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"Leinen los" für die Fleckensgilde!

Pfingsten ist die "Hochzeit" der Bramstedter Fleckensgilde von 1560.

Martin Tolzien (re.), Jüngster der Bramstedter Fleckensgilde von 1560, bekam von Rolf Wagner neue swatte Schoh gespendet. Fotos: Otto

Der Jüngste Martin Tolzien (vorne 2. v. li.) mit Rolf Wagner (Mitte), Inhaber des Schuhhauses, und seiner Frau Anja sowie einigen Mitgliedern des Vorstandes.

Das Foto zeigt den Vorstand der Fleckensgilde vor dem Roland im vergangenen Jahr. Am Pfingstmontag kommen die Jüngsten – hier Ralf Krähmüller-Schöne – mit einem originellen gildewürdigen Gefährt vorgefahren. Foto: Archiv/Straehler-Pohl

Traditionell tanzt die Fleckensgilde am Dienstagabend nach Pfingsten mit der Pankokenkapelle um den Roland. Foto: Archiv/Straehler-Pohl

Sebastian Kühl ist amtierender Öllermann der Fleckensgilde. Foto: Otto

Bad Bramstedt (hot) – Die „Hochzeit“ der Bramstedter Fleckensgilde von 1560 kann beginnen! Traditioneller Startschuss war auch dieses Jahr wieder die Schuhspende. Der Jüngste Martin Tolzien bekam „swatte Schoh“ vom Bad Bramstedter Schuhhaus Wagner gespendet.
Dass derjenige, der ein Jahr zuvor zum neuen Jüngsten gewählt wurde, neue „swatte Schoh“ gespendet bekommt, hat schon eine lange Tradition. Eingeführt hat die Schuhspende Otto Möck im Jahr 1981, der damalige Eigentümer des Schuhhauses Möck. Seine Tochter Ingrid führte die Tradition weiter. Und auch der Nachfolger Thomas Forck trat in die Fußstapfen.  Rolf Wagner, Eigentümer des Schuhhauses Wagner, ließ sich nicht lange bitten, als das Schuhhaus Möck geschlossen wurde und es galt, die Schuhspende weiterzuführen. „Meine Frau Anja und ich freuen uns sehr, nun schon zum fünften Mal zur Schuhspende einzuladen“, so Rolf Wagner bei der Begrüßung des Fleckensgildevorstandes. 
Der Jüngste Martin Tolzien (42) ist beruflich Geschäftsführer einer Industrievertretung für Sanitär, Heizung und Klima.   Zur Schuhspende kam er originell im Segelanzug. „Seit ich 14 bin, interessiere ich mich fürs Segeln“, so der Hobbysegler. „Mit anderen Leuten miete ich mir ein Boot und bin auch bei Überführungstörns auf den Meeren unterwegs“, sagt der Bad Bramstedter.
Schon im Vorwege hatte er sich diesmal mit Rolf Wagner seine „swatten Schoh“ Größe 44 ausgesucht. Rolf Wagner und der Öllermann Sebastian Kühl – beide HSV-Fans – hatten sich nämlich etwas Besonderes ausgedacht. Besagter Schuhkarton war mit einem HSV-Aufkleber versehen. Der Karton fiel dem Jüngsten gleich ins Auge, denn prompt hatte er ihn auch schon in den Händen. Mit seinen neuen Schuhen dürfte es für ihn jedenfalls kein Problem sein, die Inspektionsgänge des Vorstandes unter der Führung des Öllermanns Sebastian Kühl über Pfingsten mitzumachen und am Dienstag nach Pfingsten um den Roland zu tanzen.

„Een för all – all för Een!“

„Een för all – all för Een!“ „Wenn Menschen zusammenhalten, erreichen sie Ziele, die für einen alleine undenkbar sind. Im ausgehenden 17. Jahrhundert war dies Konsens hier im Flecken Bramstedt und hat dafür gesorgt, dass die Bramstedter seinerzeit einer großen Bedrohung standhalten konnten“, erklärt Dr. Martin Wisy, im Vorstand für das Foto- und Filmarchiv zuständig. „Die Bramstedter Fleckensgilde von 1560 gedenkt jedes Jahr an Pfingsten im Rahmen großer Feierlichkeiten an diese Historie. So auch im Jahr 2026.“
„Een för all – all för Een!“ ist die Grundlage für eine großartige soziale Tat: Seinerzeit hatten die Bramstedter Bürger den vom dänischen König verpfändeten Flecken unter der Einigung des damaligen Fleckensvorstehers Jürgen Fuhlendorf zurückgekauft. Der Kaufpreis war erheblich. So betrug der vom dänischen König erzielte Pfandbetrag 14.000 Taler. Dieser Betrag musste von 69 Hofschaften, die den Flecken Bramstedt seinerzeit ausmachten, aufgebracht werden. Der Fleckensvorsteher Jürgen Fuhlendorf hatte die Gesamtheit der Haushalte davon überzeugt, dass jeder die Hälfte seines Vermögens verkauft und die andere Hälfte verpfändet. Wenn man bedenkt, dass seinerzeit ein Taler in etwa den Wert eines Schweins ausmachte, kann man von einem auf heute bezogenen Wert von um die zwei bis drei Millionen Euro ausgehen.
„Wir freuen uns, wenn am Abend des Pfingstdienstags, 26. Mai, um 20.30 möglichst viele Bürgerinnen und Bürger sowie Gäste auf unserem Bleeck das Vermächtnis des Jürgen Fuhlendorf mit uns und dem Tanz um den Roland begehen werden. Der Gildeball beginnt um 20 Uhr im Kaisersaal“, lädt Gildeschreiber Andreas 
„Kalli“ Böttcher  im Namen der Gilde ein.
Das weitere Programm: Am Pfingstsonntag, 24. Mai, um 10 Uhr ist der feierliche Gottesdienst in der Maria-Magdalelen-Kirche. Am Pfingstmontag, 25. Mai, gegen 8.15 Uhr treffen die beiden Jüngsten Dr. Florian Schiefer und Martin Tolzien mit einem gildewürdigen Gefährt auf dem Bleeck ein. 
Der Haupttag ist der Dienstag, 26. Mai: Um 8 Uhr morgens übergeben die Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt und Bürgermeister Felix Carl den Stadtschlüssel im Schloss an den Öllermann Sebasrian Kühl. Nach der Besichtigung des Rathauses macht der Vorstand seinen Inspektionsgang durch das Rathaus und die  Stadt. Um 16 Uhr treffen sich die Ex-Öllerlüüd im „Meteora“, um 18 Uhr geht‘s dann mit der Pankokenkapelle des BT 
Orchesters zum Kaisersaal. Um 20 Uhr beginnt dort der Gildeball, gegen 20.30 Uhr wird – wieder mit der Pankokenkapelle – gemeinsam um den Roland getanzt. Danach wird im Kaisersaal der neue Jüngste ausgerufen und gefeiert. „Die Bad Bramstedterinnen und Bad Bramstedter können gerne mehr Flagge zeigen“, fasst Gildeschreiber  Böttcher den Wunsch des Vorstandes zusammen und hofft auf eine rege Beteiligung bei den Feierlichkeiten.

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