Brokdorf (anz) – Nach der Begrüßung durch Petra Neufeldt (Grüne Steinburg) und Rainer Guschel (BUND Steinburg), beschrieb Pastor Hans-Günter Werner den Weg zur ersten Mahnwache im August 1986. 35 Jahre lang jeden Monat, bis zur Abschaltung, fand seitdem der Protest am Atomkraftwerk (AKW) statt – über 400 Mahnwachen gegen Atomstrom und Atomwaffen. Angesichts der aktuellen Diskussionen sei es wichtig weiterzumachen, denn „Technik, die keinen Unfall machen darf, die nicht versicherbar ist und deren Entsorgung nicht geklärt ist“, dürfe niemals verwendet werden.
Die ersten Tage nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl schilderte Heinrich Voß, Fraktionsvorsitzender der Grünen in Steinburg, eindrücklich aus Sicht der Wilstermarsch-Bauern: Stallpflicht, fehlendes Futter, Kühe auf belasteten Weiden, hilflose Verantwortliche.
Und heute: Atommüll aus wenigen Jahrzehnten Energienutzung, der für die Ewigkeit sicher gelagert werden muss, und Politiker, die wieder für die Nutzung von Atomkraft werben. Doch sein Ausblick ist positiv: Schleswig-Holstein wird bis 2040 klimaneutral sein, „dieses Ziel steht durch die Erneuerbaren Energien auf einem sicheren Fundament“.
Ole Eggers, Landesgeschäftsführer des BUND SH, wies über Deutschland hinaus und betonte u. a. mit Blick auf den hoch verschuldeten französischen Energiekonzern EDF die schlechte Wirtschaftlichkeit von Atomenergie. Da seien Milliarden an Subventionen vom französischen Staat ganz bewusst auch mit dem Hintergedanken der atomaren Aufrüstung in den AKW versenkt worden, die als Forschungsgelder für Erneuerbare, z. B. Speichertechnologien, weit sinnvoller angelegt wären. Projekte mit den vielfach gepriesenen (gar nicht so kleinen) Small Modular Reactors (SMR) seien, wie zuletzt in Idaho, auch aufgrund explodierender Kosten aufgegeben worden. „Die Diskussion um Nutzung und Begrenzung von Energie ist auch in Zukunft notwendig“, betonte Eggers, „aber in Frieden und ohne Atomenergie!“
In bewegenden Reimen beschrieb anschließend Silke Dibbern-Voß, Vorstandsmitglied der Grünen Steinburg, ihre Erlebnisse im langen Kampf der Anti-Atomkraft-Bewegung: zwischen Staatsgewalt und dem Glauben an die Demokratie. Eine Reise von der ersten Kundgebung am 30. Oktober 1976 über die Gründung der Grünen im Kreis Steinburg bis zur bitteren Erkenntnis heute, dass „der Müll wohl für immer hier im Zwischenlager Brokdorf bleiben wird“.
Das Schlusswort hatte Karsten Hinrichsen, der 12 Jahre lang juristisch gegen die Betriebsgenehmigung des AKW Brokdorf gekämpft hatte. Er erinnerte an die Verpflichtung für die Zukunft und die der Nachkommen und rief alle dazu auf, weiter „gemeinsam für eine friedliche Welt“ zu kämpfen.
Darin waren sich alle Anwesenden einig: Der Kampf gegen Atomkraft und für Erneuerbare Energien wird weitergehen – er startete vor Ort mit der Vernichtung selbstgebackener Atomkraftwerke der Schöneberger Fukushima-Gruppe.