Wiemersdorf setzt auf die "Vision Null"

Gemeinde will Unfälle vermeiden und sogar möglichst unfallfrei werden

Der Spiegel an der Kieler Straße verbessert die „Sicht-Kommunikation“ zwischen Autofahrern, Radfahrern und Fußgängern.Links der kombinierte Rad- und Fußweg. Fotos: Ludwig Reese

Einmündung zur Kieler Straße: Die Pfeile nach links und rechts bedeuten, dass das Radfahren hier in beiden Richtungen erlaubt ist.

Ein Blick in die Bahnhofstraße: Hier ist die Vorfahrt geändert. Ab jetzt gilt rechts vor links.

Bürgermeister Gerd Sick Foto: Privat

Ludwig Reese gehört zur Arbeitsgruppe und kennt sich, vor allem als passionierter Radfahrer, bestens mit der Verkehrssituation in Wiemersdorf aus. Foto: Privat

Wiemersdorf (anz/hot) – Die Gemeinde Wiemersdorf will Verkehrsunfälle vermeiden und sogar möglichst unfallfrei werden – und setzt dabei auf die „Vision Null“. Und die nimmt jetzt Fahrt auf.
„Rund 9.000 Fahrzeuge passieren die Ortsmitte von Wiemersdorf im Durchschnitt täglich allein auf der Durchgangsstraße, der Kieler Straße, im Verlauf der L 319. Die Menge der Fahrzeuge ist durch die Gemeinde kaum zu beeinflussen, wohl aber die Auswirkungen“, sagt Bürgermeister Gerd Sick.
Im Zeitraum von 2017 bis Ende 2020 seien im bebauten Bereich der Gemeinde 13 Unfälle polizeilich aufgenommen worden, so Sick. Neben mehreren leichten Sachschäden an Fahrzeugen und drei Totalschäden an Pkw habe es mehrere leicht verletzte Personen in den Fahrzeugen und vier leicht verletzte Radfahrer/nnen gegeben.  Aber leider auch eine schwer verletzte Fußgängerin im Verlauf der Kieler Straße.  „Wiemersdorf hat damit keine Unfallschwerpunkte, aber jeder Unfall ist einer zu viel“, sagt der Verkehrsexperte Ludwig Reese, der in Wiemersdorf seine Beratungsfirma ergo! Projekt  & Beratung betreibt und zur Arbeitsgruppe gehört.
Denn bereits beim Ortsentwicklungskonzept entstanden 2019 erste Ideen, wie sich Unfälle stärker vermeiden lassen. Eine überschaubare Arbeitsgruppe, bestehend aus Gemeindevertretern und interessierten Bürgern, machte sich im Spätsommer 2020 an die Entwicklung eines kleinen Maßnahmenkatalogs mit der Zielsetzung „Vision Null“.  Die Frage „Wie kommen wir schnell und kostengünstig zu Ergebnissen?“ stand dabei im Mittelpunkt. „Die ersten Ergebnisse konnten nun umgesetzt werden, denn in den vergangenen Wochen wurde in der Gemeinde an vielen Stellen gebuddelt, wenn auch nur ,oberirdisch‘“, so Reese. So entstand östlich der L 319 durch die Einbeziehung der Bahnhofstraße in zwei bereits bestehende 30er-Zonen eine große Zone, in der Tempo 30 gilt. Damit gilt auf fast allen Straßen im Dorf, soweit es die Gemeinde allein entscheiden kann, nun Tempo 30. Ausgenommen davon sind lediglich der Ziegeleiweg und der Hambrook, da diese durch die L 319 von anderen 30er-Zonen getrennt werden. „Aber daran arbeitet die Gemeinde noch, denn beide Straßen haben zwar wenig Verkehr, aber keinen Bürgersteig“, erklärt Ludwig Reese.  
Abgesehen davon sind jetzt nur noch auf dem Straßenzug Neue Dorfstraße/Assbrook als Kreisstraße und in der Kieler Straße (Landesstraße) Tempo 50 erlaubt. „Da sind wir auf die Mitwirkung des Landesbetriebes Verkehr und der Verkehrsaufsicht des Kreises angewiesen“, beschreibt Jens Kruppa vom Gemeinderat die Situation und fügt hinzu: „Und dies bedeutet, dass dickere Bretter gebohrt werden müssen.“ Denn es gibt auf der rund zwei Kilometer langen Ortsdurchfahrt bisher nur eine gesicherte Querungsmöglichkeit durch die Fußgängerampel in der Ortsmitte. Weil es nur auf der Westseite der L 319 einen kombinierten Rad- und Fußweg gibt, muss die Hälfte der Bewohner/innen von der Ostseite der L 319 diese mehrmals am Tag queren. Dazu gehören auch Schüler auf dem Weg zu den Haltestellen der Schulbusse und zur Grundschule im Dorf.  Neben Querungshilfen vom Baugebiet Bäckertwied zur Kita und Grundschule und in Höhe Markttreff stehen auch häufigere Radarkontrollen auf der Wunschliste der Gemeinde. Bisher wurden diese aber mit dem Hinweis „keine Unfallschwerpunkte“ als Begründung abgelehnt.  
So hoffen die Verantwortlichen in der Gemeinde, dass es weiterhin nicht zu schweren Unfällen kommt. Denn neben der Einrichtung der größeren 30er-Zone, bei der trotz Aufstellung neuer Schilder jetzt vier Schilder weniger stehen,  wurden von den beiden Mitarbeitern des Bauhofs weitere verbaut. „Zusatzschilder ,Radfahrer von links und rechts‘ an den Einmündungen der Nebenstraßen weisen Autofahrer auf die Rechtslage hin, und  drei Verkehrsspiegel verbessern die visuelle Kommunikation  zwischen Fußgängern, Radfahrern und Autofahrern.  Im Frühjahr bzw. Sommer werden bei passender Witterung noch 30 km/h-Markierungen an einigen Stellen aufgebracht.  Und die Sanierung der rot markierten Flächen auf dem Fuß– und Radweg steht auch noch aus“, erläutert Ludwig Reese.           

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