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Flora Publica:

Bad Bramstedts botanische Idee bekommt einen Namen.

Sie machen sich stark für „Flora Publica“ (v. li.) der Magnolien-Experte Michael Gottschalk, der Botanik-Experte Markus Bartels(stellvertretender Bauhofleiter), Swantje Maaß Wirtschaftsförderung), Elena Beker-Bertram und Roxana Schorr (beide „Amt. Zum Glück.“; Tourismus). Foto: Stadt Bad Bramstedt

Bad Bramstedt (anz) - Bei einer Informationsveranstaltung hat die Stadt erstmals vorgestellt, unter welchem Namen sie ihr botanisches Konzept weiterentwickeln und nach außen tragen will. Rund 40 Gäste erfuhren, was hinter „Flora Publica – auf grünen Wegen“ steckt und warum insbesondere die wachsende Magnoliensammlung für Bad Bramstedt zu einem besonderen Alleinstellungsmerkmal werden kann.
Wer in den vergangenen Monaten aufmerksam durch Bad Bramstedt gegangen ist, konnte bereits an vielen Stellen Veränderungen entdecken. Magnolien sind gepflanzt worden, neue botanische Akzente sind entstanden und weitere Vorhaben werden vorbereitet. Dahinter steht ein Konzept, das weit über einzelne Pflanzungen hinausgeht. Die Stadt will ihr öffentliches Grün langfristig entwickeln, besondere botanische Vielfalt schaffen und damit zugleich das Profil Bad Bramstedts schärfen. Was bislang vor allem als „botanisches Konzept“ beschrieben wurde, hat nun einen eigenen Namen: „Flora Publica – auf grünen Wegen“. Vorgestellt wurde er erstmals im Rahmen einer rund zweistündigen Informationsveranstaltung, zu der etwa 40 Interessierte gekommen waren.
Botanik-Experte Markus Bartels erläuterte zunächst die fachlichen Grundlagen des Konzeptes. Dabei spielt der Aufbau einer außergewöhnlichen Magnolienvielfalt eine zentrale Rolle. Die Sammlung soll sich nicht auf die bekannten und häufig gepflanzten Sorten beschränken. Unterschiedliche Arten, Sorten, Blütenformen und Blütezeiten sollen an geeigneten Standorten im Stadtgebiet zusammenkommen und Bad Bramstedt langfristig zu einem Ort machen, an dem die Vielfalt der Gattung Magnolie im öffentlichen Raum auf besondere Weise erlebbar wird. „Eine solche Magnoliensammlung im öffentlichen Raum systematisch aufzubauen, ist für eine Kommune ausgesprochen ungewöhnlich“, sagte Bartels. „Entscheidend ist dabei nicht nur die Anzahl der Pflanzen. Es geht um botanische Vielfalt, um die Auswahl besonderer Arten und Sorten, um geeignete Standorte und darum, eine Sammlung mit fachlichem Anspruch entstehen zu lassen. Genau daraus kann mit der Zeit etwas entstehen, das weit über eine schöne Magnolienblüte im Frühjahr hinausgeht.“ Die Magnolien sind dabei ein besonders sichtbarer Teil von Flora Publica, aber ausdrücklich nicht das gesamte Konzept. Auch andere Gehölze, Stauden, besondere Pflanzengesellschaften, bestehende Grünräume und die Landschaft entlang der Auen gehören zu der Idee. Gerade die Magnolien können jedoch zum Zugpferd werden: ein Thema, das leicht verständlich ist, Aufmerksamkeit erzeugt und Bad Bramstedt von anderen Städten unterscheidet. Wer künftig wegen der Magnolien nach Bad Bramstedt kommt, soll deshalb nicht nur Magnolien entdecken. Im besten Fall funktionieren sie wie die Lieblingsband, wegen der man zu einem Konzert fährt – und bei der Gelegenheit eine Vorband entdeckt, von der man vorher noch nie gehört hat und die man anschließend genauso begeistert mit nach Hause nimmt. Übertragen auf Bad Bramstedt bedeutet das: Die Magnolie kann der Anlass für den Besuch sein. Vor Ort warten aber das Auenland, die Osterau-Insel, besondere Grünräume, weitere botanische Entdeckungen und schließlich die Stadt selbst.
Für Roxana Schorr liegt genau darin das touristische Potenzial. „Ein touristisches Thema braucht zunächst einen starken Anlass, der Neugier weckt. Die Magnolien können ein solcher Anlass sein, weil sie emotional, bildstark und zugleich botanisch besonders sind. Wenn Gäste deshalb nach Bad Bramstedt kommen, können wir sie von dort aus weiterführen – ins Auenland, zu anderen botanischen Orten und natürlich auch in die Innenstadt. Aus einem einzelnen Besuchsanlass kann so ein viel umfassenderes Erlebnis von Bad Bramstedt werden.“ Dass sich daraus auch für Stadtmarketing und Wirtschaftsförderung Chancen ergeben, machte Swantje Maaß deutlich. Denn ein eigenständiges Profil wirkt nicht nur nach außen auf Besucherinnen und Besucher. Es beeinflusst auch, wie ein Standort von Unternehmen, Beschäftigten und Menschen wahrgenommen wird, die überlegen, wo sie arbeiten, einkaufen oder sich niederlassen möchten.
„Wirtschaftsförderung beginnt nicht erst bei Gewerbeflächen oder Förderprogrammen. Die Attraktivität eines Standortes entscheidet ganz wesentlich mit darüber, ob Menschen gerne hierherkommen und ob sie bleiben“, sagte Maaß. „Ein unverwechselbares Stadtbild, eine hohe Aufenthaltsqualität und eine Geschichte, mit der Bad Bramstedt positiv verbunden wird, können auch wirtschaftlich einen Unterschied machen. Davon profitieren Geschäfte und Gastronomie ebenso wie Unternehmen, die Fachkräfte gewinnen und für den Standort begeistern wollen.“
Flora Publica soll deshalb unterschiedliche Bereiche zusammenführen, ohne aus der Botanik ein bloßes Marketinginstrument zu machen. Die fachliche Entwicklung steht am Anfang. Tourismus, Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung und Öffentlichkeitsarbeit knüpfen daran an und übersetzen das, was tatsächlich in der Stadt entsteht, für unterschiedliche Zielgruppen. Für Elena Beker-Bertram liegt darin auch kommunikativ eine besondere Chance. „Wir müssen keine Kampagne um eine künstlich geschaffene Idee bauen. Wir können zeigen, was wirklich passiert: warum eine bestimmte Magnolie ausgewählt wurde, was an einem Standort entsteht, welche Menschen daran arbeiten und welche Zusammenhänge dahinterstehen. Gerade weil Flora Publica über Jahre wächst, entstehen immer wieder neue Geschichten und Bilder. Social Media bietet uns die Möglichkeit, diese Entwicklung unmittelbar zu begleiten und Menschen neugierig darauf zu machen, selbst auf Entdeckungstour zu gehen.“
Mit dem Namen Flora Publica erhält diese Entwicklung nun erstmals einen gemeinsamen Rahmen. Bewusst habe man keinen klassischen Marketingnamen gesucht. Der Name soll vielmehr die Eigenständigkeit des Vorhabens und seinen fachlichen und wissenschaftlichen Anspruch ausdrücken. „Flora“ steht für die Pflanzenwelt, „Publica“ für den öffentlichen Raum: Die botanische Vielfalt soll nicht hinter den Grenzen eines Gartens oder Parks stattfinden, sondern dort, wo Menschen leben, gehen, arbeiten und ihre Stadt erleben.
Auch der Zusatz „auf grünen Wegen“ ist bewusst mehrdeutig gewählt. Er beschreibt den Weg, den Bad Bramstedt mit dem botanischen Konzept eingeschlagen hat, und die Idee einer nachhaltigen, gesunden Stadtentwicklung. Gleichzeitig verweist er ganz konkret auf die grünen Wege durch Bad Bramstedt und das Auenland, über die sich viele der botanischen Orte miteinander verbinden lassen. Diese Gedanken finden sich auch im Signet von Flora Publica wieder. Es verbindet die abstrahierte Form einer Blüte mit Linien, die zugleich an ein Wegenetz erinnern. In der Gestaltung lassen sich darüber hinaus vertraute Bad Bramstedter Motive erkennen: die Osterau-Fontäne ebenso wie die charakteristischen Trauerweiden auf der Schlosswiese. So verbindet das Zeichen die botanische Idee mit dem Ort, an dem sie entsteht.
Einen Blick von außen brachte der Magnolienexperte Michael Gottschalk in die Veranstaltung ein. Er war eingeladen worden, um die Entwicklung fachlich einzuordnen und insbesondere den Aufbau der Magnolienvielfalt mit Blick auf botanische Sammlungen und Standorte im nationalen und internationalen Umfeld zu bewerten. „Bedeutende Magnoliensammlungen findet man klassischerweise in botanischen Gärten, Arboreten oder großen privaten Sammlungen. Dass eine Kommune beginnt, eine solche Vielfalt bewusst im öffentlichen Stadtraum aufzubauen und sie gleichzeitig in ein umfassenderes botanisches Konzept einzubetten, ist etwas Besonderes“, sagte Gottschalk. „Hier kommen fachlicher Anspruch, kommunale Stadtentwicklung und der Mut zu einer sehr langfristigen Perspektive zusammen. Gerade diese Verbindung gibt Bad Bramstedt die Chance, sich mit seiner Magnolienvielfalt ein Profil zu erarbeiten, das auch überregional und im internationalen botanischen Umfeld wahrgenommen werden kann.“
Dass diese Perspektive auf Interesse stößt, zeigte sich an den zahlreichen Fragen aus dem Publikum. Aus der Informationsveranstaltung entwickelte sich über die rund zwei Stunden immer wieder ein Austausch über einzelne Pflanzen und Sorten, künftige Standorte, die Entwicklung der Sammlung und die touristischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben können. Mit der Vorstellung von „Flora Publica – auf grünen Wegen“ beginnt dabei nicht plötzlich ein neues Projekt. Vieles ist bereits gepflanzt, anderes vorbereitet, manches wird erst in einigen Jahren seine volle Wirkung entfalten. Neu ist, dass diese einzelnen Entwicklungen nun einen gemeinsamen Namen tragen. Die Magnolien dürften dabei der Teil sein, der zunächst die größte Aufmerksamkeit auf sich zieht. Flora Publica beginnt aber nicht bei ihnen und hört dort auch nicht auf. Sie können vielmehr die Tür öffnen zu dem, was Bad Bramstedt botanisch darüber hinaus zu bieten hat – und zu dem, was in den kommenden Jahren noch entstehen soll.

 

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