Lentföhrden (usp) – Vielen Einwohnern von Lentföhrden dürfte nicht bewusst sein, dass ihr Ort an einer der bedeutendsten historischen Viehtrieb-Routen Nordeuropas liegt. Der sogenannte Ochsenweg führte vom heutigen Dänemark bis nach Wedel und wurde vor allem zwischen dem 13. und 19. Jahrhundert genutzt. Seit Kurzem erinnert ein neues Denkmal an diese Geschichte.
Auf einer Grünfläche an der Schulstraße, Ecke Kreuzweg, jetzt Hörnerplatz, steht eine über drei Meter hohe Skulptur aus zwei gekreuzten Hörnern. Eine Informationstafel erläutert den Verlauf des Ochsenweges und gibt Einblicke in seine historische Bedeutung.
Die Idee, den historischen Weg durch solche Hörnerskulpturen sichtbar zu machen, geht auf den Verein Ochsenweg e. V. zurück. Inzwischen markieren bereits 18 Skulpturen einen Teil der Strecke von Flensburg bis Wedel. Weitere 18 bis 20 Denkmäler sollen laut Bernd Zich, Sprecher des wissenschaftlichen Beirates des Vereins, noch hinzukommen. Ziel des Vereins ist es, das Interesse an der Geschichte des Ochsenweges zu fördern und dieses Wissen für die Bevölkerung erlebbar zu machen.
Gefertigt werden die Skulpturen von den Künstlern Thomas Jaspert und Michael Harder. Das dafür verwendete Eichenholz suchten sie im Wald selbst aus, bearbeiteten es und schützten es anschließend mit Wurzelteer. Die Hornspitzen erhielten eine Kupferkappe. Diese erinnert daran, dass die Route bereits in der Bronzezeit, etwa zwischen 1700 und 1100 v. Chr., als Handelsweg für Kupfer und Zinn genutzt wurde.
Die gekreuzten Hörner haben zudem eine symbolische Bedeutung. Sie stehen für die Verbindung von Schleswig und Holstein sowie für die historische Verbindung des Ochsenweges in Schleswig-Holstein mit dem dänischen „Haervejen“, dem Heerweg, erklärte die Vorsitzende des Vereins, Anke Gosch. Die Skulpturen dürften nur an Stellen aufgestellt werden, an denen der historische Verlauf des Ochsenweges tatsächlich nachgewiesen ist, so Bernd Zich. Gleichzeitig sollen sie an gut sichtbaren Orten stehen und dadurch möglichst viele Menschen auf die Geschichte aufmerksam machen.
Welche wirtschaftliche Bedeutung der Ochsenweg einst hatte, zeigt eine beeindruckende Zahl: Innerhalb von nur drei bis vier Wochen wurden bis zu 30 000 bis 40 000 Rinder aus dem Norden bis nach Wedel getrieben.
Die Kosten für das Denkmal in Lentföhrden beliefen sich laut Bürgermeister Joannis Stasinopoulos auf rund 15 000 Euro. Etwa 80 Prozent davon wurden vom Holsteiner Auenland übernommen. Auch Spenden und ehrenamtliche Unterstützung trugen dazu bei, die Finanzierung für die Gemeinde zu erleichtern, freut sich der Bürgermeister.
Mit der Hörnerskulptur besitzt Lentföhrden nun ein neues Wahrzeichen, das nicht nur den Ort schmückt, sondern zugleich an die jahrhundertealte Bedeutung des Ochsenweges als Handels- und Verkehrsroute erinnert.