Falsche Polizeibeamte erschleichen 25.000 Euro

Polizei warnt zum wiederholten Male vor betrügerischen Anrufen.

Foto: Fotolia

Bad Bramstedt (ots) - In Bad Bramstedt ist es am gestrigen Mittwoch, 29. Juli, zur Übergabe von 25.000 Euro an Betrüger gekommen, die sich als angebliche Tochter, Polizeibeamtin und Staatsanwältin ausgegeben haben. Am späten Vormittag meldete sich die angebliche Tochter einer 80-jährigen Hamburgerin telefonisch und machte ihr unter Tränen weiß, dass etwas Schlimmes passiert sei. Eine angebliche Polizeibeamtin der Wohnortdienststelle der Tochter in Niedersachsen übernahm das Gespräch und behauptete, dass die Tochter der Angerufenen einen Fußgänger angefahren hätte und geflohen sei. Der Angefahrene sei verstorben. Die falsche Beamtin verlangte die Handynummer der Hamburgerin, damit die zuständige Staatsanwältin mit ihr in Verbindung treten könne. Die gesundheitlich angeschlagene Tochter würde aktuell durch einen Notarzt versorgt werden. Entsprechend könne die Tochter nicht mehr mit ihr sprechen. Kurz darauf meldete sich die falsche Staatsanwältin auf dem Handy und bot die Freilassung aus der Untersuchungshaft gegen die Zahlung einer Kaution an, die sich nach Rücksprache mit Rechtsanwalt und Richter auf 75.000 Euro belaufen sollte. Da die Geschädigte nur 25.000 Euro beibringen könne, sollte sie dieser von der Bank holen.

Während die 80-Jährige das Geld aus einem Schließfach abholte, hielten die Betrüger ständig den Kontakt, um den Druck auf die Frau hoch zu halten und überwachen zu können. Die Täter lotsten die Frau über die A 7 zum angeblichen Amtsgericht in der König-Christian-Straße in Bad Bramstedt, bei dem es sich tatsächlich um das Amt Bad Bramstedt-Land handelte und ließen sie auf dem gegenüberliegenden Parkplatz der Erdgastankstelle warten. Vermutlich zwischen 14 und 15 Uhr trat der angebliche Abholer an die Geschädigte heran, die ihm das Bargeld in mehreren Briefumschlägen übergab. Der Bote steckte das Geld in eine Umhängetasche und entfernte sich in Richtung Famila.

Der Abholer war zwischen 30 und 35 Jahre alt, zwischen 1,70 und 1,75 Meter groß und dick. Er hatte dunkle, kurze glatte Haare und blasse Haut. Der Unbekannte trug ein hellblaues Polo-Shirt mit einem kleinen Schriftzug im Brustbereich, eine dunkle knielange weitgeschnitten Hose und führte eine braune Umhängetasche bei sich. Er hatte dunkle Augen und ein rundes Gesicht.

Kurz nach der Übergabe meldete sich die echte Tochter bei der Geschädigten, so dass der Schwindel aufflog und die Polizei alarmiert wurde. Die Fahndung nach dem Geldboten mit mehreren Streifenwagen verlief erfolglos. Die Kriminalpolizei Bad Segeberg hat die Ermittlungen übernommen und sucht Zeugen der Geldübergabe, die weiteren sachdienliche Hinweise zur weiteren Fluchtrichtung des Unbekannten geben können. Die Ermittler bitten um Kontaktaufnahme unter 04551 884-0.

Vor dem aktuellen Hintergrund warnt die Polizei zum wiederholten Male vor betrügerischen Anrufen.

Derartige Anrufe sind ein bundesweites Phänomen, das oftmals durch überörtliche Täter begangen wird. Unbekannte Anrufer versuchen immer wieder mittels dieser Masche an Bargeld und Wertgegenstände zu kommen. Der Fantasie der Betrüger sind hierbei keine Grenzen gesetzt. Nicht selten werden sie am Telefon aufdringlich oder betteln regelrecht um Hilfe. Oftmals verfügen die Betrüger sogar über Detailwissen und verunsichern die Bürgerinnen und Bürger dadurch enorm. Die Zielrichtung ist dabei immer dieselbe. Die "Opfer" sollen Bargeld besorgen und es den Betrügern aushändigen. Die Polizei ruft insbesondere ältere Menschen dazu auf, bei derartigen Anrufen hellhörig zu werden und umgehend die Polizei zu informieren. Darüber hinaus rät die Polizei jüngeren Familienangehörigen, ihre lebensälteren Verwandten und Bekannten für das Thema zu sensibilisieren. Zudem können sich besorgte Bürger bei bestehender Unsicherheit im Umgang mit derartigen Anrufen an jede örtliche Polizeidienststelle oder gleichermaßen an das Sachgebiet Prävention der Polizeidirektion Bad Segeberg wenden (Bad Segeberg 04551 884-2141, Pinneberg 04101 2020). Dort erhalten vermeintliche Opfer, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter örtlicher Geldinstitute, entsprechende Hinweise.

Wertvolle Sicherheitstipps für Senioren sind dem Bereich der Prävention der Homepage der Landespolizei Schleswig-Holstein unter

https://www.schleswig-holstein.de/DE/Landesregierung/POLIZEI/Praevention/Senioren/_artikel/sicherheitstipps_artikel.html

sowie der Internetpräsenz der Polizeilichen Kriminalprävention der Länder und des Bundes unter

https://www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/enkeltrick/

unmittelbar zu entnehmen.

Die Maschen der Täter:

Am Telefon geben sich Betrüger als vertrauenswürdige Personen aus, um Geld zu erbeuten. Die Täter schaffen es, ältere Menschen am Telefon zu verunsichern oder zu verängstigen. Viele sind dann bereit, Bargeld oder Wertsachen an die Kriminellen zu übergeben. So gehen die Täter vor:

Falsche Polizeibeamte

Die Täter täuschen durch die im Display angezeigte Rufnummer vor, von der Polizei zu sein (zum Beispiel 110 oder Nummer der örtlichen Polizeidienststelle).

Die Betrüger warnen beispielsweise vor einem geplanten Einbruch. Den Betroffenen bieten sie an, Bargeld oder Wertsachen von einem Kriminalbeamten an einen "sicheren Ort" bringen zu lassen. Sie geben vor, nach der akuten Gefahr alles zurückzubringen.

Weitere Maschen: Betrüger warnen vor Falschgeld, das überprüft werden muss, oder vor Kriminellen, die das Konto der Angerufenen plündern wollen.

Immer wieder sollen auch angebliche Kautionszahlungen für nahe Verwandte hinterlegt werden.

Enkeltrick

Die Betrüger rufen meist bei älteren und alleinlebenden Personen an und geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus. Immer bitten sie kurzfristig um Bargeld.

Vorgetäuscht wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage, beispielsweise ein Autokauf oder ein Unfall. Die Lage wird immer als äußerst dringlich dargestellt, um das Opfer unter Druck zu setzen. Sobald es bereit ist zu bezahlen, wird ein Bote geschickt, um das Geld abzuholen. Hat der Betroffene die geforderte Summe nicht zu Hause, wird er gebeten, unverzüglich zur Bank zu gehen, um dort den Betrag abzuheben. Nicht selten ruft der Täter sogar ein Taxi, wenn das Opfer den Weg nicht zu Fuß bewältigen kann.

Gewinnversprechen

Die Betrüger versprechen ihren Opfern am Telefon hohe Gewinne. Die Methode ist immer ähnlich: Vor einer Gewinnübergabe werden die Betroffenen aufgefordert, eine Gegenleistung zu erbringen. Sie sollen Gebühren bezahlen, kostenpflichtige Telefonnummern anrufen oder an Veranstaltungen teilnehmen, auf denen minderwertige Ware zu überhöhten Preisen angeboten wird.

Tipps für Ihre Sicherheit:

- Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Legen Sie den Hörer auf, wenn Ihnen etwas merkwürdig erscheint.
- Sprechen Sie am Telefon nicht über Ihre persönlichen und finanziellen Verhältnisse.
- Übergeben Sie niemals Geld oder Wertgegenstände an unbekannte Personen.
- Sprechen Sie mit Ihrer Familie oder anderen Vertrauten über den Anruf.
- Wenn Sie unsicher sind: Rufen Sie die Polizei unter 110 (ohne Vorwahl) oder Ihre örtliche Polizeidienststelle an. Nutzen Sie nicht die Rückruftaste.

  • Wohnträume

    Wohnträume 2022 12

  • Berufswahl Extra

    Berufswahl Extra 2022 5

  • Erfolgreiche Unternehmen Süd

    Erfolgreiche Unternehmen Süd 2021 24

Familien-Anzeige Online aufgeben

... hier klicken