Bad Bramstedt (usp) – Bei der Lebenshilfe geht eine Ära, verbunden mit einem Generationswechsel, vorbei. Nach 33 Jahren trat Werner Weiß (76) nicht wieder zur Wahl als Vorsitzender an. Zu seiner Nachfolgerin wurde Katrin Wünsche (42), Leiterin des Kindergartens Wühlmäuse und des Familienzentrums auf der Jahreshauptversammlung gewählt. Weiß gab auch seinen Posten im Aufsichtsrat im Team Lebenshilfe gGmbH ab.
Bereits 1976 wurde Weiß einfaches Mitglied der Lebenshilfe – zu einem Zeitpunkt, als er dort als Fahrer und Hausmeister in der von der Lebenshilfe getragenen Schule „G“ für geistig behinderte Kinder beschäftigt wurde.
1993 dann wurde er zum Vorsitzenden des Vereins gewählt. In seiner Zeit als Vorsitzender initiierte und organisierte Werner Weiß zahlreiche Projekte, von denen Menschen mit Behinderung in und um Bad Bramstedt in besonderer Weise profitieren.
So wuchs die 1968 gegründete Heilpädagogische Tagesstätte Mullewapp, die zusammen mit der Ev.-Luth. Kirche getragen wurde, stetig. Gestartet in einem kleinen Haus, wurde sie räumlich immer mehr erweitert. Außerdem entstand eine Heilpädagogische Kleingruppe für Kinder bis drei Jahre.
1998 wurde eine Integrationsmaßnahme an der Grundschule Maienbeeck eingerichtet, für die die Lebenshilfe die Betreuung von Kindern mit Trisomie 21 übernahm.
Weit vorausschauend leitete Werner Weiß im Jahr 2016 für den Verein mit seinen inzwischen 80 Mitarbeitenden den Strukturwandel ein. Das operative Geschäft wurde vom Ehrenamt in die professionellen Hände einer gGmbH gelegt. Weiß blieb Vorsitzender des tragenden Vereins und übernahm einen Posten im Aufsichtsrat.
Seit 2025 ist Carsten Nissen Geschäftsführer der gGmbH und ist damit verantwortlich für rund 100 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von 5,5 Millionen Euro (2026). Inzwischen werden in den beiden Kitas Mullewapp und Wirbelwind rund 170 Kinder betreut, 62 Kinder in der Frühförderung und 46 in der Schulbegleitung, berichtete Nissen.
Ein großer Wurf gelang Weiß mit einem Apartmenthaus im Maienbass, das fünf behinderten Bewohnerinnen und Bewohnern durch ambulante Betreuung weitestgehend selbstständiges Wohnen ermöglicht. Dort entstand auch ein großer Raum, der unter anderem für die Teestube genutzt wird, sowie im Obergeschoß ein Büro. „Dort haben wir endlich eine Heimat“, meinte Weiß. Eine wichtige Betreuungsmaßnahme für behinderte Menschen ist der Freizeitclub. Er unterstützt zum einen in lebenspraktischen Dingen, wie dem Aufsetzen von Behördenschreiben. Zum anderen bietet er auch einmal wöchentlich die Teestube als Treff an und organisiert Tages- oder auch Wochenreisen für seine Schützlinge.
Und nicht zuletzt wurde ein Fahrdienst eingerichtet, der es Eltern, die keinen ausreichend großen Pkw besitzen, ermöglicht, ihre Kinder mit Rollstuhl zum Beispiel zu Veranstaltungen oder Arztbesuchen fahren zu lassen.
Auch das Familien- und Integrationszentrum, das sich unter andrem auch um junge und geflüchtete Familien kümmert, entstand unter der Ägide von Weiß. Im kommenden Jahr feiert es sein zehnjähriges Bestehen.
Als letzte größere Maßnahme übernahm die Lebenshilfe unter der Führung von Werner Weiß 2023 die Trägerschaft der Kindertagesstätte „Wirbelwind“.
Weiß wurde unter großem Applaus zum Ehrenvorsitzenden ernannt und mit einem großen Präsentkorb verabschiedet.
Insgesamt gibt es im Vorstand mehrere Veränderungen. So übernahm Malte Zühlke den stellvertretenden Vorsitz, den bisher Katrin Wünsche innehatte. Nadine Schröder (Wiemersdorf) übernahm die Kassenführung von Tobias Bolsmann. Beisitzerin im erweiterten Vorstand wurde Dorothee Schneider (Lentföhrden). Dr. Manfred Spies ersetzt Werner Weiß im Aufsichtsrat.
Generationswechsel bei der Lebenshilfe
Die neue Vorsitzende des Team Lebenshilfe, Katrin Wünsche (3. von re.) kann mit (v. li.) Michael Deutschmann (Beisitzer) Ralph Müller (Schriftwart), Anita Neumann (Vertreterin), Dorothee Schneider (Beisitzerin) Malte Zühlke (Stellvertreter) und Nadine Schröder (Kassenwartin) auf einen tatkräftigen Vorstand bauen. Fotos: Straehler-Pohl
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