"Morgen bringen wir meinen Vater um"

Mordfall Dammfleth: Eine unbedachte Äußerung eines Kripobeamten offenbart den Grund für die Verhaftung von Sophie M. ++ Rechtsmediziner: Kopf, Extremitäten und Genitalien wurden vom Torso abgetrennt ++ Verteidigerin stellt Ermittlungsmethoden infrage

Jessica M. mit ihrer Verteidigerin Johanna Dreger-Jensen. (Archivfoto: Claaßen)

Itzehoe/Dammfleth (tc) – „Morgen bringen wir meinen Vater um.“ Sechs Wörter, die die Angeklagten Jessica M. und Yasar S. im Mordfall Dammfleth schwer belasten. Und auch die in Untersuchungshaft sitzende 16-jährige Tochter Sophie M., gegen die die Staatsanwaltschaft Itzehoe mittlerweile auch Anklage wegen Mordes erhoben hat. Diese Nachricht soll Sophie M. ihrem damaligen Freund, dem Hauptbelastungszeugen, geschrieben haben. Verklausuliert, jedes erste Wort eines Satzes hätte am Schluss den Satz ergeben: „Morgen bringen wir meinen Vater um.“

Oberservierung und Telefonüberwachung

Das soll der Hauptbelastungszeuge in seiner nicht öffentlichen Vernehmung gesagt haben. Dies hatte am jüngsten Verhandlungstag der verfahrensführende Kriminalbeamte als Zeuge – wohl eher versehentlich – offenbart. Die Nachrichten hätten aber nicht auf den Smartphones des Zeugen und von Sophie M. rekonstruiert werden können – nach Angaben eines Forensikers, so sagte der Kriminalbeamte aus, sei dies nach so einem langen Zeitraum, in dem die Chatverläufe längst gelöscht worden sein sollen, nicht ungewöhnlich.
Der Kriminalbeamte berichtete von mehreren Vernehmungen des auf ihn glaubwürdig wirkenden Zeugen. Am 17. Januar dieses Jahres habe sich der Schüler der Polizei offenbart und mitgeteilt, dass der Vater seiner Exfreundin auf dem Hof in Dammfleth ermordet worden sein soll. Es folgten Observierungen und Überwachungen der Telefone. Bei einem Telefonat im Februar soll Sophie ihrem Freund gesagt haben, dass es bezüglich „der Sache“ nur drei Wege für sie gebe: Entweder bleibe alles, wie es war und sie würde einen psychischen Knacks behalten, oder sie würde zur Polizei gehen, dann allerdings wären ihre Mutter und Yasar S. im Knast und ihre kleine Schwester käme ins Heim, oder sie würde Selbstmord begehen.
Am 5. März schließlich erfolgte die Durchsuchung auf dem Hof. Davon berichteten zuvor eine bei den Durchsuchungen anwesende forensische Anthropologin des Hamburger Instituts für Rechtsmedizin und dessen Leiter, Klaus Püschel. Demnach sei der Torso des Opfers Miroslav P. in der Reithalle verscharrt gewesen. Mit einem Seil umwickelt, vermutlich, um ihn besser transportieren zu können, sagte Püschel, denn Arme, Beine, Kopf und Genitalien waren abgetrennt. Branntkalk sei in der Grube gefunden worden, die groß genug für den ganzen Körper gewesen sei. Vertiefungen an entsprechenden Stellen ließen die Vermutung zu, dass dort zuerst auch tatsächlich die vollständige Leiche gelegen haben könnte, so die Anthropologin.
Rückblick: An einem anderen Verhandlungstag hatte ein Zeuge ausgesagt, dass Yasar S. ihm erzählt hätte, dass er die Leiche später wieder ausgegraben und zerstückelt haben solle.

Leichenteile in sechs Portionen einbetoniert und im Entwässerungsgraben versenkt

Die fehlenden Leichenteile sind von Polizeitauchern erst zwei Tage später in der hinter dem Hof liegenden Wettern gefunden worden – portioniert in sechs großen Betonklötzen der Größe einer rechteckigen Maurerbütt. Die angeforderte mobile Röntgenanlage des Zolls habe den Ermittlern erste Einblicke ins Innere der Betonklötze erlaubt.
In der Rechtsmedizin habe Püschel dann festgestellt, dass Haut und Fleisch der Extremitäten zunächst scharfkantige Verletzungen aufgewiesen hätten, Knochen der Extremitätenund der Kopf  dann abgesägt und zum Teil an mehreren Stellen eingesägt worden seien.
Auffällig: Hatte Yasar S. zuvor stets die Zeugen bei ihren Aussagen angeschaut, blickte er bei den Aussagen der Rechtsmediziner stur auf den Tisch. Jessica M. weinte bei der Schilderung der Obduktion. Auch einige der anderen Prozessbeteiligten wirkten bei der Sichtung der Fotos sehr blass.
Zwei Projektile seien im Kopf von Miroslav P. gefunden worden. „Jeder Schuss für sich war tödlich“, so Püschel. Ein Projektil sei am Hinterkopf eingetreten, eines am oberen Kopf.
Miroslav P. soll, so heißt es in der Anklage, im damaligen Zimmer von Sophie getötet worden sein. Als die Polizei den Hof durchsuchte, seien keine Blutspuren mehr gefunden worden, sagte der Kriminalbeamte in seiner Vernehmung weiter aus. Zuvor gehörte Zeugen hatten in ihren Befragungen aber immer wieder von Renovierungs- und Umbauarbeiten berichtet. In einem noch Ende März abgehörten Telefonat von Sophie M. habe sie ihrem Freund berichtet, dass Yasar S. eine Waffe eingemauert haben soll, so der Kripobeamte. Allerdings sei keine Waffe gefunden worden, so der Beamte, hingegen in der Reithalle mehrere Munitionshülsen entsprechend dem Kaliber, mit dem Miroslav P. erschossen worden sein soll.

Verteidigerin von Jessica M. stellt Ermittlungsmethoden der Polizei infrage

Nach der Festnahme ihrer Mutter und Yasar S.‘ sei Sophie in therapeutischer Behandlung gewesen. Über eine Mitarbeiterin des Jugendamtes, die als Vormund eingesetzt war, habe der Kripobeamte das Befreien von der Schweigepflicht des Therapeuten erreichen wollen. Die Mitarbeiterin des Jugendamtes sei einverstanden gewesen, sagte der Beamte vor Gericht. Jessica M.‘s Verteidiger sah dies anders. Ihr lägen Informationen vor, dass die Mitarbeiterin angewiesen werden sollte. „Das wirft natürlich ein Licht auf die Ermittlungsmethoden“, so Johanna Dreger-Jensen. Ihm sei bekannt, dass eine Anwältin eine Beschwerde gegen ihn eingereicht habe, sagte der Beamte. Er sei sich keiner Schuld bewusst, wolle die Aussage dazu aber verweigern.
Die Verhandlung wird am Donnerstag fortgesetzt.

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