Itzehoe (anz) – Erstmals seit Anfang der 2000er Jahre zeigen die Bevölkerungsprognosen für die Region wieder eine positive Entwicklung. Während frühere Berechnungen noch von einem deutlichen Einwohnerrückgang ausgingen, zeigt die aktuelle Prognose nun ein leichtes Wachstum. In Verbindung mit einer hohen Nachfragedynamik nach Gewerbeflächen wird durch die aktuelle Bevölkerungsprognose eine deutlich positivere Entwicklung der Region möglich, deren Potenziale es nun gemeinsam zu nutzen und weiterzuentwickeln gilt.
Vor diesem Hintergrund fand am 20. Januar die Informationsveranstaltung mit dem Titel “Wärme, Wandel, Wohnen” des Kreises Steinburg statt, zu der kommunale Verwaltung, Beteiligte und regionale Akteure eingeladen wurden. Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen zwei zentrale Zukunftsthemen für die Region: die aktuelle sowie zukünftige Bevölkerungsentwicklung und die kommunale Wärmeplanung der Kommunen im Kreisgebiet. Ziel der Veranstaltung war es, sich frühzeitig über die Chancen der aktuellen Entwicklung zu verständigen und die zentralen Zukunftsthemen durch intensiven interkommunalen Austausch in den Blick zu nehmen.
Dass die Bevölkerungsprognose erstmals seit Anfang der 2000er Jahre positiv ausgefallen ist, ist ein wichtiges Signal für die Entwicklung im Kreisgebiet. Im Vergleich zur letzten Prognose von vor drei Jahren, die noch von einem Einwohnerrückgang von 11.200 Menschen bis 2030 ausgegangen ist, geht die aktuelle Prognose von einem Zuwachs von 400 Menschen aus. Insgesamt konnte somit eine Verbesserung von 11.600 Einwohnern ermittelt werden. Weiter gehen die Gutachter der kleinräumigen Bevölkerungsprognose davon aus, dass die Zahlen der Landesprognose noch besser ausfallen können, sofern wirtschaftliche Entwicklungschancen genutzt werden.
Gründe der positiven Prognose sind unter anderem eine hohe Nachfragedynamik nach Gewerbeflächen. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem
- der Ausbau der erneuerbaren Energien und die Nutzung dieser vor Ort,
- der Stromtrassenbau und die gute Lage des Kreises am bundesweiten Wasserstoffkernnetz,
- die besondere Hafeninfrastruktur an Elbe und NOK, aber auch der Boom kleiner Binnenhäfen,
- die aktuellen positiven Entscheidungen zur A-20 Realisierung,
- der Umbau der Industrie in Brunsbüttel und in Lägerdorf hin zu einer Industrie, die auf fossile Energieträger zukünftig weitgehend verzichten will.
Die dynamische Entwicklung bei Bevölkerung und Gewerbeflächen schafft neue Perspektiven für die Region und erfordert gleichzeitig eine frühzeitige und abgestimmte Planung unter anderem in den Bereichen Wohnen, Infrastruktur und Bildung.
Um die Chancen der hohen Nachfragedynamik zu nutzen, ist der Kreis bereits seit 2024 im Austausch mit den Kommunen zu den aktuellen Entwicklungschancen und konnten bereits mehrere interkommunale Gewerbeflächenansätze für die Regionalplanfortschreibung vorbereiten. Zudem haben sich Kreis und Kommunen das gemeinsame Ziel gesetzt, die positive Entwicklung weiter zu stärken und bis zum Jahr 2040 ein Bevölkerungswachstum von rund 3.200 zusätzlichen Einwohnern im Kreis zu erreichen. Damit wird deutlich, dass Wachstum nicht nur festgestellt, sondern strategisch begleitet werden soll. „Gemeinschaftlich Chancen nutzen, denn Bevölkerungswachstum ist eine riesen Chance!“, so Landrat Claudius Teske.
Um das angestrebte Wachstum nachhaltig zu gestalten, rücken auch langfristige Infrastruktur- und Energiefragen stärker in den Fokus. In diesem Zusammenhang wurde vom Wärmekompetenzzentrum Schleswig-Holstein (WKZ.SH) über den mehrstufigen Prozess der Planung informiert. Die Unterstützung vom WKZ.SH bietet den Kommunen Unterstützung bei der gesamten Planungs- und Umsetzungsphase. Einige Kommunen befassen sich bereits intensiv mit der kommunalen Wärmeplanung und haben erste Schritte in diesem Prozess eingeleitet. Die Wärmeplanung ist dabei als mehrstufiger Prozess angelegt und verfolgt das Ziel, langfristig eine verlässliche, wirtschaftliche und klimafreundliche Wärmeversorgung zu ermöglichen. Für den gesamten Prozess stellen das Land Schleswig-Holstein und der Bund aktiv Hilfsmittel, Beratungen und digitale Werkzeuge zur Verfügung.