Heidmoor (usp) – Moore tragen, wenn auch im deutlichen geringeren Maße als Wälder, zur Einsparung von CO2 bei. Doch 88 Prozent der 152.800 Hektar Moorböden in Schleswig-Holstein sind entwässert und stoßen, statt CO2 einzusparen, jedes Jahr 5,1 Millionen Tonnen des schädlichen Treibhausgases aus. Das will das Naturschutzministerium des Landes zusammen in Zusammenarbeit mit dem Betrieb Landesforsten und der Stiftung Naturschutz stoppen. Aktuell wird das mit 650 Hektar größte Moorgebiet Schleswig-Holsteins, das Grotmoor in Heidmoor, wieder vernässt. Bei einem Ortstermin überzeugten sich Forstministerin Cornelia Schmachtenberg (CDU) zusammen mit Umweltminister Tobias Goldschmidt (Grüne) und Vertreter der Stiftung Naturschutz über den Fortschritt des Projektes.
650 Hektar beträgt die Gesamtfläche des Grotmoores, Während ein erster Abschnitt von gut 73 Hektar bereits venässt wurde, befindet sich der zweite Abschnitt von knapp 96 Hektar noch in Arbeit. Dafür sind Spezialbagger im Einsatz, um die Flächen so umzubauen, dass das Wasser künftig im Moor gehalten wird. Dabei werden die Drainagen entfernt, die Gräben zugeschüttet und Wälle gebaut, um das Wasser am Ablaufen zu hindern.
Alleine durch die Wiedervernässung dieses zweiten Bauabschnittes werden rund 1.200 Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr eingespart und die nötigen Voraussetzungen zur Wiederansiedlung moortypischer Tiere wie Kreuzottern, Blindschleichen, Waldeidechsen, Fröschen, Lerchen und Kiebitze und Pflanzen wie Sonnentau geschaffen. Durch beide Abschnitte zusammen werden knapp 2000 Tonnen CO2 im Jahr eingespart.
Ein wichtiger Player bei der Umsetzung des Projektes dabei ist die Stiftung Naturschutz, die auf 40 Jahre Erfahrung in der Vernässung von Mooren zurückblicken kann und es geplant hat. Der Betrieb Landesforsten bringt die in seinem Besitz befindlichen Flächen ein.
Die Baumaßnahmen sind sehr aufwendig. Als Erstes wurden 350 Meter Drainagen zerstört. Diese waren gelegt worden, um das Wasser aus dem Moor herauszuleiten, damit es landwirtschaftlich genutzt werden konnte. Weiterhin wurden alleine 9.580 Meter Wälle angelegt, damit das Wasser im Moorgebiet gehalten werden kann, und Holzspundwände gesetzt sowie Winterquartiere für Amphibien und Reptilien aus Wurzeln angelegt, erläuterte Projektleiter Janis Ahrens von der Stiftung Naturschutz. Außerdem bietet ein Aussichtshügel einen Einblick in das Gelände.
Insgesamt 400.000 Euro Kosten fallen an. Die Kosten bei diesem Projekt gehen jedoch – anders als beim ersten Bauabschnitt, der aus dem Landesprogramm Biologischer Klimaschutz finanziert wurde, – nicht zu Lasten des Steuerzahlers, betont die Forstministerin. Das Geld fließe durch „MoorFutures“, durch die CO2-Zertifikate zur Refinanzierung von Wiedervernässungen sowohl durch Firmen als auch Privatpersonen, die sich für den Umweltschutz finanziell engagieren wollen, erworben werden können, erklärt die Ministerin.
„Unsere Wälder sind ein zentraler Pfeiler des Klimaschutzes in Schleswig-Holstein. Mit Projekten wie dem Grotmoor zeigen die Landesforsten, wie wir Verantwortung für Waldstandorte weiter übernehmen und Klimaschutz konkret umsetzen“, macht Forstministerin Cornelia Schmachtenberg das Engagement der Landesregierung deutlich.
„Die Renaturierung des Grotmoors beweist, wie viel wir tun können – für das Klima, für den Landschaftswasserhaushalt und für seltene Arten wie Moorfrosch, Kreuzotter oder den Sonnentau, und damit letzten Endes auch für uns Menschen selbst“, so Naturschutzminister Tobias Goldschmidt.
„Wir schützen und entwickeln unsere Wälder und das reiche Landschaftsmosaik, in das sie eingebettet sind, für uns und kommende Generationen. Nachhaltigkeit und naturnahe Waldwirtschaft sind der Kern der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten. Mit aktivem Kohlenstoffmanagement wie im Grotmoor produzieren wir einen zusätzlichen Beitrag für Klimaschutz und Biodiversität. Für uns ist das ein weiteres Arbeitsfeld mit Zukunft“, sagte Dr. Chris Freise, Direktor der Schleswig-Holsteinischen Landesforsten.
„Mit unseren ,MoorFutures‘ können jetzt alle mitmachen und hier, vor der eigenen Haustür, einen wesentlichen Beitrag für unsere klimaneutrale Zukunft leisten“, macht Ute Ojowski, Geschäftsführender Vorstand der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein, deutlich, dass jedermann seinen Beitrag zum Naturschutz beitragen kann.
Bis Ende März wird im Grotmoor noch fleißig gebaggert. Danach wird wegen der Vogelbrutzeiten eine Pause eingelegt.
Für Ende August rechnet Projektmanager Dr. Chris Freise dann mit dem Abschluss der Arbeiten.
Das Grotmoor wird wieder vernässt
Damit ein Projekt wie die Vernässung gelingt, haben maßgeblich miteinander kooperiert (v. li.) Janis Ahrens (Projektentwicklung Stiftung Naturschutz), Cornelia Schmachtenberger (Forstministerin des Landes Schleswig-Holstein), Tobias Goldschmidt (Umweltminister des Landes Schleswig-Holstein) und Dr. Chris Freeie (Direktor Landesforsten). Foto: Straehler-Pohl
Künftig werden zwei Informationstafeln im Grotmoor aufgestellt mit Informationen zum Moor und der Vernässung in Text und Bildern sowie eine Karte mit Standorten des Aussichtshügels, der zur Nutzung allerdings erst noch verdichtet werden muss. Foto: Stiftung Naturschutz
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