Kreis Steinburg (anz) – „Der Arbeitsmarkt des Jahres 2025 musste sich den Herausforderungen stellen, die uns schon länger begleiten und bereits das Vorjahr geprägt haben", beschreibt Martin Lieneke, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Heide, zu der auch der Kreis Steinburg gehört, die übergeordneten Entwicklungen des Arbeitsmarktes. "Politische Unsicherheiten, Krisen, hohe Energie- und Rohstoffpreise sowie kaum durchschlagende wirtschaftspolitische Impulse lassen die Wirtschaft weiter schwächeln und sorgen für eine Steigerung der Arbeitslosigkeit. Zudem bremsen der demographische Wandel und der Fachkräftemangel die Entwicklung und Innovation aus. Weiterbildung, Qualifizierung und lebenslanges Lernen sind wichtige Themen, um zukunftsfähig zu bleiben.“ Bis jetzt spüre die Westküste dies glücklicherweise nur mit gebremster Wucht, so der Agentur-Chef. Die hauptsächlich durch klein- und mittelständische Wirtschaft geprägten Kreise Dithmarschen und Steinburg seien gut aufgestellt und stünden den vielfältigen Problemen bisher robust gegenüber.
Beschäftigung
Zum Stichtag am 30. Juni 2025 (aktuellste Datenlage) arbeiteten knapp 87.195 Personen sozialversicherungspflichtig im Agenturbezirk. Von diesen Beschäftigungsverhältnissen entfallen 45.168 auf Dithmarschen (+240 Beschäftigte im Vergleich zum Vorjahr) und 42.027 auf Steinburg (+311 Beschäftigte im Vergleich zum Vorjahr).
65,5 Prozent aller Beschäftigten arbeiteten im Rahmen einer Vollzeitbeschäftigung, 34,5 Prozent im Rahmen einer Teilzeitbeschäftigung. Damit hat sich im Vergleich zu 2024 die Vollzeitbeschäftigung leicht reduziert (-217 Beschäftigte, -0,4 Prozent) und die Teilzeitbeschäftigung erneut erhöht (+768 Beschäftigte, +2,6 Prozent).
Nach Geschlechtern aufgeschlüsselt ergibt sich insgesamt eine Aufteilung von 42.610 Frauen (+409 Beschäftigte, +1,0 Prozent) und 44.585 Männern (+142 Beschäftigte, +0,3 Prozent).
Nach Wirtschaftsbereichen aufgeteilt gab es über beide Kreise hinweg absolut betrachtet die stärkste Zunahme im Gesundheitswesen (+174 Beschäftigte), der öffentlichen Verwaltung (+161 Beschäftigte) und im Bereich der Heime und des Sozialwesens (+134 Beschäftigte). Am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung im Handel sowie der Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (-179 Beschäftigte) im Bereich des Baugewerbes (-162 Beschäftigte) und der Arbeitnehmerüberlassung (-39 Beschäftigte).
„Wenngleich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit einer Steigerung von nur 0,6 Prozent insgesamt nahezu stagniert, so ist es sehr erfreulich zu sehen, dass die Beschäftigung ausländischer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer deutlich gestiegen ist“, erklärt Lieneke. „Sie werden in der Zeit des demografischen Wandels zunehmend zum Rückhalt in der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung.“ Zum Stichtag waren in Dithmarschen und Steinburg 7.796 ausländische Arbeitskräfte in Beschäftigung. Dies ist ein Plus von 764 Personen bzw. 10,9 Prozent im Vergleich zum Juni 2024.
Arbeitslosigkeit
Die Arbeitslosigkeit ist im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Heide im Jahresverlauf leicht gestiegen. Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 8.959 Frauen und Männer arbeitslos. Das sind 423 mehr als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote lag 2025 mit 6,2 Prozent um 0,3 Prozent hoher als 2024 und 0,3 Prozent über der durchschnittlichen Arbeitslosenquote Schleswig-Holsteins in 2025 (5,9 Prozent).
Über das Jahr hinweg betrachtet, wurde der niedrigste Stand an arbeitslosen Personen im Oktober (8.582 Personen), der Höchststand an arbeitslosen Frauen und Männern im Januar (9.386 Personen) verzeichnet.
Aufgeschlüsselt nach Rechtskreisen waren im Bereich des SGBIII (Kunden der Agentur für Arbeit) im Jahresdurchschnitt 3.273 Personen arbeitslos gemeldet (2024: 2.858 Personen). Ihr Anteil an allen arbeitslos gemeldeten Personen lag damit bei 36,5 Prozent (2024: 33,5 Prozent). Im Rechtskreis SGBII (Kunden der Jobcenter Dithmarschen und Steinburg) waren im Jahr 2025 durchschnittlich 5.686 arbeitslose Personen gemeldet (2024: 5.678 Personen). Sie machten dementsprechend 63,5 Prozent an allen arbeitslos gemeldeten Arbeitnehmer aus (2024: 66,5 Prozent).
Auch 2025 steigt die Arbeitslosigkeit stärker im Zuständigkeitsbereich der Agentur an als bei den Jobcentern. „Die konjunkturelle Flaute führt zu deutlich mehr Übertritten von vormals Beschäftigten in Arbeitslosigkeit als in den Jahren zuvor“, sagt Lieneke zum Anstieg der Arbeitslosigkeit im SGB III. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass nicht jede arbeitslos gewordene Fachkraft für jede offenen Stelle in Frage kommt. Dazu Lieneke: „Jemand, der über jahrelange Berufserfahrung zum Beispiel in der Bau-Branche verfügt und seinen Arbeitsplatz verliert, ist nicht eins zu eins im Gesundheits- oder Sozialwesen einsetzbar. Grundsätzlich gilt aber, dass gut qualifizierte, erfahrene Arbeitnehmer am besten vor dem Verlust ihres Arbeitsplatzes geschützt sind, als weniger gut ausgebildete Arbeitskräfte.“
Stellenmarkt
2025 teilten die Arbeitgeber dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur Heide und der beiden Jobcenter Dithmarschen und Steinburg insgesamt 4.888 Stellen mit. Dies sind 449 Stellen mehr als im Vorjahr (+10,1 Prozent).
2.308 der gemeldeten Stellen fielen auf den Kreis Dithmarschen (2024: 2.088), 2.580 Stellen meldeten die Arbeitgeber für den Kreis Steinburg (2024: 2.351).
Durchschnittlich waren im Jahr 2025 2.270 Arbeitsangebote zur Besetzung frei. Im Jahr 2024 betrug dieser Wert noch 2.525.
Gemessen an allen Stellenmeldungen kam in diesem Jahr die größte Nachfrage nach Arbeitskräften aus der Berufsgruppe der Lagerwirtschaft, der Erziehung und Sozialarbeit sowie der Gruppe des Verkaufs.
Lieneke freut sich über die positive Stellenentwicklung – trotz aller weiter andauenden Herausforderungen. Diese Stellenangebote bestmöglich zu besetzen, habe Priorität, so der Agentur-Chef. Zusätzlich sei aber auch die Qualifizierung von bereits Beschäftigten ein wichtiger Faktor. Dazu Lieneke: „Nicht allein die demografische Entwicklung verlangt es, in Weiterbildung zu investieren. Auch die rasante Entwicklung in puncto Digitalisierung, künstliche Intelligenz und sich dadurch verändernde Berufsbilder hebt die Bedeutung und Notwendigkeit von Investition in Qualifizierung.“
Themen und Perspektiven 2026
„Tatsächlich hat sich meine Prognose des letzten Jahres bestätigt. Die konjunkturelle Schwäche hat sich fortgesetzt und den Arbeitsmarkt beeinträchtigt", so Lieneke. "Die Zahl der Beschäftigten ist minimal gestiegen, aber leider auch die Zahl der Arbeitslosen, insbesondere bei den Kunden der Agentur. Nun möchte ich es mir nicht zu einfach machen und sagen, dass es genauso 2026 weitergehen wird, aber alle Anzeichen weisen genau in diese Richtung.“ So sei die Stimmungslage von Arbeitnehmern und Arbeitgebern eher pessimistisch und ein optimistischer Blick auf das kommende Jahr die Ausnahme.
Ohne Frage bleibt daher auch das Thema “Qualifizierung” eines der wichtigsten Handlungsfelder der Agentur. „Und dies aus zwei Blickwinkeln“, erklärt Lieneke. „Einerseits ist die gezielte Weiterbildung von Beschäftigten von großer Bedeutung, wenn Unternehmen weiterhin zukunftsfähig bleiben wollen. Hier können wir mit zwei Hebeln ansetzen. Mit der Berufsberatung im Erwerbsleben bieten wir ein Beratungsangebot an, dass Beschäftigte bei der Suche nach passenden Qualifizierungsangeboten und damit zu mehr Arbeitsplatzsicherheit unterstützt. Zusätzlich hat der Gesetzgeber mit dem Qualifizierungschancengesetz eine Möglichkeit geschaffen, strukturwandelbedingte Arbeitslosigkeit zu vermeiden und Weiterbildung im Betrieb zu stärken.“ Andererseits, erklärt der Agentur-Chef, gilt es, arbeitssuchende Frauen und Männer arbeitsmarktnah zu qualifizieren: „Auch hier treten wir mit den Arbeitgebern in den Dialog, um gemeinsam passgenaue Weiterbildungen bedarfsorientiert, praxisnah und schnell wirksam zu entwickeln und durchzuführen.“
Ein Feld auf dem nicht nur die Agentur für Arbeit Heide ebenso wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) insgesamt konsequent weiterentwickelt, ist die digitale Zusammenarbeit zwischen Kunden und Agentur für Arbeit. Die Digitalisierung der BA-Dienstleistungen kommt dem Verhalten und den Wünschen der Menschen deutlich entgegen. Hier sieht Lieneke einen großen Mehrwert: „Das Ziel ist, für alle unsere Kunden den Kontakt und die Zusammenarbeit effektiver und effizienter zu gestalten. Sei es für arbeitssuchende Arbeitnehmer durch unsere Online-Terminierung Wartezeiten und unnötige Wege zu vermeiden oder für Arbeitgeber eine spezielle Online-Schnittstelle, die es ermöglicht, ressourcenschonend Stellenangebote sicher und direkt aus ihrer Personalverwaltung in die Datenbank der Agentur zu übertragen.“ Durch die digitale Kundenkommunikation über elektronische Services entstünden nicht zuletzt auch mehr Freiräume für die persönliche Beratung und mehr Transparenz über die Prozesse und den Stand der Zusammenarbeit, so Lieneke
Die Übersicht über alle elektronischen Services der Bundesagentur für Arbeit finden Kunden über den Link https://www.arbeitsagentur.de/eservices und Unternehmen über den Link https://www.arbeitsagentur.de/eservices-unternehmen – intuitiv zu bedienen, jederzeit verfügbar, ortsunabhängig.