Sebastian Kühl ist neuer Jüngster der Fleckensgilde

Pfingsten war die "Hochzeit" der Bramstedter Fleckensgilde von 1560

Der Gildevorstand - hier einige Mitglieder - nahm den neuen Jüngsten Sebastian Kühl (2. v. re.) gleich in ihre Mitte. Fotos: Straehler-Pohl

Endlich konnte auch wieder um den Roland getanzt werden. Das ließen sich Gildeschatzmeister Dr. Manfred Spies und seine Frau Andrea (vorne) und Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt mit dem Alt-Bürgermeister Udo Gandecke (hinten) nicht zweimal sagen.

Einen Tag lang „regierte“ die Fleckensgilde die Stadt. Öllermann Andreas Seller durfte sogar auf dem Bürgermeisterinnen-Stuhl Platz nehmen. Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt (re.) und Bürgermeisterin Verena Jeske gaben ihm „Rückendeckung“. Foto: Otto

Bad Bramstedt (usp/hot) – Zwei Jahre lang konnte die Bramstedter Fleckensgilde von 1560 aufgrund der Corona-Pandemie ihre Pfingstaktivitäten nicht ausüben. Mit umso mehr Spannung wurde am Dienstag beim Gildeball im Kaisersaal erwartet, wer die Nachfolge von Thorsten Ehlers, Betreiber der Traditionsgaststätte, antritt und neuer Jüngster wird. Es wurde der Schiffahrtskaufmann Sebastian Kühl. Der 36-Jährige wohnt seit zehn Jahren in Bad Bramstedt, ist verheiratet, Vater von zwei Kindern und HSV-Fan.
Mitglieder der Fleckensgilde, Gäste und zahlreiche Bürger hatten sich eingefunden, um beim Tanz um den Roland das Vermächtnis des Fleckenbefreiers Jürgen Fuhlendorf einzulösen – am Dienstag nach Pfingsten um den Roland zu tanzen in Erinnerung daran, dass er es geschafft hat, den Flecken vor der Leibeigenschaft des Baron von Kielmannsegg zu bewahren.
Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt erinnerte daran, dass, trotz Corona, „de Tosomenhalt vun de Gilde wiederbestohn hett“. Ihr Herzenswunsch sei, „dat de Achtung und de Respekt vör eenanner nie verloren geit!“ Gemeinsames Ziel sei, „uns Bad Bramstedt to erhol‘n un för de Tokunft stark to moken.“

Danach ging es unter den Klängen der „Pankoken Kapelle“ in den Kaisersaal, um bei Tanz und launigen Reden den Abend zu verbringen.
Bürgermeisterin Verena Jeske schlug in ihrer Rede einen Bogen zur heutigen Situation in der Welt und den Gedanken, die dem Gildefest zugrunde liegen. „Die uns allen so vertraute Freiheit erfährt massive Anfeindungen, ob im Inneren mit immer mehr Zorn und Hass in sozialen Medien und darüber hinaus. Ob in Europa durch einen Krieg, den wir uns alle haben nicht mehr vorstellen wollen und auch nicht haben vorstellen können“, meinte Jeske. In dieser Zeit der Bedrohung unserer Freiheit sei es ein starkes Zeichen, wenn die Bramstedter Fleckensgilde wieder ihr Fest begehen könne, so Jeske weiter. Dieses Fest erinnere an den Kampf der Bramstedter Fleckenseinwohner um ihre persönliche Freiheit. „Ich wünsche allen Menschen auf dieser Welt ein Leben in Freiheit und ohne Fremdherrschaft. Und dort, wo das angegriffen wird, möge es ihnen gelingen, ihre Freiheit zu verteidigen. Und möge die Bramstedter Fleckensgilde den Geist von Zusammenhalt und Freiheitsstreben wachhalten und für alle Zeiten bewahren“, beendete sie ihre Rede.

Dann ging sie darauf ein, wie sie den am Vormittag erhaltenen Gildebefehl umzusetzen gedenkt. Dabei ging es darum, „wat se noch mit unsen Roland so vör hett“.
Der älteste Bürger der Stadt sei in Drucksachen und Werbebroschüren immer etwas steif rübergekommen, so Jeske. Deshalb hätten ihn die Damen aus dem Tourismusbüro mehr Schwung verliehen und ihm mit der Brust voraus und keckem Blick der Zukunft hoffungsvoll entgegensehen lassen. Außerdem würde ihn in den Prospekten ein bunter Vogel umschwirren. Allerdings handele es sich nicht um einen Kolibri, sondern um einen Eisvogel, der sich im Hudautal niedergelassen habe. Der solle unbedingt dem Roland nähergebracht werden.
Und die Bürgermeisterin verwies auf den Blütenzauber, der um den Roland entfacht wurde. Ansonsten stünde die Antwort auf die Frage „Und was hat die Bürgermeistersch noch so vor?“ bereits im letzten Vers des Bramstedter Liedes geschrieben: „Uns leew Bramstedt mit din Roland, du schasst wassen, Du schasst blöhn“. Sie wolle es wie ihre Vorgänger halten – als Beispiele nannte sie im Rückblick die Erschließung der Solequellen, die Ansiedelung der Kliniken bis hin zu der Bundespolizei.  Auch sie wolle gern Ideen aufgreifen, die Bad Bramstedt zum Blühen bringen und selbst ein bisschen von dem Schwung und dem Mut zur Zukunft aus den 1990er-Jahren mit in die 2020er nehmen, den Ort als Medizinstandort zu stärken und auszubauen, ohne dabei das angestammte Gewerbe und den Handel aus den Augen zu verlieren.  Außerdem wolle sie, dass junge Familien nach Bad Bramstedt zur Arbeit kommen und hier gutes Geld verdienen.
Ihr Ziel ist, den Vers des Bramstedter Liedes in die Tat umzusetzen: „Min leew Bramstedt mit Din Roland, Du schasst wassen, Du schasst blöhn“, endete Jeske.
Nach Bekanntgabe des neuen Jüngsten, für den der Öllermann das Vorschlagsrecht hat, wurde mit der Band „Top Music“ bis in die frühen Morgenstunden das Tanzbein geschwungen.

Die Gildefeierlichkeiten begannen bereits am Pfingstsonntag mit einem plattdeutschen Gottesdienst in der Maria-Magdalenen-Kirche. Pastor Jörg Möller-Ehmcke hielt die Predigt über Paulus und das Reisen, der Achtmann Burkhard Reck und der zweite Jüngste Andreas Böttcher hielten die Lesungen op Platt.  Für die musikalische Umrahmung sorgte der Gospelchor MaMa Spirit.
Gespannt warteten der Vorstand und einige Bad Bramstedter am Montagmorgen, mit welchem originellen Gefährt die beiden Jüngsten Thorsten Ehlers und Andreas Böttcher auf den Bleeck anrollten. Und die Idee war wirklich originell. Unter großem Beifall kamen sie mit einem Gespann vorgefahren, das von sechs Huskys des Husky-Zentrums Brokstedt gezogen wurde. Prädikat: „Wau! Wow! tierisch gildewürdig.“
Am Dienstag Klock 8 übernahm die Gilde dann für einen Tag die Regentschaft in der Stadt. Bürgermeisterin Verena Jeske und Bürgervorsteherin Annegret Mißfeldt übergaben den Stadtschlüssel im neuen Gildezimmer im Schloss an den Gildemeister Ansgar Schroedter und den Öllermann Andreas Seller. Doch diesmal war es nicht der gewohnt große Stadtschlüssel. Denn auch das Rathaus ist der modernen Zeit nicht verschlossen. So gab‘s diesmal einen Transponder in die Hand gedrückt. Für den Öllermann Andreas Seller kein Problem. Schließlich ist er Elektromeister und kennt sich mit solchen Dingen bestens aus.
So verschaffte er dem Vorstand schnell Einlass in das Rathaus, damit die beiden Jüngsten einigen Mitarbeitern einen kühlen Gildegeist einschenken konnten. Auch das Bauamt wurde inspiziert. Auf dem grünen Planungstisch lag just das Modell für das neue Feuerwehrhaus. Und das Thema „brennt“ den Bad Bramstedtern natürlich derzeit mächtig „unter den Nägeln“. Dann ging‘s für den Vorstand weiter auf den traditionellen Inspektionsgang durch die Rolandstadt. Abends wurde der Gildeball im Kaisersaal gefeiert, und auch der Tanz um den Roland konnte in diesem Jahr endlich wieder stattfinden. Am Mittwoch frühstückte der Vorstand ausgiebig mit dem neuen Jüngsten im Kaisersaal. Nun hat der Vorstand erst einmal seinen wohlvergienten „Gildeurlaub“.  
Mehr Fotos in der Bildergalerie auf www.ihranzeiger.de

  • Wohnträume

    Wohnträume 2022 12

  • Berufswahl Extra

    Berufswahl Extra 2022 5

  • Erfolgreiche Unternehmen Süd

    Erfolgreiche Unternehmen Süd 2021 24

Familien-Anzeige Online aufgeben

... hier klicken