Schleswig-Holstein (anz) – Aktuell werden in Schleswig-Holstein landesweit vermehrt dicht eingesponnene und darunter kahlgefressene Bäume und Sträucher wahrgenommen und an die Behörden gemeldet. Dabei handelt es sich um ein natürliches, jährlich auftretendes Phänomen, welches auf Gespinstmotten zurückzuführen ist. Gespinstmotten sind für Menschen und Tiere ungefährlich und auch die eingesponnenen Pflanzen erholen sich in der Regel problemlos. Bürger können voraussichtlich noch bis Mitte Juni das Naturschauspiel bedenkenlos bestaunen.
Was sind Gespinstmotten?
Bei Gespinstmotten handelt es sich um verschiedene einheimische Arten der Familie Yponomeutidae (Gespinstmotten). Gespinstmotten kommen in Schleswig-Holstein flächendeckend vor. Für Laien sind die Raupen nach äußeren Merkmalen nur schwer zu unterscheiden. Aufgrund ihrer bevorzugten Nahrungspflanzen und der Art, wie sie ihre Gespinste bauen, können sie jedoch durch Fachleute recht gut identifiziert werden.
Die Gespinste halten die Raupen als Gruppe zusammen, bieten ihnen Orientierung und Schutz vor Witterungseinflüssen sowie Fraßfeinden wie heimische Meisen. Die Gespinste können unterschiedlich ausgeprägt sein. Traubenkirschen beispielsweise werden vollständig wie von einem Seidenstrumpf überzogen. Daneben kommen Gespinstmotten beispielsweise auch jeweils artspezifisch auf Weißdorn, Schlehe, Pfaffenhütchen, Pappeln oder Weiden vor. Auch einige Obstbaumarten wie Pflaumen- oder Apfelbäume werden als Wirtspflanzen verwendet. Die zu den Raupen gehörenden Falter sind sehr klein, unauffällig und nachtaktiv, daher werden diese in der Regel nicht wahrgenommen.
Abgrenzung zum Eichenprozessionsspinner
Gespinstmotten werden regelmäßig mit dem Eichenprozessionsspinner verwechselt. Von den Gespinstmotten gehen jedoch keinerlei Gefahren aus. Während die Brennhaare bei den Spinnerarten Hautreizungen und allergische Reaktionen sowie Atemwegsbeschwerden auslösen können, fehlen diese Brennhaare bei den Gespinstmotten vollständig. Auch für die eingesponnen Pflanzen geht von den Raupen keinerlei Gefahr aus. Zwar werden die Bäume und Sträucher teilweise komplett kahlgefressen, gesunde Pflanzen erholen sich allerdings problemlos und treiben im späteren Jahresverlauf wieder aus. Der anfallende Raupenkot stellt den Pflanzen zudem viele leicht verfügbare Nährstoffe zur Verfügung. Maßnahmen zur Bekämpfung oder zum Schutz der Pflanzen sind daher nicht notwendig, da die Gespinstmotten ein wichtiger Teil unsere heimischen Tierwelt sind.
Vorkommen von Witterung und Temperaturen abhängig
Gespinstmotten sind im allgemeinen je nach Art und Jahr in unterschiedlich großen Mengen vorzufinden. Ihre Häufigkeit variiert im natürlichen Rahmen und wird maßgeblich von den Witterungsereignissen und Temperaturen im Vorjahr und im Frühjahr, die die Fortpflanzung der Falter und die Entwicklung der Raupen beeinflussen, bestimmt. Warme Temperaturen wirken dabei eher begünstigend. Die aktuelle Wahrnehmung eines "Massenaufkommens" entsteht durch das schnelle Auftreten und die rasche Entwicklung der Tiere, wobei die Gespinste in wenigen Wochen wieder verschwunden sein werden.
Funde können gemeldet werden
Bürger können das beeindruckende Naturschauspiel voraussichtlich noch etwa zwei Wochen bedenkenlos bestaunen. Interessierte Personen können Funde mit aussagekräftigen Bildern von den Tieren gern über die üblichen Citizen Science Portale, wie beispielsweise observation.org, naturgucker oder iNaturalist aufnehmen.