Itzehoe (anz) – Die Zukunft der ärztlichen Versorgung in Itzehoe stand im Mittelpunkt des Frühstücksforums, zu dem der Seniorenrat Itzehoe am 24. Oktober eingeladen hatte. Rund 50 Teilnehmer diskutierten im Gemeindesaal der Innenstadtgemeinde St. Laurentii mit Delf Kröger, dem Leiter für Gesundheitspolitik und Kommunikation der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH).
Wie Delf Kröger erläuterte, werde die ärztliche Versorgung auf Bundesebene durch strikte Budgets limitiert. Leistungen, die Praxen über ihr vorgesehenes Budget hinaus erbringen, werden erheblich geringer honoriert. Zudem verschärfe der Wegfall von finanziellen Zuschlägen für Fachärzte, die von Hausärzten und der Terminservicestelle vermittelte Patienten kurzfristig behandeln, die Situation. Als Alternativen blieben die Terminservicestelle (Tel: 116 117) sowie die gesetzlich vorgeschriebenen fünf offenen Sprechstundenstunden pro Woche je Facharztpraxis, so Delf Kröger.
Scharfe Kritik gab es aus dem Publikum an der Budgetdeckelung bei Psychotherapeuten, die vor allem die Schwächsten treffe.
Ein Drittel der Hausärzte in Schleswig-Holstein ist über 60 Jahre alt und scheidet im nächsten Jahrzehnt aus. Im Kreis Steinburg liegt dieser Anteil sogar bei 42 Prozent. Landesweit müssen rund 710 neue Hausärzte gewonnen werden, aktuell sind bereits 40 Hausarztstellen in Schleswig-Holstein offen.
Gleichzeitig wandelt sich das Berufsbild: Junge Mediziner lehnen Arbeitszeiten von bis zu 70 Stunden pro Woche ab. Attraktiv sind für sie stattdessen Angestelltenverhältnisse in Gemeinschaftspraxen und flexible Arbeitszeitmodelle.
Ein regionales Positivbeispiel ist die Verbundweiterbildung im Kreis Steinburg, bei der der Kreis, das Krankenhaus und niedergelassene Arztpraxen gemeinsam die Weiterbildung künftiger Hausärzte direkt vor Ort organisieren. Dass wieder mehr Studenten den Weg in die Allgemeinmedizin finden, ist zudem dem Engagement der Universitäten Kiel und Lübeck sowie dem Kompetenzzentrum Allgemeinmedizin von KVSH, Ärztekammer und Unis zu verdanken.
Auf die Frage nach kommunalen Handlungsoptionen forderte Delf Kröger Bürgermeister auf, frühzeitig das Gespräch mit älteren Ärzten über die Nachfolge zu suchen. Um den zeitintensiven Hausbesuchen zu begegnen, setze die KVSH verstärkt auf die Weiterbildung von Medizinischen Fachangestellten zu nichtärztlichen Versorgungsassistenten. Die im Sommer 2026 beschlossene Apothekenreform solle zudem ab dem kommenden Jahr Apotheken stärker in die Versorgung einbinden.
Der ehemalige Seniorenratsvorsitzende Walter Günther, der die Moderation übernommen hatte, schloss die Veranstaltung mit einem Dank an den Referenten für die offenen Worte.