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Fleckensgilde Bad Bramstedt
Bad Bramstedt (usp) – Auch wenn Felix Carl den Rathausschlüssel und damit die „Macht“ über das Rathaus an die Fleckensgilde übergab, wie es für den Bürgermeister üblich ist am Dienstag nach Pfingsten, wird die Gilde dem Bürgermeister seine Probleme, insbesondere Einsparungen im Haushalt, nicht abnehmen. Stattdessen bekam der Verwaltungschef sogar noch ein weiteres Problem „aufs Auge gedrückt“. Während des Akts der symbolischen Schlüsselübergabe, erhielt er den Gildebefehl, eine Aufgabe, deren Lösung er bereits am Abend beim Gildeball vorstellen musste.
Doch dieses Mal kam Gildemeister Ansgar Schroedter, der den Befehl im Schloss übergab, Carls Affinität zum Umgang mit sozialen Medien entgegen. „De Bürgermeister schall een Werbevideo för de Fleckensgill vun den Danz üm den Roland maken. Düsse Film schall he in den needen Medien vorbreeden un hüt Abend up‘n Saal präsenteern“, lautete die Aufgabe. Begründet wurde der Befehl mit dem „bewohrn von dat Ole und dorbie dat Neede ni ut Oag verleeren“, sei die Aufgabe der Gilde, so Schroedter.
Selten wurde so viel gelacht und applaudiert bei der Vorstellung der Lösung. Auf einem Großbildschirm tanzte der Bürgermeister vor dem Roland. Der drehte dank Künstlicher Intelligenz und Swantje Maaß aus dem Amt „Zum Glück“ auf seinem Sockel Pirouetten und ließ seine Hüften schwingen.
Nachdem Gilde und Gäste bei herrlichstem Wetter abends dem Auftrag von Jürgen Fuhlendorf entsprechend um den Roland getanzt waren, ging es zum Kommers in den Kaisersaal. Neben Tanz und vielen Reden ließ Ansgar Schroedter die Katze aus dem Sack, wer als neuer Jüngster auserkoren worden war.
Dieses Mal traf es Stefan Zeeh, der nun ein Jahr lang dienende Aufgaben hat wie die Betreuung der Gäste beim Gilde-Ball. Dabei gilt aber nicht das Motto des Liedes „Küssen verboten“ der „Prinzen“. Denn genau das haben die Jüngsten, neben der ununterbrochenen Versorgung mit „Gildegeist“ zu tun. Jede Empfängerin wird mit einem Wangenkuss
„belohnt“. Der 50-jährige Stefan Zeeh ist Unternehmensberater im Bereich der IT-Branche.
Der Ursprung des Brauches, um den Roland zu tanzen, ist zurückzuführen auf die Befreiung des Fleckens Bramstedt und seiner Bewohner aus der Leibeigenschaft des Grafen von Kielmannsegg im Jahr 1685. Dabei wurde festgelegt, dass in Erinnerung an diese Gemeinschaftsleistung jedes Jahr zu Pfingsten, wenn die Sonne untergeht, um den Roland getanzt werden soll.
Begonnen hatte das Gildefest, bei dem zu jeder Gelegenheit der Begrüßungsruf „De Gill schall leven“ erschallt, bereits am Pfingstsonntag. Da feierte die Gilde mit vielen Besuchern in der Maria-Magdalenen-Kirche ihren traditionellen Gildegottesdienst, den Pastor Jörg Möller-Ehmcke gestaltete. Der Gospelchor „MaMaSpirit“ unter der Leitung von Ulf Lauenroth brachte musikalischen Schwung in den Gottes-
dienst.
Am Pfingstmontag kamen die beiden Jüngsten Martin Tolzien und Florian Schiefer mit einem gildewürdig geschmückten Tandem auf dem Bleeck angefahren, bevor der Vorstand zu seinem ersten Inspektionsgang durch die Stadt aufbrach. Dabei geht es unter anderem darum, den Gildebrauch „unters Volk zu bringen“.
„Wenn wi tosommen hoolt, wenn een för den annern dor is, denn kann uns nix passeeren“, begrüßte Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt die zahlreichen Gäste vor dem Roland. In diesem Zusammenhang erinnerte sie an die vielen Schulden der Stadt und meinte. „Wenn jedeen vun uns een Deel vun sein Hab un Gut geven wörr, denn weer uns holpen un wie weern een Deel vun de Schulden los“. Tatsächlich, wenn auch nicht in nennenswerter Summe, hatten Anwesende in den von ihr mitgebrachten Zylinder eher symbolisch einen Obolus geworfen.
Fotos: Uwe Straehler-Pohl