlich anders ausgestaltet werden könnte. Die Sorge vieler AktivRegionen in Schleswig-Holstein: Weniger Geld, weniger Planungssicherheit und weniger Einfluss vor Ort.

Für die AktivRegionen Pinneberger Marsch & Geest, Steinburg und Holsteiner Auenland ist das keine abstrakte politische Debatte. Die Auswirkungen würden direkt in den Städten und Gemeinden der Region spürbar werden. Viele Projekte konnten bislang nur deshalb umgesetzt werden, weil Kommunen, Vereine und Initiativen Unterstützung über das Leader-Programm erhalten haben. Fehlen diese Mittel künftig oder werden sie deutlich reduziert, werden manche Ideen möglicherweise nicht mehr realisiert werden können. “Die Frage lautet deshalb nicht, ob wir uns ländliche Entwicklung leisten können”, so Hans-Jürgen Kütbach, Vorsitzender der AktivRegion Holsteiner Auenland und Sprecher der Vorsitzenden aller AktivRegionen auf Landesebene. “Die Frage lautet, ob wir darauf verzichten können. Denn attraktive Ortskerne, lebendige Gemeinschaften, gute Nahversorgung, moderne Mobilitätsangebote und starke Vereine entstehen nicht von allein. Sie brauchen Menschen mit Ideen und die Möglichkeit, diese Ideen umzusetzen.”

Was wäre eine Gemeinde ohne ihre Projekte und Fördermittel?
Die Gemeinde Brokstedt zählt mit ihren rund 2.200 Einwohnern zu den aktivsten und engagiertesten Gemeinden im Holsteiner Auenland. In den vergangenen 15 Jahren konnten mit Unterstützung zahlreicher Förderprogramme rund 15 bedeutende Projekte umgesetzt werden, die das Ortsbild, die Bildungslandschaft, die Freizeitangebote und die Lebensqualität nachhaltig geprägt haben. Ohne diese Fördermittel wäre vieles von dem, was Brokstedt heute auszeichnet, kaum realisierbar gewesen.

Sichtbares Aushängeschild dieser Entwicklung ist das PlietschHuus, das erste Bildungshaus Schleswig-Holsteins. Mit diesem Leuchtturmprojekt wurde nicht nur ein moderner Bildungsstandort geschaffen, sondern zugleich die Zukunft der örtlichen Grundschule langfristig gesichert. Auch für Familien und Kinder wurde viel erreicht: So entstanden an der Kindertagesstätte der naturnahe Außenbereich „Zauberwald“, eine Beachbadmintonanlage im Freibad, ein Sonnensegel für den Kleinkind-Schwimmbereich sowie attraktiv gestaltete Spiel- und Aufenthaltsflächen.

Weitere Investitionen stärkten die Infrastruktur und die Zukunftsfähigkeit der Gemeinde. Dazu zählen das sogenannte WohlföhlHuus (ein Ärzte- und Physiotherapiehaus), die Neugestaltung des Eingangsbereichs des Freibads, die Installation einer Photovoltaikanlage auf der Abwasseranlage, die Einrichtung einer digitalen Infostele sowie die Umwandlung des Schützenkellers in einen modernen Medienraum. Darüber hinaus hat sich die Gemeinde über mehr als drei Jahre intensiv im Rahmen eines Ortsentwicklungskonzeptes und der anschließenden Dorfmoderation mit ihrer eigenen Zukunft auseinandergesetzt und wichtige Weichen für die weitere Entwicklung gestellt.

Insgesamt flossen in den vergangenen 15 Jahren mehr als zwei Millionen Euro Fördermittel aus unterschiedlichen Programmen nach Brokstedt. „Dieses Geld hat nicht nur zahlreiche Projekte ermöglicht, sondern entscheidend dazu beigetragen, die Gemeinde als attraktiven Wohn-, Bildungs- und Lebensstandort weiterzuentwickeln", betont Hans-Jürgen Kütbach. "Brokstedt zeigt bemerkenswert, wie externe Fördermittel vor Ort Wirkung entfalten können und welchen Mehrwert sie für die gesamte Dorfgemeinschaft schaffen.“ 

Was wäre der ländliche Raum ohne Bildung?
Mit den Projekten „Bildung für nachhaltige Entwicklung im Pinneberger Baumschulland“ und einer neuen „Erlebnispädagogikstelle beim Kreisjugendring Pinneberg“ setzten die AktivRegionen Holsteiner Auenland und Pinneberger Marsch und Geest gemeinsam wichtige Impulse für eine starke Bildungslandschaft in der Region. Beide Vorhaben stehen beispielhaft für eine erfolgreiche Zusammenarbeit über administrative Grenzen hinweg und zeigen, wie regionale Herausforderungen mit der Förderung durch AktivRegionen angegangen werden können. Durch die Projekte der beiden Vereine konnten neue Lernorte und Bildungsangebote für junge Menschen entstehen sowie den Bildungsstandort nachhaltig weiterentwickeln. „Gute Bildung lebt von starken Partnerschaften. Die beiden Projekte zeigen eindrucksvoll, wie durch die AktivRegionen neue Chancen für Kinder, Jugendliche und Bildungseinrichtungen entstehen“, macht der Vorsitzende der AktivRegion Pinneberger Marsch und Geest, Frank Schoppa, deutlich.

Darüber hinaus machte sich die AktivRegion für die Kleinsten in der Region stark: Mit über 30 Erweiterungen von Spielplätzen und einer Investitionssumme von ca. 450.000 Euro innerhalb der letzten sechs Jahre im Rahmen der Kleinstprojekte-Förderung Regionalbudget konnte die AktivRegion einen erheblichen Beitrag zur Stärkung der Infrastruktur im ländlichen Raum leisten.

Was wären wir ohne engagierte Menschen vor Ort?
Ob im Ehrenamt, auf geringfügiger Beschäftigungsbasis oder in einer festen Anstellung: Dorfkümmerer leisten einen unverzichtbaren Beitrag für das Leben in den Gemeinden der AktivRegionen. Sie bringen Menschen zusammen, fördern die soziale Teilhabe und stärken den Zusammenhalt vor Ort. Dabei sind ihre Aufgaben so vielfältig wie die Dörfer selbst und werden stets an die jeweiligen Bedürfnisse und Herausforderungen der Gemeinde angepasst. Im Kreis Steinburg gibt es mittlerweile ein Netzwerk aus zehn Dorfkümmerern, die insgesamt über 30 Kommunen betreuen.

Während einige Dorfkümmerer Fahrdienste zu Behörden, Arztpraxen oder anderen wichtigen Einrichtungen organisieren, kümmern sich andere um die Verwaltung von Gemeinschaftseinrichtungen, unterstützen bei der Organisation von Veranstaltungen oder schaffen Begegnungsangebote für Jung und Alt. Sie begleiten Seniorentreffen, initiieren Freizeit- und Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche und tragen dazu bei, dass das soziale Leben in den Gemeinden lebendig bleibt.

Ein besonderer Schwerpunkt ihrer Arbeit liegt vielerorts auf der Unterstützung älterer Menschen. Sie helfen bei Antragstellungen, informieren zu Pflege- und Unterstützungsangeboten und stehen bei organisatorischen Fragen des Alltags beratend zur Seite. So leisten sie einen wichtigen Beitrag dazu, dass ältere Bürger möglichst lange selbstbestimmt in ihrem vertrauten Umfeld leben und weiterhin aktiv am Gemeindeleben teilnehmen können.

Dorfkümmerer ist dabei weniger eine klassische Berufsbezeichnung als vielmehr eine zentrale Funktion innerhalb der Dorfgemeinschaft. Ihr Engagement stärkt das soziale Gefüge der Kommunen nachhaltig und macht sie zu einer unverzichtbaren Säule einer lebendigen und zukunftsfähigen Dorfentwicklung. Die Vorsitzende der AktivRegion Steinburg, Claudia Buschmann, ist sich sicher: „Ohne Dorfkümmerer würden viele Ideen, Initiativen und Unterstützungsangebote die Menschen vor Ort nicht oder nur deutlich schwieriger erreichen.“

Was wären wir ohne AktivRegionen?
Die verschiedenen Ansätze zeigen, was Kooperationen, Fördermittel und Zusammenarbeit ermöglichen, wie Innovationen angestoßen und konkrete Mehrwerte für Jung und Alt in der Region geschaffen werden. Ohne die finanzielle Unterstützung der EU, des Bundes und des Landes, die Mitarbeit vieler ehrenamtlicher Mitglieder in den AktivRegion und ohne das Engagement der Kommunen wären die Vorhaben nicht umsetzbar. Jeder investierte Förder-Euro hinterlässt sichtbare Spuren in den Kommunen. Er schafft Begegnungsräume, unterstützt ehrenamtliches Engagement und trägt dazu bei, Vereinsamung und Leerstand wirksam etwas entgegenzusetzen: Fördermittel sind Investitionen in Lebensqualität.

Deshalb setzen sich die AktivRegion gemeinsam mit der Akademie für die Ländlichen Räume e.V. (ALR) und dem Schleswig-Holsteinischen Gemeindetag mit einem gemeinsamen Positionspapier dafür ein, dass die ländliche Entwicklung auch künftig ein fester Bestandteil der europäischen Förderpolitik bleibt. Sie fordern ein eigenständiges Budget für die ländliche Entwicklung, ausreichende finanzielle Mittel für die Regionen sowie den Erhalt des Leader-Ansatzes. Denn eines ist aus Sicht der Verantwortlichen klar: “Die Zukunft unserer Dörfer und Gemeinden wird nicht irgendwann entschieden – sie wird jetzt entschieden.”

Das Positionspapier und weitere Berichterstattungen sind auf der Website der ALR zu finden (https://alr-sh.de/). Landesweit gibt es 22 AktivRegionen. Schon seit 2007 arbeiten Privatpersonen, kommunale Vertreter, kulturelle Einrichtungen und Akteure der Wirtschaft Hand in Hand, um die Entwicklung des ländlichen Raumes voranzutreiben. Für die Förderung von Projekten in privater und öffentlicher Trägerschaft stellt die Europäische Union der AktivRegion 2,5 Mio. Euro zur Verfügung.

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