Bad Bramstedt (hot) – Saunagänger wissen: Bei gut 90 Grad kommt man – so der Sinn und Zweck – ganz schön ins Schwitzen – und zwar ohne dass man etwas anhat. Wie es sich anfühlt, in voller Montur in der Sauna zu sitzen, das wissen jetzt rund 20 Atemschutzgeräteträgerinnen und -träger der Rolandfeuerwehr. Aber nicht zum Vergnügen, sondern als wichtige Erfahrung für den Ernstfall.
Die Idee zu dieser ganz besonderen Übung hatte Gerrit Schreiber, stellvertretender Gruppenführer bei der Bad Bramstedter Wehr. Er wandte sich mit dieser ungewöhnlichen Bitte an den Saunaverein Roland Oase – und stieß damit beim Vorstand auf offene Ohren. Und so konnten die 20 Kameradinnen und Kameraden in entsprechenden Gruppen gleich alle drei Saunen (Finnische Sauna (85 Grad), Kräutersauna (60 Grad) und Kelo-Sauna (90 Grad)) benutzen. Und weil Feuerwehrleute bei ihren Einsätzen hohe Temperaturen gewohnt sind, durften die Saunaaufgüsse natürlich nicht fehlen. „Wir wollten einmal ausprobieren, wie man sich unter diesen Bedingungen – ohne Belastung und Adrenalinausstoß wie beim Ernstfall – fühlt und wie sich die Hitze auf den Körper auswirkt“, so Gerrit Schreiber. „Denn der Wasserdampf zieht ordentlich durch die Klamotten.“ Bevor es in die Sauna ging, wurde gegenseitig gecheckt, ob alles in Ordnung ist und richtig sitzt – eine wichtige Grundvoraussetzung auch im Ernstfall. Platz genommen wurde auf der obersten Bank – schließlich ist da die größte Hitze. „Der Kopf wird am heißesten“, gab Gerritt Schreiber den Saunagängern mit auf den Weg, bevor sie ihre Atemschutzmasken aufsetzten. „Wem schlecht ist, der muss bitte sofort Bescheid sagen.“ „Das war gar nicht so schlimm“, so Sören Ahrens, als er aus der Kelo-Sauna kam. Natürlich habe er ordentlich geschwitzt. „Aber die Klamotten haben die Hitze insgesamt gut abgehalten.“
„Eine runde Sache“, so das Fazit von Gerrit Schreiber zu der ungewöhnlichen Übung. Im Ernstfall werden die Atemschutzträgerinnen und -träger allerdings mehr gefordert. Rund 25 Kilogramm Gewicht hat die Ausstattung (Klamotte, Maske, Atemschutzgerät), mit der die Kameradinnen und Kameraden in die Sauna gingen. Im Ernstfall kommt noch so einiges dazu – zum Beispiel Schläuche und Axt. Und das bei Temperaturen zwischen 90 und 150/160 Grad. „Wir bewegen uns immer im Seitenkriechgang“, erklärt Gerrit Schreiber die Vorgehensweise von Atemschutztrupps im Brandfall. Eines steht auf jeden Fall fest: Wer Atemschutzgeräteträger ist, muss fit sein. Alle drei Jahre wird das bei der medizinischen Vorsorgeuntersuchung geprüft, für über 50-Jährige ist die Untersuchung jährlich vorgeschrieben. „Einmal im Jahr gehen wir auf die Übungsstrecke in Bad Segeberg“, erklärt Stefan Rickert, ehemals stellvertretender Wehrführer. Die Belastungsübung umfasst in der Regel unter anderem Endlosleiter, Laufband oder Ergometer sowie das Durchlaufen der engen Übungsstrecke in voller Schutzausrüstung. „Die Übung in der Sauna war für uns auf jeden Fall mal etwas Neues“, sagt er.
Eine Premiere war es auch für den Saunaverein. Den gibt es seit 2010, derzeit hat er 180 Mitglieder.
Stolz sind der Vorsitzende Gunnar Mellerke, sein Stellvertreter Friedhelm Siemsen und der Kassenwart Olaf Ohge auf das neue moderne Steuerungssystem, das in der finnischen Sauna bereits eingebaut ist. Das System fährt die Temperatur etwa automatisch runter, wenn die Tür länger nicht mehr geöffnet oder geschlossen wurde. Die drei Vorstandsmitglieder haben an dem Übungsabend auch dafür gesorgt, dass die Saunen für die Feuerwehrleute einsatzbereit waren und ihnen die Aufgüsse mächtig eingeheizt haben. Für den Vorstand war dieser Einsatz selbstverständlich. „Das war doch klar, dass wir uns hier in Bad Bramstedt gegenseitig unterstützen“, sagt Gunnar Mellerke.
Manche Feuerwehrleute mögen's heiß
Die Feuerwehrtruppe wurde von Gunnar Mellerke, Olaf Ohge und Friedhelm Siemsen vom Vorstand des Saunavereins (rechts) herzlich empfangen.
Gerrit Schreiber gab den Kameradinnen und Kameraden vor dem Saunagang die wichtigsten Infos mit auf den Weg.
Bevor es in die Sauna ging, prüften die Feuerwehrleute gegenseitig, ob alles sitzt und in Ordnung ist.
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