Mit den Ausstellungen der Förderpreisträger 2025/26 präsentiert die Arthur Boskamp-Stiftung zwei künstlerisch forschende Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit ökologischen, translokalen und materiellen Zusammenhängen auseinandersetzen.
Während das kollaborative Projekt “Modularküche” von Paula König, Liliana Escalhão und Johann König Essen als Medium kultureller Übersetzung und kollektiver Wissensproduktion begreift, untersucht die Künstlerin Eda Aslan in “Transmitting Wind” Luftströme als Träger politischer und materieller Geschichte. Beide Projekte eröffnen körperliche und diskursive Zugänge zu Fragen von Ökologie, Erinnerung und Alltagskultur.
Bei der Eröffnung der Ausstellungen am Samstag, den 9. Mai, werden die Künstler Johann König und Ada Aslan anwesend sein.
“Modularküche”
Die “Modularküche” ist ein kollaboratives Projekt, das Kunst und Kulinarik verbindet. Ausgehend von saisonalen Zutaten aus Schleswig-Holstein und regionalen Rezepten aus Portugal entstehen Zeichnungen, Installationen und eine zweisprachige Publikation (Deutsch/Portugiesisch). Das Buch ist nicht bloße Dokumentation, sondern eigenständiges künstlerisches Format zwischen Rezeptbuch, Kalender und visueller Erzählung durch eine Woche Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Rezepte, Zeichnungen, sowie Beiträge verbinden kulinarische Praxis mit ökologischen Fragestellungen und kultureller Reflexion.
Paula König (*1993, Kiel) ist Künstlerin und lebt zwischen Lissabon und Ostholstein. Ihre ortsbezogene Praxis verbindet Recherche, Malerei und kritische Perspektiven auf Extraktivismus. Ihre Projekte führten sie zuletzt u. a. nach Svalbard, Portugal, Schottland und Tschechien.
Liliana Escalhão (*1983, Castelo Branco) ist Köchin und Konzepterin in Lissabon. Ihre pflanzenbasierte Küche verbindet Kreativität, Care und Gemeinschaft. Sie leitete u. a. das Kulturprojekt “Primeiro Andar” und ein vegetarisch-veganes Restaurant im Kunstzentrum Hangar. In ihren Workshops und Formaten steht eine pflanzenbasierte, ganzheitliche Küche im Mittelpunkt – getragen von Intuition, Wissen und sozialer Verantwortung.
Johann König (*1999, Eutin) studierte Kommunikationsdesign in Hamburg. Mit einem soziologischen Hintergrund gestaltet er Projekte zu sozialen und ökologischen Themen. Dabei spielen partizipative Konzepte und kritische Designansätze eine wesentliche Rolle. Zuletzt beschäftigte er sich mit Gemeingütern und den Möglichkeiten ihrer Gestaltung.
"Transmitting Wind"
Für die Ausstellung “Transmitting Wind” im M.1 entwickelte Eda Aslan eine
raumgreifende Installation, die meteorologische Daten von einer fern gelegenen Landschaft in den Ausstellungsraum in Hohenlockstedt in Echtzeit überträgt. Mittels datenbasierter Steuerung von Ventilatoren wird die Bewegung der Winde als subtile physische Präsenz erfahrbar – als Luftstrom, Druck oder leichtes Kribbeln auf der Haut. Begleitet von Texten und Forschungsmaterialien bringt die Installation eine leise Störung – ein „invasives Element“ – in den Ausstellungsraum: eine Atmosphäre, die von anderswo zu kommen scheint und ferne Geografien in wahrnehmbare Nähe rückt und mit ihnen ihre Sedimente der Erinnerung.
Eda Aslan (*1993, Istanbul) ist eine in Hamburg lebende Künstlerin. Sie absolvierte ein Studium der Bildenden Kunst an der Marmaran Universität in Instanbul, sowie an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg im Fachbereich Zeitbasierte Medien. In ihrer künstlerischen Praxis untersucht sie die politischen, ökologischen und geografischen Spuren, die in zirkulierenden Rohstoffen eingebettet sind, und bewegt sich dabei zwischen Skulptur, Text, Klang und Archivforschung. Zuletzt wurde sie mit dem Max-Pechstein-Preis (2025), dem Karl-Ditze-Preis (2025) und dem Arbeitsstipendium für Bildende Kunst der Behörde für Kultur und Medien Hamburg (2026) ausgezeichnet.
Förderpreis
Der Förderpreis der Arthur Boskamp-Stiftung wird alle zwei Jahre vergeben und richtet sich an Künstler mit einem Bezug zu Norddeutschland. Neben einer finanziellen Förderung und einer Ausstellung im M.1 erhalten die Preisträger die Möglichkeit, bis zu zwei Monate lang eine Gästewohnung und ein Atelier im M.1 in Hohenlockstedt zu nutzen.
Die Ausschreibung für die Förderpreise 2025/26 orientierte sich am kuratorischen Programm Kunst als ökologische Praxis des künstlerischen Leiters Ronald Kolb. Es richtete sich an künstlerische Positionen, die forschend und partizipativ an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft, Ökologie und Nachhaltigkeit arbeiten. Über die Vergabe der Auszeichnung entschied eine Fachjury, die in diesem Jahr mit Liliana Gomez (Professorin für Kunst und Gesellschaft, Universität Kassel), Alistair Hudson (Vorstand Zentrum für Kunst und Medien, Karlsruhe), Ulrike Boskamp (Vorstand Arthur Boskamp-Stiftung) und Ronald Kolb (Künstlerische Leitung 2025/2026, Arthur Boskamp-Stiftung) besetzt war.
Termine
Ausstellungsdauer: 10. Mai bis 4. Juli
Eröffnung: 9. Mai, 14 Uhr
Öffentliche Führungen:
Sonntag, den 23. Mai, 14 Uhr
Samstag, den 6. Juni, 15 Uhr
Abschlussveranstaltung mit Führung und Vorstellungen der Förderpreis-Kataloge: 4. Juli, 15 Uhr zusammen mit dem M.1-Sommerfest
Öffnungszeiten während der Laufzeit: Samstag und Sonntag, 14 bis 18 Uhr
Individuelle Führungen sind nach Vereinbarung gerne möglich: Ronald Kolb (E-Mail: rk@arthurboskamp-stiftung.de)