Bad Bramstedt (usp/hot) – Endlich löste sich die Spannung. Um 17 Uhr am Dienstag stand Thomas Mielke als neuer König der Vogelschützengilde von 1695 fest! Zusammen mit Lebensgefährtin Svenja Laugell wird er nun ein Jahr lang verschiedene Aktivitäten organisieren, unter anderem eine mehrtägige Königsfahrt mit dem Vorstand. „Aber nicht auf seine Kosten“, betont Gillschriewer Stefan Hünger, der damit unterstreicht, dass diese Ehre nicht mit immensen Kosten verbunden ist.
Mehrere Stunden lang hatten rund 60 Schützen des 300 Mitglieder starken Vereins insgesamt 1.575 Schüsse mit dem Kleinkalibergewehr auf den Holzvogel abgegeben. Nachdem zehn Teile, von der Krone bis zu den Flügeln und dem Kopf, heruntergeschossen worden waren, endlich der Rumpf von der Stange fiel, ging ein Jubel durch die Menge, die das Treiben teilweise stundenlang geduldig verfolgte. Schon zum dritten Mal schoss Arne Bruse im Wortsinn den Vogel ab. Doch damit war er nicht König. Denn nicht der eigentliche Schütze wird König, sondern ein ihm nach einem „streng geheimen Verfahren“ zugeordneter Schützenbruder. Dem Gerücht, dass der König bereits im Vorwege „utkeken ward“, widersprechen die Eingeweihten vehement.
„Das habe ich mir schon immer gewünscht“, freute sich der 62-jährige alte Maschinenbaumeister, der seit 20 Jahren der Gilde angehört und der demnächst in Rente gehen wird. Mit drei Böllerschüssen, so die Tradition, wurde die neue Königswürde abschließend besiegelt.
Schon am Abend zuvor zeigte die Gilde beim Kommers im vollbesetzten Kaisersaal, dass sie treffsicher ist – denn mit den Pointen ihrer launigen Wortbeiträge schossen die Redner immer wieder den Vogel ab.
Der scheidenden Majestät Thorsten Ehlers fiel das
„Abdanken“ nach seinem wunderschönen Königsjahr offensichtlich doch etwas schwer. Denn was kommt danach? Im Traum habe er eine Stimme gehört, die ihm zuflüsterte: „Dien Tied is noch lange nich vörbi!“ Vielleicht, wenn es denn ginge, ein Vorstandsposten? Doch es fiel ihm parttout keiner ein, den man „ersetzen“ könne. „Dat sünd allens echt feine Kerle“, stimmte er sein Loblied auf den Vorstand an.
Hauptmann Clemens Moritz kennt Thorsten Ehlers schon seit Jugendjahren. Da gibt es Begebenheiten, die lebenslang in Erinnerung bleiben. Zum Beispiel der Sonntag, als Thorsten ihn aus dem Bett klingelte, weil er mit seinem Auto auf dem A7-Rastplatz Allertal liegen geblieben war und abgeschleppt werden musste. Clemens machte sich auch gleich auf den Weg. „Der ,Tampen‘ hielt tatsächlich bis in den Dramburger Weg“, blickte er zurück.
Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt hatte sich diesmal Verstärkung mitgbracht. Zusammen mit Claudia Peschel und Sabine Prohn trat sie als die „Gilde-Drosseln“ auf, begleitet von Volker Brüchmann an der Gitarre. Mit ihrem Lied auf das scheidende Königspaar Thorsten und Anke machten sie mächtig Stimmung im Saal. In den Refrain „Wenn das Wasser in der Au gold‘ner Wein wär, ja, dann möchte er so gern ein Fischlein sein...“ stimmten dann alle Gäste mit ein.
Und auch der scheidende Öllermann Dag Meholm erheiterte die Gäste mit seinem Vortrag und bedankte sich bei Thorsten und Anke Ehlers für das wundervolle Majestätenjahr und beim Vorstand.
Und als dann Reimer Fülscher, der jetzt neuer Öllermann wird, ans Mikro trat, gab‘s tiefe Einblicke in sein eigenes „Intimleben“ und in die Königstour nach Wien.
Bei ihm, der früher nach eigenen Angaben „jung, schlank und schüchtern“ gewesen sei, sich aber „positiv entwickelt habe“, sei, neben der Urangst vor „Fruenslüüd“ die vorm Schifffahren bis heute geblieben. Glücklicherweise ging‘s mit dem Königspaar, beide Weinliebhaber, nicht mit dem Schiff nach
Wien, sondern mit dem Flieger. Über eine Schifffahrt auf der Donau kam das Bramstedter Urgestein allerdings nicht herum. Aber er hat‘s ja, wie man sah, gut überstanden! Eines wünscht sich der passionierte Biertrinker aber für künftige Königsfahrten: Er würde doch lieber Brauereien besichtigen als Weingüter.
Tja, und man soll es nicht für möglich halten: Bei dem traditionellen „Wettstreit“ zwischen der Fahnensektion und den beiden Jüngsten Tobias Albrecht und Ludger Seggering gab‘s diesmal tatsächlich einen Sieger. Der „Applausometer“ zeigte: die Jüngsten hatten knapp die Nase vorn.
Beim Kommers wurden
Carsten Kruppa, Justin Gädtke und Niklas Bahde an der geöffneten Lade in die Gilde aufgenommen. Günter Pfeiffer wurde für seine 25-jährige Mitgliedschaft geehrt,
Dr. h. c. Jürgen Koppelin und Gerhard Andresen sind sogar schon seit 50 Jahren Gildemitglieder.
Besondere Freude bereitet den Mitgliedern und Gästen auch immer wieder der Kleiderappell nach dem Königsfrühstück am Dienstagmorgen vor dem Schloss, bei dem der Vorstand die Kledage der Mitglieder von Kopf bis zum Fuß kritisch unter die Lupe nimmt und bei Verstößen „drastische Strafen“ ausspricht. Ein besonderer Augenschmaus: Hoch zu Ross, auf dem Wallach Caruso, stellte sich Ingo Lobinsky zum Kleiderappell auf – und bekam großes Lob vom Vorstand.
An der Gildelade vor dem Schloss wurde dann auch das Geheimnis gelüftet, wer neuer Lüttjüngst ist: In dieses Amt wurde Sebastian Schulz aus Hasenmoor vereidigt. Neuer Leutnant und damit Nachfolger von Robin Burmeister ist Christian Dopp.
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