Bad Bramstedt (hot) – Heutzutage ist viel von Inklusion die Rede. Eines steht fest: Im städtischen Bauhof ist das Thema kein Lippenbekenntnis, dort wird Inklusion gelebt. Ob Grünpflege, Pflasterarbeiten oder in der Stadt mal Schilder aufstellen bzw. abbauen: Momentan packen Niklas Looft (27) und Timm Bloch (34) als Praktikanten im Bauhof kräftig mit an und unterstützen das Team, wo es nur geht.
Motor für diese Initiative ist allen voran der Bauhofleiter Tim Britten, der ehemals beim Lebenshilfewerk Pinneberg im inklusiven Reiterhof Gut Schäferhof beschäftigt war. Für ihn ist Inklusion völlig selbstverständlich. „Fast jeder von uns hat doch irgendwo eine Beeinträchtigung“, sagt er. „Ich bin jetzt seit vier Jahren hier Bauhofleiter. Seitdem haben wir schon mindestens zehn Praktikanten mit Beeinträchtigungen bei uns beschäftigt. Wenn nicht wir, wer dann!“, erklärt Britten. „Ziel ist es, dass sie Arbeitsabläufe selbstständig, ohne fremde Hilfe, erledigen können“, fügt er hinzu. „Ohne mein tolles Team wäre das aber gar nicht möglich“, bedankt er sich ganz herzlich bei seinen insgesamt 26 Mitarbeitenden.
Der Bad Bramstedter Niklas Looft ist normalerweise im Barfußland Todesfelde beschäftigt, das der Verein KIWEBU zusammen mit der Barfußland GmbH betreibt. Im Landweg in Bad Bramstedt führt KIWEBU seit dem 1. Dezember 2023 auch ein Einzelhandelsgeschäft und schafft damit Arbeitsplätze für Menschen mit Beinträchtigungen. „Mir gefällt hier alles sehr gut“, sagt Niklas Looft, der seit dem 31. August auf dem Bauhof arbeitet.
Jonas Hövermann, Vorstand bei KIWEBU, ist dankbar, dass er und Tim Britten in Sachen Inklusion die gleiche Wellenlänge haben. „Der Bauhof ist als Einstieg in die Arbeitswelt sehr gut geeignet, weil er ,ein bisschen geschützter‘ ist“, sagt er. Ziel ist es, die Beschäftigten fit für den „ersten Arbeitsmarkt“ zu machen.
Und auch Timm Bloch fühlt sich mittlerweile im Bauhof wie zuhause. Der 34-Jährige ist bei den Segeberger Wohn- und Werkstätten in Kaltenkirchen beschäftigt und macht sein Praktikum seit vier Wochen im Bauhof. „Es ist toll hier“, sagt der Kaltenkirchener. „Mir macht die Arbeit hier so viel Spaß, dass ich gerne noch länger bleiben möchte.“ Beide Praktikanten sind weiterhin bei ihren jeweiligen Arbeitgebern angestellt. Für den „ausgelagerten Arbeitsplatz“ während des Praktikums zahlen beide Einrichtungen eine entsprechende Summe an den Bauhof. „Ich fahre mit sozialer Energie“ ist denn auch der passende Slogan für den neuen Sitzrasenmäher – Kostenpunkt rund 5.000 Euro –, den sich der Bauhof dank von Sponsoren jetzt anschaffen konnte. Das Motto: Rasenmäher-Trecker-Inklusion“. Mit dabei sind aus Bad Bramstedt Golden Kebap, Lehmann Bau, Glaserei Manske, Gartenservice Kluge und Eisenwaren Hingst sowie Maler Ossenbrüggen (Kellinghusen), Hass + Hatje GmbH (Hitzhusen), Neudeck & Dransfeld (Kiel) und das Unternehmen Stihl (Dieburg). Der Sitzmäher wurde denn auch gleich beim Herbstfest mit verkaufsoffenem Sonntag auf der „Orangenen Meile“ präsentiert.
Felix Carl, der vor seinem Bürgermeisteramt Geschäftsführer des Team Lebenshilfe Bad Bramstedt war, ist jedenfalls begeistert von der Inklusions-Initiative im Bauhof: „Tausend Dank dafür, dass ihr Flagge zeigt!“
Der Bauhof baut auf Inklusion
Bauhofleiter Tim Britten (li.) und die beiden Praktikanten Niklas Looft (Mitte)und Timm Bloch präsentieren den neuen Sitzrasenmäher. Fotos: Otto
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