Bad Bramstedt (hot) – Die prekäre Finanzlage der Stadt, die Belebung der Innenstadt und die Ansiedlung von Gewerbe: Diese Themen sind „Stadt.Gespräch“ und standen im Fokus der Einwohnerversammlung in der vollbesetzten Mensa der Jürgen-Fuhlendorf-Schule (JFS). „Dass heute Abend so viele Menschen den Weg hierher gefunden haben, zeigt vor allem eines: Die Themen, über die wir sprechen, bewegen unsere Stadt “, sagte Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt in ihrer Begrüßunsgrede.
„Der Haushalt ist alles andere als rosig. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand, die Lage ist aber nicht hoffnungslos“, fasste Bürgermeister Felix Carl die Finanzsituation der Stadt zusammen und spielte damit auf den Erlass des Kreises Segeberg an, bis zum 30. Juni ein Sparpaket von einer Million Euro zu schnüren. Bisher seien
rund 850.000 Euro auf dem „Sparkonto“ – zum Beispiel dadurch, dass die Bezuschussung der Mittagsverpflegung an Kitas reduziert werden soll, in der Verwaltung Stellen durch die „Aufgabenverdichtung“ zusammengelegt werden sollen, bestimmte Reinigungsleistungen des Bauhofs wegfallen sollen und die
E-Ladesäulen am Rathaus von den Mitarbeitenden nicht mehr kostenfrei genutzt werden dürfen. Weitere gut 150.000 Euro müssen jetzt noch in den Spartopf wandern. Am 19. Mai kommt Landrat Jan Peter Schröder in die Sitzung des Hauptausschusses. Da gehe es dann nicht nur um das Sparpaket, sondern auch um die langfristige Planung und die Frage, wie sich die Stadt in Zukunft weiter entwickeln will und kann. Die Großprojekte mit Langzeitinvestitionen in Millionenhöhe: das neue Feuerwehrgerätehaus und die Sanierung der JFS.
Geld und Einnahmen durch Gewerbesteuern erhofft sich die Stadt durch die Vermarktung der Gewerbeflächen. Da der Endoprothesenhersteller LINK sich nun nicht in Bad Bramstedt ansiedeln will, sind die Flächen im Gewerbepark Auenland wieder zum Verkauf freigegeben. „Die Fläche ist komplett vermarktungsfähig“, so Swantje Maaß, die sich durch die Zusammenlegung der Stellen jetzt nicht nur für das Stadtmarketing, sondern auch für die Wirtschaftsförderung zuständig ist. „Wir führen interessante Verkaufsgespräche“, so Maaß. Das Thema Entwässerungsplan sei jetzt auch vom Tisch. Um das Thema anzupacken, gibt‘s die Gewerbe-AG. Der Spagat sei, sowohl große Unternehmen hierher zu holen als auch die ansässigen Bad Bramstedter Unternehmen zu berücksichtigen. „Wir sind am Konzept dran“, sagt Swantje Maaß.
Und: Es soll mehr Leben in die Innenstadt kommen! Nach dem ersten Treffen unter der Leitung von Swantje Maaß gibt‘s von der Innenstadt-AG erste konkrete Ansätze. Es soll – in enger Zusammenarbeit mit dem Bürger- und Verkehrsverein (bvv) – eine „Marke“ für Bad Bramstedt entwickelt werden. Zudem sollen die Gewerbetreibenden in den politischen Gremien mehr Mitspracherecht und Gewicht bekommen. Und: Am 27. September soll es, nach längerer Pause, wieder einen verkaufsoffenen Sonntag geben.
Weiterhin unklar ist die Zukunft des Kurhaustheaters. Ist am 30. Juni nun endgültig Schluss? Der bisherige Vertrag wurde, so der Beschluss des Hauptausschusses, fristgerecht gekündigt. Die Auenlandklinik verlangt nun von der Stadt eine deutlich höhere Miete als bisher, zudem eine Beteiligung an den Neben- und Sanierungskosten. Das kann die Stadt, im Blick auf die Finanzlage, nicht leisten. „Kultur, und auch das Kurhaustheater, seien ein Zuschussgeschäft“, betont Swantje Maaß. Auch bei den derzeitigen hohen Besucherzahlen und der guten Auslastung würden die Einnahmen meist nur für die Gage des Künstlers reichen. Dazu kämen noch die Miete und unter anderem die Personalkosten.
Swantje Maaß drückt der Schuh aber noch an anderer Stelle: Die von allen hoch geschätzte Theatermanagerin Gabriele Voicu-Pohl hat, aufgrund der ungewissen Zukunft des Theaters, ihren Vertrag gekündigt, sie zieht es nach
Elmshorn. Es sei sehr schwer, einen Ersatz für ihre Kollegin zu finden. Letztendlich, so Maaß, entscheide die Politik über die Zukunft des Kurhaustheaters. Die Kulturausschussvorsitzende Ina Koppelin jedenfalls plädiert dafür, auf jeden Fall weiter mit der Auenlandklinik zu verhandeln und weitere Lösungen zu suchen. Sehr hilfreich wäre es, Sponsoren zu finden. Für den heutigen Dienstag, 5. Mai, hat sie als Vorsitzende eine Sondersitzung des Kulturausschusses einberaumt. Beginn im Schloss ist um 19 Uhr.
Einen kulturellen Lichtblick gibt‘s von anderer Stelle: Kirsten Schlüter-Lerch (Time-to-Talk) berichtete von der Idee, einen Kulturförderverein zu gründen. Freiwillige seien herzlich willkommen!
Güde Callsen, Vorsitzende der Kleinen Bühne Bad Bramstedt, möchte auf jeden Fall die Vielfalt an kulturellen Angeboten erhalten und stärken. Dafür wäre ein umfassendes Kulturkonzept notwendig. Das hänge aber nicht unbedingt vom Weiterbestehen des Kurhaustheaters ab. Auch an dem Konzept, mehr Kultur in die Innenstadt zu holen, würde gearbeitet, so Swantje Maaß.
Rundum positive Nachrichten gab‘s von Bauamtsleiter Mario Kröska. „Das Bauamt kann wieder lachen“, sagt er. Die personelle Ausstattung sei jetzt wieder top. Und: „Der Krankheitsstand sei von 80 Prozent auf Null zurückgegangen. Ich war nicht einen Tag krank“, so Kröska, der das Amt jetzt seit einem Jahr leitet. „Wir können jetzt auch Bauanträge wieder zügig bearbeiten.“
Bad Bramstedter "Stadt.Gespräch"
Infos, Austausch und Ideen gab's beim "Stadt.Gespräch" zu den Themen Finanzen, Innenstadt und Gewerbe. Fotos: Otto
Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt begrüßte die Bad Bramstedterinnen und Bad Bramstedter herzlich, Bürgermeister Felix Carl stand Rede und Antwort.
Geballte Kompetenz (v. l.9: Bauamtsleiter Mario Kröska, Swantje Maaß (Stadtmarketing, Wirtschaftsförderung9 und Pascal Barysch (Referent der Verwaltungsleitung, Beteiligungsmanagement).
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